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10. Zeulenrodaer Kongress für Orthopädie und Sportorthopädie (ZKOS) Was möchte der Patient?

Ausgabe 01/2020

Knieverletzungen im Sport sowie das „instabile Gelenk“ standen vergangenen Sommer im Fokus des 10. ZKOS. Zum Jubiläumskongress hatten sich erstmals über 200 Orthopäden, Sportärzte und Physio­therapeuten eingefunden. Bei der Podiumsdiskussion von Praxisfällen ging es stets auch darum, wie der Patient künftig leben möchte.

Die individuelle Zielsetzung des Patienten ist eine der zentralen und leitenden Fragen bei der Behandlung. Das zeigten die präsentierten Fälle, von denen zwei kurz vorgestellt werden sollen:

Dr. med. Casper Grim, Chefarzt an der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Klinikum Osnabrück.

Fall 1: Offene Femurschaftfraktur nach Autounfall

Dr. med. Casper Grim, Chefarzt an der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Klinikum Osnabrück, stellte den Fall einer 21-jährigen Patientin vor, die durch einen Autounfall u. a. eine offene Femurschaftfraktur am linken Bein erlitten hatte. Diese wurde im Ausland versorgt , infizierte sich aber nachfolgend. Die Patientin wurde über Jahre in mehreren Ländern operiert. Zu Behandlungsbeginn in Osnabrück lag folgende Ausgangslage vor: Artrophe Infekt-Pseudarthrose des Femur mit Verkürzung, Hüftgelenksankylose, Kniegelenk multidirektional instabil bei stattgehabter Luxation und ankylosiertes Femoropatellargelenk. Die Patientin konnte weder gehen noch stehen.
Unter orthopädischem Gesichtspunkt stellten sich diese Fragen: Möchte die Patientin wieder laufen? Sollte sie prothetisch versorgt , eine Marknagelung oder Verplattung vorgenommen werden? Ist sie überhaupt sicher infektfrei? Ist eine Femurverlängerung machbar?
Dr. Grim und Team führten nach der Resektion der Pseudarthrose einen Segmenttransport des Femur durch sowie eine Orthesen­stabilisierung des linken Knies. Das Femur wurde um insgesamt zwölf Zentimeter verlängert. Der externe Fixateur wurde nach sieben Monaten entfernt. Nach schrittweisem Belastungsaufbau kam es nach anderthalb Jahren zu einer guten Verknöcherung und Durchbauung, so dass die Patientin unter Vollbelastung des Beins mobilisiert werden konnte.

Prof. Dr. med. Wolfram Mittelmeier, Direktor der Klinik und Polik­linik für Orthopädie am Universitäts­klinikum Rostock.

Fall 2: Rückenschmerzen bei jungem Tennisspieler

Um „Sport und Instabilität“ sowie die Besonderheiten bei der Behandlung von (Leistungs-)Sportlern ging es im Beispiel von Prof. Dr. med. Wolfram Mittelmeier, Direktor der Klinik und Poliklinik für Orthopädie am Universitätsklinikum Rostock. Bei einem 13-jährigen Tennisspieler mit Rückenschmerzen wurde eine Spondylolyse diagnostiziert. Prof. Dr. Mittelmeier fragte das Publikum, welchen Behandlungsansatz sie wählen würden. Der 13-Jährige ist Leistungs­sportler und möchte seine Karriere weiter fortsetzen. Das Fachpublikum war sich einig, dass der Junge vorerst pausieren und mit einer gezielten Physiotherapie mit viel isometrischem Training behandelt werden sollte. Nach einem positiven Therapieverlauf könnte er mit einer entsprechenden Bandage wieder das Leistungstraining beginnen. Sollte der Wirbel allerdings zu weit herausgleiten, wäre das das Ende des Leistungssports.
Grundsätzlich gab Prof. Dr. Mittelmeier seinen Kollegen mit auf den Weg, dass beim Begleiten von Leistungssportlern stets eine konsequente Analyse erfolgen muss – auch dahingehend, was die spezifische Leistungssportart trainiert. Und dass beim Einsatz von Medikamenten immer der Fakt des Dopings beachtet werden muss.

 

 

Weitere Informationen:

Der Zeulenrodaer Kongress für Orthopädie und Sportorthopädie (ZKOS) findet seit 2010 unter der Schirmherrschaft der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) und der Association for Orthopaedic Research (AFOR) im thüringischen Zeulenroda statt. Er richtet sich vorrangig an Orthopäden, Sporträrzte und Physiotherapeuten.

Informationen zum ZKOS 2020 unter www.zkos.de

Bilder: Andreas Wetzel/Bauerfeind AG


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