Für Ärzte und Partner im Gesundheitswesen Informationen für Patienten finden Sie hier.

Wundmanagement bei Ulcus cruris „Kompression ist das A und O“

Ausgabe 03/2016

Diabetische Füße, Dekubiti, offene Bäuche oder venöse Ulzera – Christiane Kanis, Mitarbeiterin der Serimed GmbH und Co. KG in Zeulenroda, hat täglich mit unterschiedlichsten Wunden zu tun. Und auch wenn die jeweilige Indikation im Fokus steht , richtet die zertifizierte Wundmanagerin stets einen ganzheitlichen Blick auf die Patienten.

„Bei Frau Schlegel weiß ich sofort , wenn sie viel Stress gehabt hat“, sagt Schwester Christiane. Denn dann geht bei ihrer Patientin die Wunde an der Innenseite des linken Unterschenkels regelmäßig wieder auf. Seit 14 Jahren lebt Doris Schlegel , Anfang 60, mit ihrem rezidivierenden Ulcus cruris. Nach einem komplizierten Bruch traten bei ihr postoperative Wundheilungsstörungen auf, die durch eine venöse Insuffizienz noch verschärft wurden. Ein klassisches Misch­ulkus entstand.
Dass Haut und Psyche in einer besonderen Verbindung stehen, konnte Schwester Christiane schon häufig beobachten. „Gerade Patienten, deren Ulzera schon lange Jahre bestehen, sind psychisch oft sehr angegriffen. Viele haben zusätzlich noch ödematöse Beine und können mitunter schlecht laufen. Einige trauen sich kaum noch in die Öffentlichkeit – manche zeigen ihr offenes Bein noch nicht mal ihrem Arzt“, berichtet die zertifizierte Wundmanagerin.

Die Wundschwester als „Kümmerer“

Christiane Kanis, Mitarbeiterin der Serimed GmbH & Co. KG und Wundmanagerin im Wundnetz Thüringen/Vogtland.
Christiane Kanis, Mitarbeiterin der Serimed GmbH & Co. KG und Wundmanagerin im Wundnetz Thüringen/Vogtland.

Zuhören, ernst nehmen, Vertrauen aufbauen – das ist daher meist der erste Schritt , wenn Christiane Kanis in ihrer Tätigkeit als Wundmanagerin im Wundnetz Thüringen/Vogtland Wundpatienten berät , anleitet und versorgt. „Mit den Wundnetzen sichern wir die interdisziplinäre Versorgung und Therapie der Patienten durch alle Fachrichtungen ab. Beteiligt sind u. a. Hausärzte, Chirurgen, Dermatologen und Gefäßchirurgen“, erklärt sie. „Die behandelnden Ärzte legen allein oder in Absprache mit der Wundschwester das Therapiekonzept fest. Anschließend ist die Wundschwester zuständig für die Therapieumsetzung – in den Praxen, in den Pflegeheimen und in der häuslichen Krankenpflege. Wir sind sozusagen die ,Kümmerer‘.“
Schwester Christiane ist seit 32 Jahren im Beruf. Hat sich in dieser Zeit die Behandlung von Wundpatienten verändert? „Extrem!“, sagt sie. „Denken Sie nur an die Fortschritte bei den Wundauflagen und Kompressionstherapiesystemen. Heute können qualitativ hochwertige Wundauflagen dank ihres guten Exsudatmanagements viel länger auf der Wunde belassen werden. Wenn alle Parameter stimmen, ist die Wundversorgung wesentlich einfacher als früher – und auch erfolgreicher.“ Wichtig sei jedoch immer, den Patienten ganzheitlich zu therapieren. „Frau Schlegel wurde anfangs beispielsweise nur aus unfallchirurgischem Blickwinkel therapiert“, berichtet die Wundmanagerin. „Erst als sie vier Jahre später zu uns in die Wundsprechstunde kam, fand auch der venöse Zustand Beachtung und sie erhielt endlich die notwendige Kompression.“

Praktisches Ulkus-Kompressionsstrumpfsystem

Mit der Anziehhilfe geht das sorgfältige Débridement am Ulcus cruris leichter.
Mit der Anziehhilfe geht das sorgfältige Débridement am Ulcus cruris leichter.

Bei den meisten Unterschenkelulzera, die Schwester Christiane versorgt , ist eine chronische venöse Insuffizienz die Ursache. „Diese Ulzera lassen sich relativ gut behandeln. Hier ist das A und O die Kompression.“ Bei einem stark nässenden Ulcus cruris venosum steht das Exsudatmanagement mit speziellen Wundauflagen im Vordergrund, stets in Kombination mit einem Kompressionsverband, auch um die ödematösen Beine zu entstauen. „Gerade in der Anfangsphase ist es ganz wichtig, eine gute Kurzzugbinde mit Unterpolsterung fachgerecht anzulegen. Idealerweise macht das der Pflegedienst“, so Schwester Christiane. „Sobald sich die Wunde in der Granulationsphase befindet und das Ödem zurückgegangen ist , können auch Ulkus-Kompressionsstrumpfsysteme genutzt werden.“ Deren Vorteile liegen für die Wundmanagerin auf der Hand: „Die Kompressionsstrümpfe üben einen konstanten therapeutischen Druck aus. Mit dem Unterstrumpf lässt sich die Wundauflage schön fixieren, vor allem auch nachts, wenn der Patient mit einer leichteren Kompression auskommt.“ Gute Erfahrungen hat sie mit dem VenoTrain ulcertec gemacht. „Der Strumpf hat eine gute Passform, ist sehr langlebig und von den Patienten gut zu handhaben.“ In der Erhaltungsphase rät sie ihnen, auch weiterhin medizinische Kompressionsstrümpfe zu tragen. „Leider nimmt die Therapietreue oft deutlich ab, sobald das Ulkus wieder geschlossen ist“, bedauert die Wundmanagerin. „Dabei könnten mit einer konsequenten Folgetherapie viele Rezidive vermieden werden.“
Neben der Kompressionstherapie spiele auch die Hautpflege bei Ulkus-Patienten eine große Rolle. „Gerade bei Rezidiven wird die Haut über der Wunde sehr derb und reagiert anfälliger auf Stöße, Reibung und Schweiß. Daher ist eine gute Hautpflege, die speziell auf den Patienten abgestimmt ist , von großer Bedeutung. Darüber hinaus ist es wichtig, sich eine positive Lebenseinstellung zu bewahren und Stress zu reduzieren.“

VenoTrain ulcertec

Bilder: Ralph Kunz