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Train-Bandagen in der Sport-Physiotherapie Zahlen lügen nicht

Ausgabe 03/2018

Patienten zu behandeln, ist das eine, zusätzlich zu forschen und die Erkenntnisse in die physiotherapeutische Arbeit einfließen zu lassen, das andere. Für den Niederländer Dr. Alli Gokeler ist es meist dasselbe: Prävention.

„Wollt ihr etwas gegen Distorsionen tun?“ Wenn der niederländische Physiotherapeut Dr. Alli Gokeler mit Sportvereinen spricht , kommt immer diese Frage. Und es gibt praktisch keinen Sportverein, der sich nicht angesprochen fühlen müsste. Denn Verletzungen am Sprunggelenk, egal ob sie sich Profis oder Amateure zuziehen, sind die häufigsten Sportverletzungen überhaupt. Fast jeder zweite Sportunfall auf der Welt ist eine Umknickverletzung. Besonders betroffen sind Volleyball- und Basketballspieler. Bevor nun allerdings Dr. Gokeler die Suggestivfrage stellt , versäumt er es nicht , seine Zahlen zu präsentieren.

„Durch Distorsionen entstehen in den Niederlanden jährliche Kosten von rund 355 Mio. Euro.“
Dr. Alli Gokeler

Präventive Vorzeichen

Es sind drastische Zahlen, an deren Erhebung und Aufbereitung der in internationalen Fachkreisen bekannte Experte nicht unbeteiligt ist. Der Physiotherapeut aus Groningen übt neben seiner praktischen Arbeit mit Patienten eine für seine Zunft eher unübliche Zusatztätigkeit aus: Er forscht. Gemeinsam mit Bewegungswissenschaftlern der Universität Groningen hat Dr. Gokeler im Zuge seiner Promotion über Motorik und Neuroplastizität gearbeitet – unter präventiven Vorzeichen. Im Mittelpunkt stand die Vermeidung des Rezidivs nach einer Erstverletzung. Heute ist er ein gefragter Redner auf Fach- und Patientenveranstaltungen sowie Berater bei Vereinen. Vor seinem wissenschaftlichen Hintergrund ist es also wenig überraschend, dass bei Dr. Gokeler Zahlen eine Rolle spielen.

Rezidivrisiko im ersten Jahr extrem hoch

„Durch Distorsionen entstehen in den Niederlanden jährliche Kosten von rund 355 Millionen Euro“, beziffert der Physio­therapeut die volkswirtschaftliche Dimension dieses Verletzungsproblems. Für den einzelnen Sportler und seinen Verein besitzt die Zahl sicher nur eine abstrakte Bedeutung. Ganz anders jedoch sehen die Gesichter der Trainer, Betreuer und Vorstände aus, zumal im Profibereich, wenn sie die relevanten Statistiken betrachten. „Es gibt eine ganze Fülle von Untersuchungen, die zeitlich genau aufzeigen, wie weit Vereine durch die Verletzungen und den dadurch resultierenden Ausfall von Spielern zurückgeworfen werden.“ An dieser Stelle hat Dr. Gokeler die volle Aufmerksamkeit seiner Zuhörer. Wenn die Vereine dann noch erfahren, dass das Rezidivrisiko bei Sprunggelenkverletzungen (und Knieverletzungen!) keineswegs nur in den ersten sechs Monaten nach dem Erstereignis signifikant erhöht ist , sondern sogar über ein ganzes Jahr hinweg, sind sie auf die Abschlussfrage von Dr. Gokeler bestens vorbereitet.

„Train-Bandagen von Bauerfeind besitzen einen hohen propriozeptiven Input.“
Dr. Alli Gokeler

Dr. Alli Gokeler ist Physiotherapeut und forscht über Rezidivvermeidung nach Sportverletzungen.
Dr. Alli Gokeler ist Physiotherapeut und forscht über Rezidivvermeidung nach Sportverletzungen.

MalleoTrain mit prophylaktischer Wirkung

„Wollt ihr etwas dagegen tun?“ Diese rhetorische Frage ist dem Wissenschaftler und gleichzeitigem Praktiker, der Rezidivverletzungen in jeder Schwere und deprimierte Sportler in jeder Gefühlslage kennt , in keinster Weise vorzuwerfen. Dr. Gokeler weiß aus langer Auslandserfahrung, auch in den USA und Deutschland, dass ohne ständiges Motivieren und rhetorisches Geschick kaum Erfolge in der Rezidivbekämpfung zu verzeichnen sind. Natürlich wollen die so Angesprochenen etwas tun. Und siehe da: Dr. Gokeler muss kein Kaninchen aus dem Hut zaubern. Er präsentiert etwas anderes: „Die MalleoTrain-Sprunggelenkbandage ist ein hervorragendes Mittel zur Vermeidung des Rezidivs bei Distorsionen.“ Ihre Vorteile liegen auf der Hand: Für die Vereine sind die Bandagen ein weitaus geringerer Kostenfaktor als ein Tapeverband, für die betroffenen Sportler ein schnell und selbst anzulegendes Hilfsmittel , das zudem hautschonend wirkt.

Bandagen in der Physiotherapiepraxis

„Train-Bandagen von Bauerfeind besitzen einen hohen propriozeptiven Input“, begründet Dr. Gokeler seinen Lösungsvorschlag: „Die Aktivbandagen lösen in der Bewegung einen Wirkmechanismus aus, der dem Patienten das Empfinden von Sicherheit vermittelt.“ Ein weiterer Pluspunkt , gerade für niederländische Patienten: Der Weg zur Bandage ist kurz. Anders als etwa in Deutschland und vielen anderen Ländern können Physiotherapeuten in den Niederlanden Hilfsmittel selbst vorhalten. In der Therapiedurchführung genießen niederländische Physiotherapeuten größere Freiheiten als anderswo. „Wenn ein Patient direkt zu uns kommt , checken wir gründlichst anhand von Leitlinien, ob es sich um einen physiotherapeutischen Fall handelt oder um einen, der medizinischer Abklärung bedarf. Wenn Letzteres der Fall ist , schreiben wir eine Empfehlung, die der Patient zu seinem Arzt mitnimmt.“

Türöffner für die Bewegung

Bandagen in physiotherapeutische Übungen miteinzubeziehen, ist für Dr. Gokeler als Return-to-Play-Maßnahme unverzichtbar. „Der leichte Druck des Gestricks ist angenehm, das Gefühl von Instabilität schwindet.“ Einem weiteren Aspekt misst er auch große Bedeutung zu: „Schmerz wird von vielen mit Schaden und Immobilität in Verbindung gebracht. Mit den Aktivban­dagen haben wir einen Türöffner rein in die Bewegung.“ Was ist dem Therapeut , der sich der Prävention verschrieben hat , auch nach Kreuzbandverletzungen1, eigentlich wichtiger: Wissenschaft oder Praxis? Klare Antwort: „Ich versuche, mit der Kombination von aussagekräftigen Zahlen, praktischen Fertigkeiten und geeigneten Hilfsmitteln den Patienten zu helfen.“

1 A. Benjaminse, A. Gokeler, A. V. Dowling, A. Faigenbaum, K. R. Ford, T. E. Hewett , J. A. Onate, B. Otten and G. D. Myer (2015). „Optimization of the anterior cruciate ligament injury prevention paradigm: novel feedback techniques to enhance motor learning and reduce injury risk.“ J Orthop Sport Phys Ther, 45 (3): 170–182.

Bilder: Stefan Durstewitz


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