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Studie über die neue GenuTrain Profiliert am Knie

Ausgabe 01/2011

Vor ihrer Markteinführung wurde die neue GenuTrain von Wissenschaftlern der Universität ­Freiburg untersucht. Ein Team der Albert-Ludwigs-Universität prüfte die Wirkung der Bandage an Probanden mit Gonarthrose. Studienleiter Prof. Dr. Albert Gollhofer und Dr. Dominic Gehring vom Institut für Sport und Sportwissenschaft bestätigten Schmerzrückgang und Stabilitätsgewinn. Hinzu kam eine weitere Erkenntnis: Klassiker altern nicht!

Was hier fast unbeachtet auf dem Labortisch in der Ecke ruht, bekommt man in dieser Anzahl sonst nur noch in den Produktions­hallen von Bauerfeind zu Gesicht: Viele Dutzende von GenuTrain-Bandagen liegen akkurat zu hohen, wackeligen Türmchen gestapelt. Unter jedem Stapel klemmen die Größennummern, die mit Hand auf abgerissene Zettel geschrieben sind. Erstmals ist auch die Größe 7 dabei. Das wirklich Erstaunliche ist aber, dass niemand im Raum von den brandneuen Kniebandagen, die heute schließlich die Hauptrolle spielen sollen, Notiz nimmt.
Die Leute sind mit anderen Dingen beschäf­tigt. Emsiges Treiben herrscht in dem großen Laborraum. Eine gewisse Anspannung liegt in der Luft. Sportlich gekleidete Menschen stehen an einem hohen Gestell mit Geländer auf drei Seiten und unterziehen es einer eingehenden Prüfung. Das Gestell entpuppt sich als Hochleistungslaufband, eine Spezialkonstruktion des Instituts. Das Laufband ist besonders schnell , und – was noch wichtiger sein soll – es kann besonders schnell stoppen. So geraten die Probanden dann aus dem Tritt, was gewollt ist. Nicht ganz die feine Art, aber umso informativer für hintersinnige Wissenschaftler. Belastungsspitzen bei Ausgleichsbewegungen können so registriert werden.

Prof. Dr. Albert Gollhofer, der Leiter des Instituts für Sport und Sportwissenschaft der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, untersuchte mit seinem Team die Wirkung der GenuTrain.urg 257
Prof. Dr. Albert Gollhofer, der Leiter des Instituts für Sport und Sportwissenschaft der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, untersuchte mit seinem Team die Wirkung der GenuTrain.urg 257

Beste Versuchsbedingungen für Bewegungsanalysen

>Die neue GenuTrain wird evaluiert. Ort des Geschehens: das sportwissenschaftliche Institut der Universität Freiburg. Man könnte sagen: Es ist angerichtet. Die Untersu­ch­ung besteht aus mehreren Gängen. Den Auftakt macht das Laufband. Schon heult der Elektromotor laut auf. Die rotierenden Lamellen auf dem Boden scheinen nur so zu fliegen. Ungerührt blickt Sabrina Wissler auf zwei nebeneinander stehende Monitore. Von ihrem Platz aus kann sie gleichzeitig die Durchführung einer Messreihe sowie die Dokumentation und die erste Auswertung der Daten verfolgen. An den Wänden des Labors warten Kameras und Lichtschranken auf ihren Einsatz. Knallend stoßen die Metallteile eines Wackelbretts aufeinander, eines sogenannten Posturomeds. Mit ihm kann man ebenfalls Ausgleichsbewegungen messen, die im Einbeinstand ausgeführt werden müssen. Das laute Geräusch wird durch den Magneten verursacht, der die Standplatte fixiert, sie in bestimmten Intervallen wieder freigibt und so einen Wackeltanz des Probanden auslöst. Als letzter Gang der Evaluation kommen in den Boden des Laborraums eingelassene Druckmessplatten an die Reihe. Durch sie können die wirkenden Kräfte der schnell oder langsam, mit oder ohne Bandage Darübergehenden aufgezeichnet werden. Anthropometrische Körpermodelle erlauben es dann, die jeweiligen Belastungen im Knie zu berechnen.

Komplexes Gelenk für Mediziner und Sportwissenschaftler

>Für Belastungsvorgänge im Knie ist Freiburg der richtige Ort. Nicht nur der vielen reizvollen Fahrrad- oder Joggingstrecken wegen Richtung Kaiserstuhl oder Schauinsland. Das Team um Prof. Dr. Albert Gollhofer, den Leiter des Instituts, hat sich in Fragen der Kniegelenkkontrolle bei komplexen dynamischen Bewegungen einen hervorragenden Ruf erworben. Jüngst zeigte Dr. Dominic Gehring vom Arbeitsbereich Sportmotorik des Instituts interessante Studienergebnisse zum erhöhten Knieverletzungsrisiko von Frauen. Im Frauenfußball ist die Häufigkeit einer Ruptur des vorderen Kreuzbands rund fünf Mal höher als bei Männern. Muskuläre Faktoren wie etwa ein ungünstiges Aktivierungsverhältnis von Quadrizeps zu Hamstrings spielen eine wichtige Rolle, so die Autoren der Studie. Dem Zusammenspiel zwischen (vorderer) Oberschenkelmuskulatur und Hamstrings – in und an der Kniekehle ansetzenden Sehnen der hinteren Oberschenkelmuskulatur – widmet übrigens die neue GenuTrain durch das propriozeptiv wirksame Train-Aktivgestrick ein Hauptaugenmerk. Es gilt als entscheidend für die muskuläre Stabilisation des Knies. Ent­scheidender für das erhöhte Verletzungsrisiko der Frauen war jedoch ein beim Verletzungs­vorgang oft gestreckt abduziertes und nach innen rotiertes Gelenk, wie das Freiburger Team herausgefunden hat (Gehring D., Melnyk M., Gollhofer A., 2009; Gender and fatigue have influence on knee joint control strategies during landing. Clinical Biomechanics 24, 82-87). Auffällig ist an dieser Stelle, wie differenziert und komplex Sportwissenschaftler, ähnlich den Orthopäden, das Kniegelenk betrachten. Aus „sportlicher“ Sicht gesehen, können entsprechend komplex gefertigte Bandagen zur Stabilisierung des größten Körpergelenks also auch kein Zufall sein.

Moderne Materialien machen den Unterschied

>Mit der Freiburger Knieerfahrung lag es für Bauerfeind nahe, die Bewegungswissenschaftler mit der Prüfung der neuen GenuTrain zu betrauen. Nicht unwichtig war dem Unternehmen aber noch eine ­weite­re Erfahrung, die die Freiburger auf ihrer Habenseite verbuchen können: den Umgang mit modernen Materialien. Denn längst reicht es bei der Entwicklung von Bandagen oder anderen Hilfsmitteln nicht mehr aus, aus­schließlich medizinische oder funktionale Anforderungen zu definieren. Mindestens ebenso entscheidend ist, über das Wissen und das technische Know-how zu verfügen, wie leistungsfähige Materialien und Gewebe diese Anforderungen umsetzen können. Gestricke, Kunst- oder Naturstoffe, aber auch innovative Materialkombinationen, wie sie beispielsweise im Profilbereich der neuen GenuTrain an der Omega-Pelotte auftreten, zeigen den Weg. Ein großer deutscher Sportartikelhersteller greift ebenfalls gerne auf die Kompetenz der Südbadener zurück. Vielleicht, weil sie bis ganz ins All reicht? Die Freiburger forschen auch für die internationale Raumstation ISS. Schrittmacher sein bzw. Schritt halten mit dem technologischen Materialfortschritt lautet das Gebot der Stunde.

„Das ist schon etwas anderes“

>Georg Schwaab versucht ebenfalls, Schritt zu halten. Ihm dürfte es nicht schwerfallen. Er ist der erste Proband auf dem Laufband. Der trainierte Anfangfünfziger leidet unter chronischen arthrotischen Schmerzen im rechten Knie – mal mehr, mal weniger. Wahrscheinlich auch eine Folge seines Kreuzbandrisses, den er sich vor 30 Jahren zuzog. Heute morgen hat er einen guten Tag, die Schmerzen halten sich in Grenzen. Was schön ist für ihn, für die Auswertung weniger. Denn der Proband soll anhand eines Schmerzscores nach jeder Belastung – mit und ohne GenuTrain – seine jeweils gefühlte Schmerzintensität angeben. Das geübte Auge sieht es der Aufsetz- und Abrollbewegung des rechten Fußes aber an, dass es trotz des guten Tages nicht rund läuft bei Georg Schwaab. Und wie ist es mit angelegter Bandage? Als er am Ende der Untersuchungseinheit vom Laufband steigt, wirkt er nachdenklich. Nachdem er längere Zeit in seinen Körper hineingehört hat, meint er: „Das ist schon etwas anderes – mit Bandage.“ Ob er dabei an seinen nächsten Lauf entlang der Dreisam, die direkt hinter dem Instituts­gebäude fließt, gedacht hat? Wer weiß, womöglich könnte der Lauf dieses Mal sogar etwas länger ausfallen? Weitere Untersuchungen stehen noch aus. Aber sie werden Georg Schwaab in seiner frühen positiven Einschätzung bestätigen: Das Tragen dieser neuen Bandage könnte ihm seinen geliebten Laufsport wieder relativ schmerzfrei ermöglichen.

„Die Evolution hätte länger gebraucht“

Verschiedene Belastungen auf dem Laufband gaben Auskunft über das unterschiedliche Schmerzempfinden des Probanden mit Gonarthrose mit und ohne GenuTrain.
Verschiedene Belastungen auf dem Laufband gaben Auskunft über das unterschiedliche Schmerzempfinden des Probanden mit Gonarthrose mit und ohne GenuTrain.

>Bestätigt fühlen können sich nach zwei intensiven Forschungswochen auch Prof. Gollhofer und seine Mitarbeiter. Ihre Hypothese, gestützt auf vorangegangene Erkenntnisse über den „Klassiker“ GenuTrain, war, dass die Bandage den Schmerz verringert und die empfundene Stabilität beim Gehen erhöht. Dies konnte nach Auswertung der „Querschnittstudie über die Auswirkungen der GenuTrain auf das Schmerzempfinden und die Belastungscharakteristik des Gangs“, wie sie korrekt heißt, tatsächlich gezeigt werden – und zwar signifikant. Ein weiteres interessantes Ergebnis: Die am medialen Kompartiment des Knies wirkenden Kräfte werden mit Bandage besser toleriert. Von den insgesamt 21 Probanden würden 19 die GenuTrain weiter anwenden. Prof. Gollhofer sieht unter anderem in der erhöhten propriozeptiven Wirksamkeit der neuen GenuTrain den richtigen Ansatz: „Während Ligamente und Gelenkkapsel die Integrität des Knies gewährleisten, sichert eine hohe neuromuskuläre Mantelspannung zusätzlich das Gelenk.“ Woraus der Institutsleiter die Schlussfolgerung zieht, dass jeder Trainer diese Art von Kniebandage zur Prävention seinen Schützlingen nahelegen sollte. „Auch in der Rehabilitationsphase machen sie Sinn“, betont er. „Die Evolution hätte länger gebraucht, sie zu entwickeln.“

 

Bilder: Bauerfeind, Conny Kurz