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Sportverletzungen bei Bobfahrern und Rennrodlern „Risikofaktor“ Athletiktraining

Ausgabe 03/2013

Mit rasanten Geschwindigkeiten auf der Eisbahn kennt sich Dr. med. Jörg Ellermeyer, Teamarzt des Bob- und Schlittenverbands (BSD), aus.Der Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin ist zudem in einer orthopädischen Praxis in München und Ottobrunn tätig.

Die HWS ist eine Schwachstelle, erläutert Dr. med. Jörg Ellermeyer.
Die HWS ist eine Schwachstelle, erläutert Dr. med. Jörg Ellermeyer.

Mit welchen Verletzungen haben es Rennrodler und Bobfahrer am häufigsten zu tun?
Dr. Ellermeyer: Die Kufensportarten auf Kunsteisbahnen sind an sich gar nicht so verletzungsträchtig wie man bei den Geschwindigkeiten annehmen würde. Die meisten Traumata treten im Athletiktraining – vor allem in der Vorbereitungsphase – auf, z. B. Bandverletzungen bei diversen Ballsportarten, die u. a. dem Koordinations-, Flexibilitäts- und Beweglichkeitstraining dienen. Ich hatte schon einen Sportler, der sich drei Tage vor den Juniorenweltmeisterschaften beim Fußball in der Halle das Kreuzband gerissen hat. Er ist dann entsprechend behandelt worden, hat die Zähne zusammengebissen, sich auf den Schlitten gelegt und ist Dritter geworden. Vor seiner Leistung kann man nur den Hut ziehen!

Und welche Verletzungen treten auf der Bahn auf?
Dr. Ellermeyer: Im Eiskanal treten bei Rennrodlern am häufigsten Sprungelenkverletzungen auf, insbesondere Bandverletzungen, sowie Mittelfußfrakturen. Aufgrund der sportartspezifischen aero­dynamischen Lage des Sportlers auf dem Schlitten – bei den Rodlern eben mit den Füßen voraus –, kann es bei Fahrfehlern schnell zu solchen Verletzungen kommen. Auch diverse Prellungen an anderen Körperregionen, z. B. an Ellenbogen und Kniegelenk, kommen oft vor. Ebenfalls häufig sind Schürf-/Brandwunden im Arm- und Schulterbereich (insbesondere im Bobsport), denn Reibung erzeugt Wärme, auch auf Eis. Schwere akute Kopf- und Wirbelsäulenverletzungen sind zum Glück selten. Neben den Akutverletzungen gilt es jedoch auch, Über­lastungsschäden im Blick zu haben.

Inwiefern?
Dr. Ellermeyer: Wenn jemand eine dieser Sportarten sehr lange betreibt , können Verschleiß- und Überlastungsschäden auftreten, insbesondere an der Wirbelsäule. Der Rennrodelstart geht beispielsweise sehr auf die Lendenwirbelsäule, die Sportler kommen aus der extremen Beugung in die Überstreckung rein. Und dadurch kommt es dann zu Überlastungsreaktionen im LWS-Bereich, unter Umständen auch zu Bandscheibenvorfällen. Eine weitere deutliche Schwachstelle ist der Halswirbelbereich, der inbesondere im unteren Bereich der Kunsteisbahnen bedingt durch die hohen Geschwindigkeiten starken muskulären Haltebelastungen ausgesetzt ist. Darum gilt es für die Rennrodler, vor allem auch die Nackenmuskulatur gut aufzubauen.

Was setzen Sie für orthopädische Hilfsmittel ein?
Dr. Ellermeyer: Wir setzen Bandagen und Orthesen ein, sowohl prophylaktisch im Training als auch postoperativ bzw. posttraumatisch. Die Akzeptanz der Kufensportler diesbezüglich ist wirklich gut. Sehr beliebt ist die LumboTrain – auf der Bahn und insbesondere auch beim Training mit freien Gewichten oder an Zugapparaten. Und wenn die Athleten wissen, sie haben Probleme am Knie, Sprunggelenk, Ellenbogen oder Handgelenk, dann tragen sie natürlich gerne Bandagen wie die ManuTrain, MalleoTrain oder EpiTrain. Im Wettkampf, wenn es dann um Hundertstel oder Tausendstel Sekunden geht , allerdings in der Regel nicht. Von den Vorteilen dieser Produkte profitieren dabei nicht nur die Spitzensportler des BSD, sondern auch die Patienten, die zu mir in die Praxis kommen.

 

Bilder: Conny Kurz, Bauerfeind