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Verordnungsfähigkeit für An- und Ausziehen der Kompressionsklasse 1 gewährt Ein guter Beschluss für betroffene Patienten

Ausgabe 03/2018

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat beschlossen, dass das An- und Ausziehen von Kompressionsstrümpfen oder -strumpfhosen bereits ab Kompressionsklasse 1 verordnungsfähig ist. Über die Vorteile der niedrigen Kompressionsklasse und die Voraussetzungen für die neue Regelung hat Bauerfeind life mit dem Hauptgeschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen, Sven Auerswald, gesprochen.

Sven Auerswald, Hauptgeschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen.
Sven Auerswald, Hauptgeschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen.

Bauerfeind life: Wann kann es sinnvoll für die Therapie und Adhärenz sein, einen Strumpf in Kompressionsklasse 1 zu verordnen?

Sven Auerswald: Ziel der Kompressionstherapie ist die Besserung des klinischen Befunds. Die dafür möglichen Hilfsmittel sind im Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenkassen gelistet. Bei einer Varikose ohne ausgeprägte Ödembildung kann demnach auch eine Kompressionsklasse 1 zur Beseitigung der Beschwerden führen.

Gibt es darüber hinaus Konstellationen, für die eine niedrige Kompressionsklasse gut geeignet ist?

Sven Auerswald: Der G-BA begründet das so: „… Gemäß dem Hilfsmittelverzeichnis soll die verordnete Kompressionsklasse so hoch sein, dass die Kompressionsstrümpfe das behandelte Krankheitsbild kompensieren.“ Weiter führt er aus, dass ältere Patienten oft mehrere Krankheiten haben. Einige dieser Patienten tolerieren Kompressionsstrümpfe einer höheren Klasse schlecht , zum Beispiel bei einer arteriellen Durchblutungsstörung kombiniert mit orthopädischen oder neurologischen Krankheitsbildern. Kompressionsstrümpfe einer höheren Klasse können hier durch den erzeugten Druck Gelenkschmerzen hervorrufen.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit jetzt neu das An- und Ausziehen von Strümpfen der Kompressionsklasse 1 verordnet werden kann?

Sven Auerswald: Die Voraussetzungen zur Verordnung des An- und Ausziehens von Kompressionsstrümpfen aller Klassen im Rahmen der häuslichen Krankenpflege sind in der Anlage zur Häuslichen Krankenpflege-­Richtlinie ausführlich beschrieben. Die Leistung ist verordnungsfähig bei Patienten, die nicht in der Lage sind, die Strümpfe selbstständig oder mit einer Anziehhilfe an- und auszuziehen, zum Beispiel durch eine erhebliche Einschränkung der Grob- und Feinmotorik oder der körperlichen oder geistigen Leistungsfähigkeit. Dies gilt nun auch für die Kompressionsklasse 1.

Weitere Informationen

Die Regelungen im Detail: siehe „Häusliche Krankenpflege-Richt-
linie“ des G-BA unter www.g-ba.de/informationen/richtlinien/11/

bzw. das Eurocom-Faktenblatt „Sieben Fakten zur Kompressionsklasse 1“ www.eurocom-info.de/service/publikationen

Bilder: Heiko Hellmann/www.LichtPart.de, Bauerfeind


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