Kompressionsstrümpfe·Ulcus Cruris Venosum

»Wir brauchen mehr Prävention und Aufklärung«

Wundmanagement in der Praxis

Von Bauerfeind Life Magazin

Kurz & knapp Gabi Weigold, Krankenschwester, Fachtherapeutin Wunde und zertifizierte Wundmanagerin, hat in über 20 Jahren Berufspraxis festgestellt: Viele Patienten mit der Diagnose Ulcus cruris venosum werden zu spät therapiert und wissen außerdem wenig über die Folgen ihrer Erkrankung. Die Geschäftsführerin des „Wundmanagements Gabi Weigold“ in Döhlau bei Hof wünscht sich daher:

  • Bessere Aufklärung und Vermittlung von Basiswissen über die Ursachen von Ulzera auf allen Ebenen von den Versorgern bis zu den Patienten.
  • Ein breiteres Schulungs-, Informations- und Präventionsangebot, wie sie es in ihrem Bildungsinstitut selbst ins Leben gerufen hat.
  • Hohe Adhärenz bei Patienten, die verstehen, dass nach Entstauung und Wundheilung medizinische Kompressionsstrümpfe künftig ihre täglichen Begleiter sein werden.

Wenn es um Wundversorgung geht, ist Gabi Weigold in ihrem Element. Die selbstständige Fachtherapeutin appelliert an Versorger wie Patienten, die Ursachen von Ulzerationen ernst zu nehmen – und es am besten gar nicht erst zum offenen Bein kommen zu lassen.

Vorsichtig löst Gabi Weigold das Pflaster von der Außenseite des Unterschenkels ihrer Patientin. „Geht’s?“, fragt sie. „Es ziept ein bisschen“, antwortet Margit B., aber das ist für sie Routine, die beiden sind ein eingespieltes Team. Dreimal die Woche kommt die 77-Jährige zum Verbandwechsel in die Praxis des „Wundmanagements Gabi Weigold“ im oberfränkischen Döhlau. Seit 2016 leidet sie an einem Ulcus cruris mixtum, also dem gleichzeitigen Auftreten einer chronisch-venösen Insuffizienz (CVI) und einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK). Übrigens die häufigste Erkrankung, die Gabi Weigold, Fachtherapeutin Wunde und zertifizierte Wundmanagerin, behandelt. „Die zweithäufigste sind Ulzera ohne richtige Diagnose“, sagt sie. Und ist schon mitten in ihrem Herzensthema: „Wir brauchen mehr Aufklärung auf diesem Gebiet!“ Vom Hausarzt bis zum Klinikpersonal, vom Pflegedienst bis zu den Patienten hat sie in über 20 Jahren Berufspraxis im Bereich Gefäßerkrankungen Wissenslücken beziehungsweise eine Unterbewertung der Erkrankung Ulcus cruris venosum beobachtet, der schwersten Form der chronisch venösen Insuffizienz (CVI) und eine der häufigsten Ursachen für nicht spontan heilende Wunden.

Dreimal die Woche versorgt Gabi ­Weigold die Wunden von Margit B. Neben dem Verbandwechsel gehören Schaumreinigung und Hautpflege dazu. 

Mit Kursen und Vorträgen Bewusstsein für das Thema wecken 

Seit 2008 ist Gabi Weigold selbstständig, vor fünf Jahren hat sie mit ihrem fünfköpfigen Team neue Praxisräume am Ortsrand von Döhlau nahe Hof bezogen: großzügige Parkplätze vor dem Gebäude, barrierefreier Eingang, helles, einladendes Ambiente, in dem Patientinnen und Patienten sich wohlfühlen. Die weniger mobilen Patienten werden von Gabi Weigolds Mitarbeiterinnen zu Hause, im Pflegeheim oder in Arztpraxen versorgt. Ebenfalls im Haus befindet sich Gabi Weigolds Bildungsinstitut. Hier bietet sie Basis- sowie Rezertifizierungskurse für Wundexperten ICW1 an. Auch Vorträge für Patienten, Angehörige und interessierte Laien stehen auf dem Programm. Davon erhofft sich die Geschäftsführerin nicht nur mehr Aufklärung, sondern auch ein gesteigertes Interesse an Prävention, zum Beispiel mit gezielter Bewegung: So gehören zum Angebot unter anderem Yoga, Sitzgymnastik und Nordic Walking für Einsteiger. „Die Leute sollen rauskommen, sich bewegen, sich austauschen“, beschreibt Gabi Weigold das Konzept. Ihr Traum: „Eine Art Selbsthilfegruppe zu gründen. So etwas gibt es für alle möglichen Diagnosen, aber nicht für Ulkus-Patienten.“ 

„Einmal Kompressionsstrümpfe,
immer Kompressionsstrümpfe!“

Gabi Weigold

Überhaupt vermisst sie viele Leistungen, die bei der Behandlung anderer Erkrankungen dazugehören, zum Beispiel Beratungseinheiten und Schulungen, wie sie Diabetiker erhalten. Oder regelmäßige Termine für Entstauung und Umfangmessungen: Hat sich der Umfang vier bis sechs Wochen lang nicht mehr verändert, kann die Bestrumpfung den Kompressionsverband ersetzen. „Würden Patienten dieses Zeitfenster kennen, würde sie das sehr erleichtern und anspornen“, glaubt sie. 

Gabi Weigold, Krankenschwester, Fachtherapeutin Wunde und zertifizierte Wundmanagerin, ist Geschäftsführerin des „Wundmanagements Gabi Weigold“ im oberfränkischen Döhlau.

Die Realität sieht anders aus. „Viele kommen zu mir und sagen, ich habe ein Loch im Bein, und hoffen, dafür wird es schon ein Pflaster geben“, berichtet die Oberfränkin. Was es genau damit auf sich hat und welche lebenslangen Folgen mit einem Ulkus verbunden sind, ist den wenigsten klar. Auch, dass die Behandlung viel früher hätte ­beginnen müssen. Doch die meisten nehmen die Beschwerden anfangs nicht ernst. Ein aufgekratzter Insektenstich, ein unsanfter Stoß – aber warum schließt sich die Wunde trotz Pflaster und Antibiotikum auch nach Wochen nicht? Die wirkliche Ursache wird oft erst spät erkannt. Endlich in ihrer Praxis angekommen, versucht Gabi Weigold, den Menschen anschaulich die Funktion von Venen und Arterien ­darzustellen und ihnen klarzumachen, dass sie bei einem Ulcus cruris venosum nach der Wundheilung weiterhin medizinische Kompressionsstrümpfe benötigen. Mit Erfolg: „Die meisten Patienten vertrauen mir und lassen sich überzeugen, wenn man alles ausführlich erklärt. Viele sind dankbar, dass sie eine Anleitung erhalten.“ Sie spüren, dass sie in der Praxis ganzheitlich betrachtet und therapiert werden. Denn häufig werden Therapieformen aufgrund der Symptome gewählt, nicht im Hinblick auf die eigentlichen Ursachen. 

Mehr Lebensqualität durch Kompressionsstrümpfe

Gabi Weigold scheut sich nicht, Ärzte zu kontaktieren, und erwartet von einem guten Sanitätsfachhandel, rechtzeitig an eine neue Verordnung zu erinnern. „Leider meinen viele Patienten, wenn die Wunde zu ist, ist alles okay.“ Dabei lässt sich der Auslöser für ein Ulcus cruris venosum, die CVI, nicht heilen, und tagtägliche Kompression gehört von nun an dazu. Das betrifft jüngere Patienten, die schnellstmöglich wieder arbeiten wollen, ebenso wie die über 60-Jährigen, die das Gros der Patienten ausmachen. Ein Kompressionsstrumpf gibt ihnen nach der Entstauungsphase ein großes Stück Selbstständigkeit und Lebensqualität zurück, da sie ihn auch einfach selbst anlegen können, in der Regel unterstützt durch eine Anziehhilfe. Das gilt insbesondere für die Kompressionsklasse 3, die Gabi Weigold öfter bevorzugen würde als die meist verordnete Kkl 2. „In Rücksprache mit dem Arzt empfehle ich gern den VenoTrain ulcertec“, erklärt sie, denn Unterstrumpf und Oberstrumpf ergeben übereinander getragen eine Kkl 3. Sie lassen sich einzeln leichter anlegen als ein Einzelstrumpf in Kkl 3 und der Unterstrumpf könne sogar nachts getragen werden. Auch über die Ausführungen müsse man individuell nachdenken, betont die Wundexpertin. So habe sie einer unglücklichen Patientin mit Inkontinenz geraten, mit dem Arzt über die Möglichkeit der Verordnung von Oberschenkelstrümpfen zu sprechen anstelle von Strumpfhosen. Alles kann auf den Prüfstand, nur eines steht für Gabi Weigold fest: „Einmal Kompressionsstrümpfe, immer ­Kompressionsstrümpfe!“ 

Mehr Infos zum gesamten Sortiment der Kompressions- und Stützstrümpfe auf: www.bauerfeind.com.

Bilder: Bauerfeind, Frank Steinhorst

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