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VenoTrain soft S Impulse aus der Praxis

Ausgabe 03/2010

Seit April 2010 ist der VenoTrain soft S, ein spezieller Kompressionsstrumpf für überwiegend sitzende Menschen, auf dem Markt. Den entscheidenden Impuls für diese Produktentwicklung gaben Mitarbeiterinnen der Orthotec AG, Schweiz.

„Man merkt, dass es Sommer ist. An heißen Tagen steigt die Ödemneigung und es kommen dann mehr Rollstuhlfahrer zu uns ins Zentrum, um sich Kompressionsstrümpfe anpassen zu lassen“, sagt Orthopädistin Simone Barmettler, die gerade bei Markus Lampart Maß nimmt für den VenoTrain soft S. Die Orthotec AG, eine Tochtergesellschaft der Schweizer Paraplegiker-Stiftung mit Sitz im Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) Nottwil, ist ein Fachbetrieb und Anbieter für Orthopädie- und Rehabilitationstechnik, Rollstuhlmechanik, Fahrzeugumbau und Inkontinenzartikel. In erster Linie versorgt die Orthotec AG stationäre Patienten des SPZ, ist aber auch Anlaufstelle für den ambulanten Bereich.

Orthopädistin Simone Barmettler zieht den VenoTrain soft S an.
Orthopädistin Simone Barmettler zieht den VenoTrain soft S an.

Schenkelstrümpfe Klasse 2 als Erstversorgung

„Bei uns im SPZ werden frisch verletzte Para- und Tetraplegiker zur Thromboseprophylaxe routinemäßig mit medizinischen Kompres­sionsstrümpfen der Klasse 2 versorgt“, erklärt Bandagistin Monika Emmenegger. Bei der Erst-Rehabilitation kommen in der Regel für zirka sechs Monate Oberschenkelstrümpfe zum Einsatz. Die Tragedauer und Ausführung des Strumpfs richtet sich unter anderem nach der Lähmungshöhe und ob Spastiken oder eine schlaffe Lähmung vorliegen. Bei den meisten Rollstuhlfahrern wird nach der stationären Phase entweder auf einen Wadenstrumpf umgestellt oder auf eine weitere Kompression verzichtet. „Liegt eine Thrombose- oder Ödemneigung vor, sollten die Strümpfe natürlich weiter getragen werden“, sagt Simone Barmettler.

Druckstellenproblem bei sitzenden Personen

Mit ihrem selbst gesetzten Anspruch, Rollstuhlfahrern eine bestmögliche Kompressionsstrumpfversorgung zu bieten, stießen Monika Emmenegger und Simone Barmettler immer wieder an ihre Grenzen. „Durch die Sitzposition kam es bei herkömmlichen Strümpfen immer wieder zu Einschnürungen und Druckstellen am Rist, insbesondere bei Männern, die meist einen höheren Rist haben als Frauen“, betont Monika Emmenegger. Und Simone Barmettler ergänzt: „Die besondere Problematik bei Paraplegikern liegt darin, dass sie keine Sensibilität in den Beinen haben. Druckstellen werden dadurch oft zu spät bemerkt – manchmal erst, wenn diese schon offen sind.“ Die engagierten Fachkräfte wandten sich mit ihrem Anliegen an verschiedene Kompressionsstrumpfhersteller – mit einer Ausnahme ohne Erfolg. „Bauerfeind war der einzige Hersteller, der unsere Anfrage ernst genommen und sich um eine Lösung für unsere Patienten bemüht hat“, so Monika Emmenegger.

Besondere Fersen- und Spannkonstruktion

Josef Baumgartner, Geschäftsführer der Bauerfeind AG, Schweiz, nahm Kontakt zur Forschungs- und Entwicklungsabteilung in Zeulenroda auf. „Ich war mir sofort sicher, dass es einen großen Bedarf für einen Strumpf für vorwiegend sitzende, ältere und gehbehinderte Personen gibt“, erklärt Josef Baumgartner. Bisher versorgten die Bandagistinnen der Orthotec AG Patienten mit Maßanfertigungen, bei welchen eine Volumenzugabe von mindestens 10 Prozent über den Rist einkalkuliert wurde. Der VenoTrain soft S besitzt weniger Gestrick am Spann und eine großzügig ausgearbeitete Ferse. Der spezielle Fußkomfortbereich bewirkt – bei typisch anatomischer Fußhaltung von 90 Grad im Sitzen – eine Reduktion der Faltenbildung im Spannbereich und verhindert so eventuell auftretende Druckstellen und Einschnürungen.

Ausgezeichnete Trageeigenschaften

Der VenoTrain soft S besitzt weniger Gestrick am Spann und eine großzügig ausgearbeitete Ferse.
Der VenoTrain soft S besitzt weniger Gestrick am Spann und eine großzügig ausgearbeitete Ferse.

Dass für den „Ausgangsstrumpf“ der VenoTrain soft gewählt wurde, war kein Zufall. „Wir haben uns einen Strumpf gewünscht, der sowohl bei Frauen als auch bei Männern zum Einsatz kommen kann. Er sollte sowohl angenehm anzuziehen und zu tragen als auch robust sein“, führt Simone Barmettler aus. Ihre Kollegin Monika Emmenegger ergänzt: „Der modische Aspekt spielt bei unseren Patienten eher eine untergeordnete Rolle, und auch der großzügige Fersenbereich wird nicht als störend empfunden. Rollstuhlfahrer tragen ihre Schuhe in der Regel sowieso ein bis zwei Nummern größer, damit keine Druckstellen auftreten.“ Mit dem neuen VenoTrain soft S haben die beiden Bandagistinnen/Orthopädistinnen bislang positive Erfahrungen gemacht: „Unter anderem funktioniert das Anziehen des soft S sehr gut, weil der Strumpf etwas nachgibt.“ Ein weiterer Aspekt sei die offene Fußspitze, dank derer auch eine klassische Anziehhilfe verwendet werden könne. „Paraplegiker können mit ihren Beinen keinen Gegendruck aufbauen. Da wäre ein Strumpf mit einer geschlossenen Fußspitze sehr mühsam anzuziehen“, macht Simone Barmettler deutlich.

 

 

 

Unter anderem funktioniert das Anziehen des soft S sehr gut,
weil der Strumpf etwas
nachgibt.“ (Simone Barmettler)

Bandagistin Monika Emmenegger im Gespräch mit Josef Baumgartner, Geschäftsführer der Bauerfeind AG, Schweiz.
Bandagistin Monika Emmenegger im Gespräch mit Josef Baumgartner, Geschäftsführer der Bauerfeind AG, Schweiz.

Einen Tipp für Kollegen bei der Versorgung von Rollstuhlfahrern haben die beiden auch noch parat: „Auf jeden Fall sollte das Y-Maß, und zwar unbedingt bei typisch anatomischer Fußhaltung von 90 Grad genommen werden.“ Den Rollstuhlfahrern raten sie, ihre Strumpfversorgung regelmäßig im Fachgeschäft kontrollieren zu lassen. Bei Frischverunfallten reduziere sich die Muskulatur in den ersten Wochen ganz rapide, zehn Zentimeter Umfangsreduktion in drei Wochen seien keine Seltenheit, und manche Patienten erhalten im ersten halben Jahr bis zu vier Paar Strümpfe. Monika Emmenegger fügt hinzu: „Aber auch im Nachhinein – insbesondere bei Ödempatienten – sollte immer mal wieder Maß genommen werden. Und zwar am besten morgens!“

 

 

Die Schweizer Paraplegiker-Stiftung

In der Behandlung und Betreuung von Querschnittgelähmten gehört die Schweiz zu den weltweit führenden Ländern. Wesentlichen Anteil daran hat die 1975 gegründete Schweizer Paraplegiker-Stiftung (SPS) in Nottwil. Mit ihrer Leistungskette unterstützt sie Para- und Tetraplegiker von der Erstversorgung über die Rehabilitation und die persönliche Mobilität bis hin zur Wiedereingliederung in Familie, Beruf und Gesellschaft.

Weitere Informationen: www.paranet.ch.

Bilder: Conny Kurz