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Studie zur neuen SacroLoc „Wirkung auf Ligamente ist noch effektiver“

Ausgabe 03/2017

Dass die Rückenorthese SacroLoc biomechanische und neuromuskuläre Effekte auf die Iliosakralgelenke (ISG) ausübt, belegen zwei wegweisende Studien (siehe Fußnote 1, 2). Dass die neue SacroLoc in einer Folgeuntersuchung die biomechanischen Wirkungen bestätigt und teilweise übertrifft, überraschte den Studienleiter Dr. rer. nat. Freddy Sichting. Der Bewegungswissenschaftler von der TU Chemnitz freute sich neben den reinen Zahlen noch über etwas anderes.

Dr. rer. nat. Freddy Sichting, TU Chemnitz.
Dr. rer. nat. Freddy Sichting, TU Chemnitz.

Bauerfeind life: Während in der ersten Studie mit der SacroLoc ihre biomechanische Wirkung im Fokus stand, interessierten in der zweiten Studie therapeutische Fragen. Was wollten Sie mit der neuen SacroLoc herausfinden?
Dr. Sichting: Unser Ziel war, an einem neuen Modell die Ergebnisse aus der ersten Modellierungsstudie zu bestätigen. Das erste Beckenmodell mit sämtlichen ISG-relevanten Daten hatten wir nach der Finite-Elemente-Methode aufgrund der anatomischen Computertomografiedaten eines gesunden jungen Mannes erstellt. Die Ergebnisse haben uns damals alle positiv überrascht (siehe Bauerfeind life 2/2015). Um für die neue SacroLoc die wissenschaftliche Aussagekraft noch weiter zu erhöhen, haben wir neue Modelldaten herangezogen. Das Ergebnis: Die Resultate aus den ersten beiden Untersuchungen sind mit der neuen Orthese reproduzierbar.

Das heißt, Ihre Erkenntnisse über die Wirkung der ersten und neuen SacroLoc-Generation auf die ISG sind belastbar?
Dr. Sichting: Wenn wir den Modellen vertrauen. Sie bilden die anatomischen Verhältnisse an den ISG, auch an den lokalen Bandstrukturen, nach allem, was wir heute darüber wissen, höchstrepräsentativ ab. Übrigens haben die SacroLoc-Studien dieses Wissen grundlegend ausgebaut.

Haben Sie auch Neues entdeckt?

Dr. Sichting: Wir konnten zeigen, dass im direkten Vergleich mit dem Vorgängermodell die Belastung der Bänder beim Tragen der neuen SacroLoc um circa 25 Prozent abgenommen hat. Dazu haben wir die Dehnungen der zwei wichtigsten Bänder an den ISG, des Ligamentum sacrotuberale und des Ligamentum sacrospinale, berechnet und analysiert. Die Wirkung auf die Ligamente scheint mit der neuen SacroLoc also noch effektiver.

Hat Sie das überrascht?
Dr. Sichting: Ehrlich gesagt, ja. Ich war skeptisch, als ich die neue SacroLoc sah. So leicht , aber konnte sie auch die entsprechende Wirkung zeigen? Wir hatten die guten Ergebnisse mit der ersten SacroLoc im Hinterkopf. Als ich die Resultate sah, hatte ich als Bewegungswissenschaftler, der auch Ingenieurswissen und Materialkunde mitbringt, großen Respekt.

Wie war die Zusammenarbeit mit den Medizinern?
Dr. Sichting: Sie gehörte zu meinen produktivsten Erlebnissen überhaupt. Zu sehen, wie ISG-Patienten von unserer interdisziplinären Arbeit profitieren können, war äußerst befriedigend.

 

Im Vergleich zur ersten Generation entlastet die neue SacroLoc noch mehr den Bandapparat der ISG.
Im Vergleich zur ersten Generation entlastet die neue SacroLoc noch mehr den Bandapparat der ISG.

1: Sichting F., Rossol J., Soisson O., Klima S., Milani T., Hammer N Pain Physician. 2014 Jan-Feb; 17 (1): 43–51. Pelvic belt effects on sacroiliac joint ligaments: a computational approach to understand therapeutic effects of pelvic belts.

2: Soisson O., Lube J., Germano A., Hammer K.-H., Josten C., Sichting F., Winkler D., Milani T., Hammer N. PLOS ONE 10.1371/journal.pone.0116739. published 17 Mar 2015. Pelvic belt effects on pelvic morphometry, muscle activity and body balance in patients with sacroiliac joint dysfunction. [www.plosone.org].

Bilder: Bauerfeind, privat