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Ruptur des vorderen Kreuzbands Studie zur SofTec Genu liefert erstaunliche Ergebnisse

Ausgabe 03/2011

Der Riss des vorderen Kreuzbands ist eine nieder­schmetternde Diagnose – gefürchtet und alltäglich zugleich. In Deutschland trifft es pro Jahr rund 20.000 bis 30.000 Menschen. Wenn das Band reißt, lauert eine ungewisse Zukunft: Trauma, Instabilität – Arthrose? Eine neue Studie zur Wirkung von Orthesen weist einen Weg: Die SofTec Genu kann in bestimmten Situationen die Stabilität des verletzten Gelenks erhöhen. Anders als eine Hartrahmen­orthese verfügt die ­Multifunktionsorthese über propriozeptiv wirkende Eigenschaften. Experten erkennen darin auch längerfristige Therapieoptionen.

Noch vor dem Aus der deutschen Nationalmannschaft bei der Frauenfußball-Weltmeisterschaft im Sommer flossen bei einer Spielerin bittere Tränen. Im Viertel­finalspiel gegen Japan landete Kim Kulig nach einem Kopfballduell auf dem Boden und blieb schmerz­verkrümmt ­liegen. Es gab kaum Kontakt mit einer Gegenspielerin. Die 21-Jährige verdrehte sich „unglücklich“ das Knie. Nur Pech, dass sie dabei einen Riss des vorderen Kreuzbands davontrug? Ja und nein. Was Kim Kulig widerfuhr, ist beileibe keine Ausnahme. Die vordere Kreuzbandruptur ist nicht nur die häufigste Bandverletzung des Knies, sondern auch die häufigste Verletzung eines Gelenks überhaupt. Das Knie wird vor allem beim Sport in Mitleidenschaft gezogen. Laut Statistik treten mit Abstand die meisten Sportunfälle beim Fußball auf (Steinbrück, 1999)*. Dabei ist die vordere Kreuzbandruptur die häufigste Bandverletzung. Zudem tragen Frauen ein vielfach erhöhtes Risiko, eine Ruptur zu erleiden. Das vordere Kreuzband – eine Sollbruchstelle?

Entscheidender Parameter: Stabilität

Die epidemiologischen Fakten lassen die Komplexität der Vorgänge im größten Gelenk des Körpers erahnen. Wie individuell sich die Verletzung tatsächlich darstellt, zeigt die oft unsichere Prognose. Selbst isolierte Rupturen – häufiger ist die „Unhappy Triad“ (Kombinationsverletzung des Kreuzbands, Innenbands und ­Meniskus) – offenbaren ganz unterschiedliche Heilungsverläufe.

In komplexen, kreuzbandprovozierenden Situationen scheint die SofTec Genu den Probanden besser zu unterstützen als die Hartrahmenorthese.“
(Dr. Gerda Strutzenberger)

Dr. Gerda Strutzenberger, Hauptautorin der Studie.
Dr. Gerda Strutzenberger, Hauptautorin der Studie.

Trotz aller Unwägbarkeiten kristallisiert sich ein entscheidender Parameter heraus: die (wieder zu er­reichende) Stabilität des Knies. Mit ihr stehen und fallen sämtliche therapeutischen Anstrengungen. Dazu gehört auch die Verhinderung der Arthrose. Die Erkenntnis ist nicht neu, dennoch wird sie oft vernachlässigt: Die Heilungsverläufe im verletzten Gelenk, postoperativ oder konservativ, stehen in ­engem Zusammenhang mit dessen wichtigem Stabilisator, dem vorderen Kreuzband. Wenn das Band seine Aufgabe nicht erfüllt, kann ein externer Stabilisator seine Funktion übernehmen. Vorausgesetzt, die Wirksamkeit ist belegt.

SofTec Genu vs. Hartrahmenorthese

Der Baden-Badener Kongress der Vereinigung Süddeutscher Orthopäden und Unfallchirurgen (VSOU) geriet im Frühjahr 2011 für viele Ärzte zu einem Ort des Staunens. Anlass war der Vortrag mit dem Titel „Wirkung verschiedener Orthesentypen auf die passive Instabilität, die Stabilisierungsfähigkeit und die Kraft von Patienten mit nicht operativ versorgter vorderer Kreuzband­ruptur“ (G. Strutzenberger, M. Braig, S. Sell, H. Schwameder).

Durch die Ergebnisse sehe ich mich bestätigt, bei Instabilität therapiebegleitend immer eine Softorthese wie die SofTec Genu einzusetzen.“
(Prof. Dr. Stefan Sell)

Verglichen wurde eine klassische Vier-Punkt-Hartrahmenorthese mit einer Multifunktionsorthese, der SofTec Genu von Bauerfeind. An der Studie nahmen 28 Probanden mit instabilem Kniegelenk teil. Als Parameter für die passive Instabilität wurde der Tibiavorschub durch den sogenannten KT-1000-Test gemessen. Ziel war, die Wirkungen von Orthesen bei Alltagsaktivitäten zu untersuchen. Die Ergebnisse zeigten, dass die passive Instabilität (KT 1000) durch das Tragen der SofTec Genu deutlich verringert wurde. Bei einem speziellen Test zeigte sich sogar eine signifikante Steigerung der Kraftanstiegsrate des verletzten Beins – sowohl im Vergleich ohne Orthese als auch im Vergleich mit der Hartrahmenorthese.

Schutz vor Folgeverletzungen

Angesichts dieser überraschenden Ergebnisse schien selbst die Hauptautorin der Studie, Dr. Gerda Strutzenberger, immer noch erstaunt: „In komplexen, kreuzbandprovozierenden Situationen scheint die SofTec Genu den Probanden besser zu unterstützen als die ­Hartrahmenorthese“, erklärte sie in Baden-Baden bei der Vorabpräsentation der Studienergebnisse.
Die Überraschung ist verständlich, standen doch Hartrahmenorthesen bisher im Ruf, die stabilste Unterstützung zu bieten. Die Resultate der im Rahmen des Nachwuchspreises der VSOU prämierten Studie legen jetzt einen anderen Schluss nahe: Mit der SofTec Genu scheint sich die neuromuskuläre Situation zu verändern.
Im Vergleich zur Hartrahmen­orthese erhöht sich die Kraftanstiegsrate, d. h. es kann in der gleichen Zeit mehr Kraft aufgebracht werden. Durch einen schnellen Ausgleich von Fehlbewegungen schützt sie vor Folgeverletzungen.

Propriozeption macht den Unterschied

„Die rein mechanische Funktion zur Stabilisierung des Kniegelenks leisten beide Orthesen. Aber das ist nicht ausreichend. Es müssen noch andere Elemente angesprochen werden, zum Beispiel die Propriozeption, die die neuromuskuläre Stabilität fördert, und der Tragekomfort.“ Diesen persönlichen Schluss zieht der Mitbetreuer der Studie, Prof. Dr. med. Stefan Sell, Chefarzt am Sana-Klinikum in Bad Wildbad: „Durch die Ergebnisse sehe ich mich bestätigt, bei Instabilität therapiebegleitend immer eine Softorthese wie die SofTec Genu einzusetzen. Auch längerfristig. Die Arthrosegefahr ist immer evident.“ Leider auch die Gefahr der Re-Ruptur des vorderen Kreuzbands. Die gute Nachricht: Die Verletzungskarriere einer anderen „Unhappy Triad“, nämlich der von Trauma, Instabilität und Arthrose, kann durchbrochen werden.

Bilder: Bauerfeind, Conny Kurz, privat


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