Kompressionsstrümpfe/ Venenbeschwerden

Die Diagnose muss stimmen

Verordnung von Kompressionsstrümpfen Ccl 1

Von Bauerfeind Life Magazin

Kurz & knapp Bei verschiedenen phlebologischen Erkrankungen sind medizinische Strümpfe der Kompressionsklasse 1 ausreichend. Bauerfeind life fragte zwei Expertinnen aus einer dermatologischen Klinik und einer Facharztpraxis nach ihren Erfahrungen.

  • Medizinische Kompressionsstrümpfe der Kompressionsklasse 1 sind verordnungsfähig, belasten nicht das Budget, können deutliche Linderung bewirken und werden von Patienten gut angenommen.
  • Prof. Dr. Birgit Kahle, Leitende Oberärztin Phlebologie und operative Dermatologie am Universitäts-Klinikum Schleswig-Holstein in Lübeck, hat sehr gute Ergebnisse mit der Ccl 1 etwa im postoperativen Umfeld sowie mit Schnwangeren oder Patienten mit stehenden Berufen.
  • Dr. Christine Zollmann, Mitinhaberin einer Praxis für Venen- und Hauterkrankungen in Jena, verordnet die Kompressionsklasse 1 unter anderem bei älteren Patienten, denen das Anlegen damit leichter fällt.
  • Die Deutsche Gesellschaft für Phlebologie (DGP) empfiehlt in ihrer aktuellen Leitlinie, die niedrigste wirksame Kompressionsklasse zu bevorzugen um die Adhärenz zu fördern.

Bei welchen phlebologischen Erkrankungen sind medizinische Strümpfe der Kompressionsklasse 1 ausreichend? Bauerfeind life fragte zwei Expertinnen aus einer dermatologischen Klinik und einer Facharztpraxis nach ihren Erfahrungen.

Prof. Dr. Birgit Kahle ist Leitende Oberärztin der ­Phlebologie und operativen Dermatologie an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie (Venen-Kompetenzzentrum plus) am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck.

„Die Kompressionsklasse 1 erzielt sehr gute Ergebnisse“

„In meiner Abteilung, der operativen Dermatologie und Phlebologie, liegt der Anteil an phlebologischen Erkrankungen bei circa 50 Prozent. Dabei handelt es sich um den gesamten Komplex an Varizen, Ulkus, Thrombose, postthrombotischem Syndrom, Lungenembolie bis zu vaskulären Malformationen. Medizinische Kompressionsstrümpfe verordnen wir bei allen lymphatischen und venösen Erkrankungen und entsprechenden Beschwerden. Zwar kommen auch Schwangere oder Patienten mit stehenden Berufen zu uns, und bei leichten Ödemen kann man ihnen durchaus einen Strumpf verordnen. Prophylaxe, beispielsweise einer Varikose, können Sie aber damit nicht betreiben. Beschwerden lassen sich erst beeinflussen, wenn sie da sind.

Die Kompressionsklasse 1 verordne ich relativ oft. Sie ist seit vielen Jahren zugelassen und verordnungsfähig. Auch die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie empfiehlt, immer zunächst die niedrigste Kompressionsklasse zu verwenden. Damit erzielen wir beispielsweise im postoperativen Umfeld sowie bei Patienten mit begleitender arterieller Verschlusskrankheit sehr gute Ergebnisse. Der Unterschied beim Anpressdruck ist im Vergleich zur Kompressionsklasse 2 eher gering. Unsere Patienten sind damit sehr zufrieden und kommen gut klar, weil sich die Strümpfe einfacher anziehen lassen. Und sie sind sehr wirksam. Wir haben gerade in einer Studie im MRT nachgewiesen, dass die Ccl 1 auch im Liegen ohne Bewegung eine günstige Wirkung auf Patienten mit einer Venenkrankheit hat. Allerdings müssen die Strümpfe auch getragen werden. Zeigt ein Patient Desinteresse oder kommt mit der Ausrede in die Sprechstunde, er habe die Strümpfe nur heute ausnahmsweise nicht an, verordne ich sie nicht weiter. Patienten, die sich mit einem Therapiewunsch an mich wenden, erhalten eine entsprechende Therapie, aber Überzeugungsarbeit leiste ich nicht. Meine Erfahrung zeigt: Wer wirkliche Beschwerden hat, trägt die Kompressionsstrümpfe regelmäßig und kommt alle sechs Monate zur Folgeverordnung wieder. Das hängt aber nicht von der Kompressionsklasse ab, sondern ist ein prinzipielles Thema.“

Dr. Christine Zollmann, Fachärztin für Dermatologie und Venerologie mit Zusatzbezeichnung Phlebologie und Allergologie, ist Mitinhaberin einer Gemeinschaftspraxis für Venen- und Hauterkrankungen in Jena.

„Die Patienten-Compliance ist super“

„In unserer Praxis für Venen- und Hauterkrankungen verordnen wir medizinische Kompressionsstrümpfe für alle phlebologischen Krankheitsbilder, die dies benötigen. Also zum Beispiel bei Krampfadern, nach Krampfadern-OPs, im Fall akuter oder geheilter Thrombosen, bei schwerer arterieller Durchblutungsstörung. Die Kompressionsklasse 1 verordne ich bei geringen Ödemen, auch bei Schwangeren, die eine Schwellungsneigung oder ein starkes Schweregefühl haben, bei orthostatischen Ödemen und bei gering ausgeprägten Krampfadern. Die Betroffenen verspüren mit der Ccl 1 bereits eine deutliche Linderung. Auch älteren Patienten, denen es schwerfällt, einen Kompressionsstrumpf Klasse 2 anzuziehen, weil sie sich nicht mehr so gut bücken können oder an Arthrose in den Händen leiden, verordne ich sie. In Relation zu allen vier Kompressionsklassen liegt der Anteil der Ccl 1 bei zehn bis 15 Prozent. Die meisten Verordnungen bei uns betreffen die Kompressionsklasse 2.

Grundsätzlich verordne ich Kompressionsstrümpfe nicht so früh wie möglich, sondern erst nach einer ordentlichen Diagnose. Präventiv kann man bei Flugreisen auch ohne medizinische Indikation einen leichten Strumpf tragen. Man muss ihn dann allerdings selbst kaufen. Wir empfehlen zusätzlich bei langen Reisen öfter aufzustehen, herumzulaufen und viel zu trinken. Befinden sich die Krampfadern nicht am Oberschenkel, lässt eine Thrombose nach oder ist bei Ulkuspatienten die Ursache behandelt und die Wunde verheilt, reichen übrigens Kniestrümpfe statt langer Strumpfhosen, vor allem im Sommer eine gute Nachricht. Tragen sollten die Patienten die Strümpfe bestenfalls den ganzen Tag über, bis sie abends die Beine hochlegen können. Manche äußern sich anfangs ablehnend gegenüber Kompressionsstrümpfen. Aber wenn die Diagnose stimmt, ist die Compliance super. Das schöne weiche Material überzeugt die meisten, in den Sanitätsfachhandel zu gehen – sogar die skeptischsten Männer.“

Mit Ccl 1 verspüren die Betroffenen eine deutliche Linderung der Beschwerden.

Kompressionsklassen: niedrig beginnen

Die vier Kompressionsklassen (Ccl) für medizinische Kompressionsstrümpfe (MKS) beschreiben den Ruhedruck im Fesselbereich: leicht, mittel, kräftig, sehr kräftig (1–4). Alle Ccl sind verordnungsfähig, in der Praxis wird am häufigsten die Kompressionsklasse 2 eingesetzt. Die Deutsche Gesellschaft für Phlebologie (DGP) spricht sich in der Leitlinie1 zur Kompressionstherapie gegen eine starre Zuordnung der Kompressionsklasse zu einer Diagnose aus. Die DGP empfiehlt, zunächst immer die niedrigste wirksame Kompressionsklasse zu bevorzugen, um die Adhärenz mit der Kompressionstherapie zu unterstützen. Demnach kann bei einer Varikose ohne ausgeprägte Ödembildung bereits die Ccl 1 Beschwerden beseitigen.

Bilder: Bauerfeind, shutterstock.com/ArtFamily/Alex Kh, privat

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