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Wintersportverletzungen Stabilisieren, bewegen, heilen

Ausgabe 03/2012

Schnell, schneller, am schnellsten. Dafür sorgen die im Skisport ständig verbesserten Materialien und gut präparierte Pisten. Für die Verletzungsstatistik gibt dies zwar keine Entwarnung, doch auch die Therapiemöglichkeiten haben sich weiterentwickelt. life sprach darüber mit dem Unfallchirurgen und Teamarzt des Österreichischen Skiverbands, Dr. med. Gerhard Oberthaler.

Dr. med. Gerhard Oberthaler.
Dr. med. Gerhard Oberthaler.

Gibt es unterschiedliche Verletzungsmuster im Alpinski und beim Snowboarden?
Dr. Oberthaler: Ja, durchaus. Alpinskifahrer verletzen sich eher an Knie und Schienbein, Snowboardfahrer haben ihren Schwachpunkt im Bereich des Handgelenks und der Arme. So erklärt sich auch, dass statistisch gesehen im Wintersport Knieverletzungen an erster Stelle stehen. Verletzungen an Händen und Armen zusammengenommen erreichen aber nahezu die gleiche Häufigkeit.

Kann man über die Jahre hinweg hierbei eine Entwicklung erkennen?
Dr. Oberthaler: Beispiel Skischuhe: Die Hebelkräfte, die am Rand eines Skischuhs wirken, verursachten früher häufig Brüche der Unterschenkelknochen, vor allem sogenannte Schuhrandbrüche. Im Laufe der Jahre hat man die Skischuhe immer höher geschnitten, um eine bessere Kraftübertragung auf den Ski zu erzielen. Dadurch hat sich die Verletzungsrate eine Etage höher verlagert , vom Unterschenkel in Richtung Knie. Beim Skifahren mit zu viel Druck auf die Skier kann es daher sogar ohne Sturz zum Kreuzbandriss kommen.

Früher wurde auch weitaus mehr gegipst , mit allen Nachteilen.“ (Dr. med. Gerhard Oberthaler)

Hat sich Ihre Arbeit als Unfallchirurg auch verändert?
Dr. Oberthaler: Die Medizin hat sich in den letzten 20 Jahren natürlich enorm weiterentwickelt. Wir verfügen heute über verfeinerte Operationstechniken und bessere, schonendere Hilfsmittel und Therapien. Viele Eingriffe lassen sich heute minimalinvasiv per Schlüssellochchirurgie vornehmen. Früher wurde auch weitaus mehr gegipst , mit allen Nachteilen. Mit dem Einsatz von Metall­implantaten, also Schrauben, Platten usw., erzielen wir eine raschere Rehabilitation.

Wie sieht das konkret aus?
Dr. Oberthaler: Nehmen wir den „Klassiker“ unter den Handverletzungen, den Skidaumen, einen Bandriss im Daumengrundgelenk. Eine Operation ist hier unumgänglich. Früher erhielt der Patient danach einen Gips, war sehr eingeschränkt in seinem Alltag und konnte frühestens nach fünf Wochen, nach der Gipsabnahme, mit Rehamaßnahmen beginnen. Heute hingegen ist er schon nach fünf Wochen komplett beschwerdefrei. Das hat auch mit der Verwendung von Stabilorthesen zu tun.

Können Sie deren Einsatz näher erläutern?
Dr. Oberthaler: Metall- oder bioresorbierbare Implantate gewährleisten heute direkt nach der OP eine stabile Gelenksituation, die Orthese stützt zusätzlich. Durch eine Dau­menorthese wie RhizoLoc ist die Beweglichkeit im Daumengrundgelenk zwar eingeschränkt , der Heilungsprozess beschleunigt sich aber. Der Grund: Das Gelenk lässt sich kontrolliert bewegen, dadurch wird das Stoffwechselgeschehen günstig beeinflusst , das Gelenk besser durchblutet und ernährt und findet somit leichter in seine Funktion zurück. Auch bei Zerrungen und zur Unterstützung der Muskulatur sind Orthesen sehr hilfreich.

Bilder: privat , Fotolia.com/Kzenon