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Überlastungsproblematiken bei Leistungssportlern Beinlängendifferenz mit Kettenreaktion

Ausgabe 01/2017

Bereits bei neun Olympischen Spielen (Sommer- und Winterspiele) war der Mexikaner Dr. Raùl Carrillo Teil des medizinischen Teams der ukrainischen Nationalmannschaft und betreute zudem mehrere Weltmeisterschaften verschiedener Disziplinen. Der Chiropraktiker gilt als Experte für Verletzungen im neuromuskuloskelettalen Bereich.

Bauerfeind life: Welche Körperregionen von Sportlern sind am meisten gefährdet?
Dr. Carrillo: Laut den Statistiken des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) treten die häufigsten Beschwerden im Rücken auf. Die hohen biomechanischen Kräfte wirken sich an erster Stelle auf den Lendenwirbelbereich aus, dann kommt die Halswirbelregion, dann der obere Rücken. Auf den weiteren Plätzen folgen Knie, Sprunggelenk und Schulter.

Welche Verletzungen und biomechanischen Veränderungen können hier beobachtet werden?

Dr. Carrillo: Bekannt ist , dass starke Belastungen einen Kaskadeneffekt auslösen können. Beispielsweise muss ein Athlet mit einer Beinlängendifferenz damit rechnen, dass sämtliche in der Bewegungsachse stehenden Gelenke, also Sprung-, Knie-, Hüft- und Wirbelsäulengelenke, in ihrer Funktion beeinträchtigt werden. Damit werden auch die angrenzenden Knorpel- und Knochenstrukturen betroffen. Und natürlich die assoziierten Muskeln und Sehnen.

Was können die Folgen eines solchen Kaskaden­effekts sein?
Dr. Carrillo: Ich erinnere mich an den extremen Fall einer Taekwondo-Weltmeisterin, deren rechtes Bein einen Zentimeter verkürzt war. Bei dieser Athletin konnte man tatsächlich von einer Kettenreaktion sprechen. Aufgrund des verkürzten Beins entwickelte sie eine kompensatorische Skoliose. Diese Wirbelsäulenverkrümmung wiederum verursachte starke, anhaltende Schmerzen im mittleren und unteren Rücken. Zudem traten wegen der Überbelastung und des veränderten Gangbilds im rechten Knie zwei Meniskusrisse auf, die operativ versorgt werden mussten. Eine Hüftläsion mit rezidivierender Schleimbeutelentzündung sowie chronische muskuläre Probleme im Schenkelbindenspanner (TFL) und in der rückseitigen Oberschenkelmuskulatur komplettierten das Leidensbild. All diese Symptome haben wir retrospektiv festgestellt , nachdem wir die Athletin genau untersuchten. Der erste Stein des Dominospiels war die Beinlängendifferenz. Wir mussten also zum Ausgangspunkt zurück, um eine stabilere, funktionale Struktur zu erzielen.

Teamplayer im Therapieplan von Dr. Carrillo: OmoTrain, ManuTrain, GenuTrain S und AchilloTrain.
Teamplayer im Therapieplan von Dr. Carrillo: ManuTrain, GenuTrain S und AchilloTrain …

Wie wichtig sind orthopädische Hilfsmittel wie Bandagen und Orthesen bei Ihrer Arbeit?
Dr. Carrillo: Orthopädische Hilfsmittel spielen gerade in Verbindung mit Physiotherapie oder Chiropraktik eine entscheidende Rolle. Für mich sind sie von großem Wert , um die mechanische Überbelastung an hoch beanspruchten Gelenken, Bändern, Sehnen und Muskeln zu reduzieren. Sie helfen dem verletzten Athleten, schnell wieder zu seinem Sport zurückzukehren. Sie helfen auch, weitere Schäden zu verhindern. Und sie können dazu beitragen, besonders gefährdete Stellen, wie etwa das Knie nach einer Kreuzbandrekonstruktion, in allen postoperativen Stadien zu schützen und zu stabilisieren.

Können Sie konkrete Beispiele nennen?
Dr. Carrillo: Mit der GenuTrain S etwa arbeite ich gerne nach Seitenband- oder Meniskusverletzungen. Die GenuTrain P3 funktioniert wunderbar bei Patienten mit dysfunktionaler Patellaführung bzw. „Maltracking“ und kann Knorpelverletzungen verhindern. Um nach Karpaltunneloperationen die Hand vor Überlastungen im Alltag zu schützen und trotzdem frei beweglich zu halten, nutze ich die Aktivbandage ManuTrain oder die ManuLoc Rhizo, wenn der erste Mittelhandknochen beteiligt ist , wie bei der Quervain-Krankheit , auch Hausfrauendaumen genannt. Was das Sprunggelenk betrifft , so hilft mir die Achillo­Train bei der postoperativen oder konservativen Versorgung von Achillessehnenrissen oder -reizungen.

Teamplayer im Therapieplan von Dr. Carrillo: OmoTrain, ManuTrain, GenuTrain S und AchilloTrain.
… sowie auch OmoTrain.

Welche Erfahrungen haben Sie und Ihre Patienten mit diesen Produkten gemacht?
Dr. Carrillo: Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Bauerfeind-Produkte eine gute Stabilisierung durch ihre neuromuskuläre Wirkung erzielen. Bei den Bandagen für Knie, Ellenbogen und Sprunggelenk geben mir meine Patienten die Rückmeldung, dass sie diese viel komfortabler empfinden und vor allem ganz ohne Reibung erleben, verglichen mit den Neopren-Bandagen, die sie früher benutzt hatten. Bei Hilfsmitteln aus Neopren sind teilweise sogar Abschürfverletzungen entstanden. Für Bauerfeind sprechen das hervorragende Material und das anatomische Design der Produkte sowie ihre lange Haltbarkeit.

Gibt es Sportdisziplinen, die von einer bestimmten Bandage besonders profitieren?
Dr. Carrillo: Bogenschützen und Fechter haben mit der Schulterbandage OmoTrain eine wirklich gute Hilfe. Diese Athleten müssen oft stundenlang mit ihren Armen in fast vollständiger Streckung trainieren. Für die Rotatorenmanschette ist die Belastung enorm, Einrisse in den Muskeln sind nicht selten. Hinzu kommen Schleimbeutelentzündungen und schwere chronische Sehnenschäden. Hier kann die Aktivbandage das Training stark erleichtern, indem sie den Belastungsstress für Sehnen und Muskulatur im Schulterbereich an der Rotatorenmanschette reduziert.

Wie oft werden Bandagen und Orthesen in Mexiko verschrieben?
Dr. Carrillo: Nicht mehr und nicht weniger als in anderen Ländern auch, in denen sich die Bevölkerung den Vorzügen eines gesunden Lebensstils bewusst geworden ist. Das bedeutet , dass die Menschen allgemein aktiver sind und Freizeitsport betreiben oder einfach anhand eines selbst kontrollierten Fitnessprogramms trainieren. In Mexiko werden benötigte Hilfsmittel in der Regel vom staatlichen Gesundheitssystem bereitgestellt. Viele Privatpatienten besorgen sich inzwischen entweder selbst oder über ihre Versicherung die Hilfsmittel.

Können Überlastungssymptome im Sport verhindert werden?
Dr. Carrillo: Als Mitglied des ukrainischen Olympiateams der letzten neun Spiele, Sommer und Winter, sowie des mexikanischen Taekwondo-Teams seit 2006 habe ich viele Erfahrungen im neuromuskuloskelettalen Bereich zu dieser Frage sammeln können. Meine Antwort lautet: Es ist sinnvoll , bei unterschiedlichen Sportarten und sportlichen Aktivitäten bereits früh präventive strukturelle und biomechanische Beurteilungen durchzuführen, insbesondere bei Kindern, die mit einem intensiven Trainingsprogramm beginnen, z. B. Ballett , Tanzen etc. Dazu gehören unter anderem ergonomische Anpassungen etwa an Trainings- und Wettkampfgerät bzw. -techniken. Im Interesse der Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Sportlers ist es sehr wichtig, das Zusammenspiel von Patienten, Trainern, Physiotherapeuten, Orthopäden, Radiologen und Chiropraktikern zu fördern. Meiner Erfahrung nach scheint mir aber eines das Wichtigste zu sein: gute Teamarbeit!

Dr. Raùl Carrillo

Dr. Raùl Carrillo betreute die ukrainischen Olympioniken in Rio de Janeiro und nutzte dort auch den orthopädietechnischen Service von Bauerfeind.
Dr. Raùl Carrillo betreute die ukrainischen Olympioniken in Rio de Janeiro und nutzte dort auch den orthopädietechnischen Service von Bauerfeind.

Der Direktor und Gründer der Rebioger/Integra Clinics gehört ebenfalls zur Belegschaft am Swiss und am Angeles Hospital in Monterrey/Mexiko. Er hat einen Abschluss vom Northwestern College of Chiropractic und absolvierte postgraduale Studien am Centro Internacional de Restauración Neurológica (CIREN) in Havanna/Kuba. Der Experte hält weltweit Vorträge zu Sportverletzungen im neuromuskuloskelettalen Bereich.

 

 

 

 

 

 


Bilder: Bauerfeind