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Studie zu VenoTrain cocoon „Grundsätzlich profitiert jeder von diesem Strumpf“

Ausgabe 01/2018

Welchen Einfluss hat der neue VenoTrain cocoon, ein medizinischer Kompressionsstrumpf mit integriertem Pflegekomplex, auf die Hautfeuchtigkeit bei Patienten mit Venenerkrankungen? Das wurde an der Universitätsmedizin Greifswald untersucht. life sprach mit Studienleiter Prof. Dr. med. Michael Jünger, Direktor der dortigen Klinik und Poliklinik für Hautkrankheiten.

Bauerfeind life: Warum haben Kompressionsstrumpfträger oft eine trockene Haut?
Prof. Dr. Jünger: Allein ein Fünftel der Venenpatienten haben ein fortgeschrittenes Stadium der chronisch-venösen Insuffizienz (CVI), die wiederum mit einer chronischen Hautentzündung einhergeht. Diese manifestiert sich in der Regel durch eine Braunverfärbung der Haut im Unterschenkelbereich. Die Haut ist sehr empfindlich und trocken, neigt zu Rauigkeit , Schuppen- und Rissbildung.
Unsere Haut wird aber auch mit dem Älterwerden insgesamt trockener, da die Talgdrüsen weniger Talg produzieren und zudem an Zahl abnehmen. Das Tragen eines Kompres­sionsstrumpfs verstärkt diesen Austrocknungsprozess noch.

Inwiefern?
Prof. Dr. Jünger: Ein Kompressionsstrumpf liegt ja sehr dicht an, da er bewusst einen Druck auf die Haut und damit auch auf die kranken Venen ausüben soll. Und weil der Strumpf so dicht anliegt , wirkt er wie ein Kerzendocht , der das Fett von der Haut weg in den Strumpf zieht. Scherkräfte zwischen Strumpf und Haut verstärken diesen Effekt zusätzlich.

Was ist das Besondere an dem neuen Kompressionsstrumpf und was haben Sie in der Studie untersucht?
Prof. Dr. Jünger: Wir hatten die Möglichkeit , mit dem VenoTrain cocoon ein ganz modernes, innovatives medizinisches Textil zu verwenden. Im Unterschied zu klassischen Kompressionsstrümpfen ist beim VenoTrain cocoon ein rückfettender Pflegekomplex in den Strumpf integriert. Dieser wird während des Tragens an die Haut abgegeben. Bei unserer Studie haben wir untersucht , wie sich wichtige Funktionsparameter der Hautbarriere beim Tragen des Kompressionsstrumpfs entwickeln.

Prof. Dr. Jünger zeigt die Haut eines CVI-Patienten mit typischer Braunverfärbung, der vom VenoTrain cocoon profitieren würde.
Prof. Dr. Jünger zeigt die Haut eines CVI-Patienten mit typischer Braunverfärbung, der vom VenoTrain cocoon profitieren würde.

Wie sind Sie methodisch vorgegangen?
Prof. Dr. Jünger: Für die Studie konnten wir 50 Patienten mit CVI gewinnen, die wir hier in der Klinik betreuen. Diese wurden zunächst klinisch untersucht , um das Stadium der CVI festzulegen. Anschließend haben wir uns die venöse Durchblutung mit Duplex-sonographie angesehen, um das Ausmaß der hämodynamischen Störung zu objektivieren. Die Hälfte der Patienten bekam randomisiert den medizinischen Kompressionsstrumpf mit integrierter Pflege, die andere Hälfte einen klassischen Kompressionsstrumpf – beides als Unterschenkelstrümpfe. Bei allen Patienten wurde zuvor die Hautfeuchtigkeit (mittels Corneometrie) an einem festgelegten Hautgebiet am Unterschenkel ermittelt und der transepidermale Wasserverlust bestimmt. Zusätzlich haben wir die Hautrauigkeit und das Beinvolumen gemessen. Die Kompressionsstrümpfe wurden von den Probanden über vier Wochen mindestens acht Stunden am Tag getragen. Zudem füllten sie täglich einen Fragebogen zur Lebensqualität aus. Nach vier Wochen wurden die Patienten abschließend untersucht , befragt und die Messungen zur Hautfeuchte, zum transepidermalen Wasserverlust , zum Beinvolumen und zur Hautrauigkeit wiederholt.

Was sind die wichtigsten Ergebnisse?
Prof. Dr. Jünger: Vorausschicken möchte ich, dass beide untersuchten Strümpfe die venöse Durchblutung verbesserten und Ödeme reduzierten, und zwar gleich gut. Beim klassischen Kompressionsstrumpf hat sich die „Dochtwirkung“ bestätigt: Bei dieser Patientengruppe nahm die Hautfeuchtigkeit im Laufe der vier Wochen etwas ab und die Durchlässigkeit der Haut für Wasserdampf etwas zu. Zudem konnten wir eine stärkere Hautrauigkeit feststellen. Dies alles ist Ausdruck einer Reizung der Haut durch den Kompressionsstrumpf, wenn man die Haut nicht gleichzeitig pflegt. Im Vergleich zur Kontrollgruppe fiel das Abnehmen der Hautfeuchtigkeit in der Gruppe der VenoTrain-cocoon-Träger geringer aus. Zudem war die Haut mit dem Pflegestrumpf tatsächlich glatter als mit dem klassischen Kompressionsstrumpf. Von dem Kompressionsstrumpf mit inte­griertem Pflegekomplex haben insbesondere zwei Untergruppen profitiert: Zum einen waren das männliche Patienten. Diese ­haben meist von vornherein eine etwas niedrigere Hautfeuchte. Über die Gründe kann man spekulieren, das liegt aber sicher auch an der weniger ausgeprägten Hautpflege. Die zweite Gruppe, die signifikant profitiert hat , waren zum anderen Patienten im Stadium CEAP 3. Das heißt Patienten, die nicht nur eine venöse Durchblutungsstörung haben, sondern auch bereits eine klinische Symptomatik mit Ödemen.

Welche Rückmeldung haben Sie zum Tragekomfort der getesteten Strümpfe bekommen?
Prof. Dr. Jünger: Der Tragekomfort war bei beiden Strümpfen sehr gut , da gab es keine signifikanten Unterschiede. Beim VenoTrain cocoon gaben die Patienten einen geringeren Zeitaufwand beim Anziehen an. Der Strumpf gleitet ein bisschen leichter über die Haut , das ist ein Vorteil. Schließlich ist das Anziehen eines Kompressionsstrumpfs für den ein oder anderen manchmal etwas mühsam. An dieser Stelle sei daher auf Anziehhilfen hingewiesen. Erwähnenswert ist vielleicht auch, dass man Kompressionsstrümpfe täglich waschen sollte, um Hautschuppen aus dem Strumpf zu entfernen. Denn diese können dazu führen, dass der Strumpf eher rutscht.

Welchen Patienten würden Sie den VenoTrain cocoon besonders empfehlen?
Prof. Dr. Jünger: Grundsätzlich profitiert jeder Mensch, der medizinische Kompressionsstrümpfe tragen möchte oder soll , von der im Strumpf enthaltenen Pflege. Wer insbesondere den VenoTrain cocoon tragen sollte, das sind nach unserer Studie ältere Menschen – vor allem ältere Männer – und es sind die Patienten, die bereits ein fortgeschrittenes Stadium der CVI mit krankhaft veränderter Haut haben. Patienten, die also bereits Hautverfärbungen, Schuppung oder Hautrauigkeit aufweisen, sollten die Hautpflege unbedingt sehr ernst nehmen. Ein Bestandteil dieses Ernstnehmens wäre das Tragen eines medizinischen Kompressionsstrumpfs mit integrierter Pflege.

Bilder: Stefan Volk, Bauerfeind