Orthesen·Rückenschmerzen

„Mobilität macht die Patienten glücklich“

Spinova Support Plus nach Spondylodese

Von Bauerfeind Life Magazin am 28.07.2017

Es war an der Zeit , auch postoperativ Klarheit zu schaffen: Begünstigen Orthesen eine muskuläre Schwächung? Diese Mutmaßung hat Dr. med. Yorck Rommelspacher vom Universitätsklinikum Bonn in einer Studie1 am Beispiel der Spinova Support Plus widerlegt: Die Lumbalorthese beeinträchtigt die muskuläre Regeneration nach einer Spondylodese nicht. Sie trägt vielmehr dazu bei, dass die Patienten schneller wieder mobil werden.

Bauerfeind life: Worin genau bestand Ihr Forschungsinteresse bei der Studie?
Dr. Rommelspacher: Als operativ tätige Mediziner wollten wir herausfinden, inwiefern eine postoperative Versorgung mit einer Rückenorthese Einfluss auf den Heilungsprozess, auf Schmerzen, auf Mobilität nimmt: Bringt das etwas in der Nachbehandlung? Und unsere zweite Fragestellung war: Wie regeneriert die Muskulatur mit und ohne Orthese? Es kursiert diese allseits bekannte Hypothese, dass Orthesen die Regenera­tion der Muskulatur beeinträchtigen. Diese ­Hypothese wollten wir mit einem Oberflächen-EMG (Elektromyographie) wissenschaftlich überprüfen und entweder be­stätigen oder widerlegen.

Wie sind Sie an diese Fragestellungen herangegangen?
Dr. Rommelspacher: Eingeschlossen wurden Patienten, die eine ein- oder zweisegmentale Spondylodese an der Lendenwirbelsäule erhalten haben. Dann haben wir ein prospektives randomisiertes Studiendesign mit einer aufeinanderfolgenden Messung der Muskelaktivität durch Oberflächen-EMG gewählt. Damit haben wir in der postoperativen Betrachtung Neuland betreten. Ähnliche Studien mit EMG gibt es in der Literatur hauptsächlich bei gesunden, nicht-operierten Personen. Wir wussten also gar nicht , was uns da mit operiertem Patientengut erwartet.

Wie haben Sie die EMG-Messung durchgeführt?
Dr. Rommelspacher: Als Versuchsaufbau haben wir den sogenannten Sørensen-Test zur Bestimmung der isometrischen Kraftausdauer der unteren Rückenmuskulatur gewählt. Diese Übung, leicht modifiziert , haben wir mit zwei und mit zehn Kilogramm Gewicht durchführen lassen und dabei im Bereich L1, also etwas oberhalb der OP-Lokalisation, das EMG abgeleitet.

Spinova Support Plus stabilisiert die Lendenwirbelsäule mit großflächiger Rückenpelotte und schützt vor Fehlbewegungen.
Spinova Support Plus stabilisiert die Lendenwirbelsäule mit großflächiger Rückenpelotte und schützt vor Fehlbewegungen.

Mit welchem Ergebnis?
Dr. Rommelspacher: Das EMG zeigt keine signifikanten Unterschiede zwischen Orthesen- und Nicht-Orthesenträgern, wir sehen also keinen negativen Effekt der Orthese in Bezug auf die muskuläre ­Regeneration. Wir sehen sogar eine leichte Tendenz, wenngleich ohne Signifikanz, zugunsten der Orthese.

Mit welchen Parametern haben Sie neben der Muskelaktivität außerdem gearbeitet?
Dr. Rommelspacher: Das waren vier weitere: Zum einen Schmerz, gemessen anhand der Visuellen Analogskala, VAS, dann die Medi­kation gemäß WHO-Schema, dazu der ­Oswestry-Disability-Index, ODI, mit zehn Fragen zum Grad der Einschränkung im Alltag durch lumbalen Rückenschmerz und schließlich produktspezifische Fragen zur Spinova Support Plus.

Welche ersten Erkenntnisse ergaben sich daraus?
Dr. Rommelspacher: Ganz eindeutig ist , dass sich die Patienten mit Orthese deutlich sicherer fühlen, sie trauten sich wieder auf die Straße raus. 74 Prozent sagten direkt nach der Operation, dass die Orthese sie sehr gut schützt und stabilisiert. Dieser Wert nimmt nach sechs Wochen ein wenig ab. Das liegt auch daran, dass die Patienten dann schon wieder sehr fit sind und gar keine so starke Stabilisierung mehr benötigen. In unserem Versuchsaufbau haben wir dann nach sechs Wochen die Überbrückungspelotte entfernt. Daraufhin zeigte sich nochmals eine signifikante Verbesserung im ODI, was einer deutlichen Zunahme der Mobilität entspricht.

Wie stellte sich die Situation in den weiteren Untersuchungen dar? Was bringt eine Orthese für den Alltag?
Dr. Rommelspacher: Wir wissen aus den Nachuntersuchungen, dass es einige Patienten gibt , die noch nach einem Jahr für ein bis zwei Stunden am Tag die Orthese nutzen, obwohl sie es nicht mehr müssten. Etwa wenn sie einkaufen gehen, etwas tragen, länger spazieren gehen. Sie ziehen das Hilfsmittel gerne an, weil es sie unterstützt. Die Patienten trauen sich mehr zu, das ist einfach Lebensqualität.

Welchen Stellenwert hat aus medizinischer Sicht eine schnelle Rückkehr zur Mobilität?
Dr. Rommelspacher: Das ist ganz wichtig! Wenn jemand schneller aus dem Bett rauskommt , hat das ganz erheblichen Einfluss auf mögliche Komplikationen – denken Sie nur an Thrombosen. Für mich als Chirurg ist es ein ganz großer Erfolg, wenn die Patienten sich schnell wieder bewegen können. Mobilität macht die Patienten glücklich.

Welches Patientenklientel ist für die Anwendung der Lumbalorthese ideal?
Dr. Rommelspacher: Das war eine intensiv diskutierte Frage. Ein 55-Jähriger ist nach einer Etagenversteifung ohnehin nach der OP oft schon wieder fit. Aber wenn die Patienten älter sind und sich weniger zutrauen, dann ist die Orthese ein sehr gutes Hilfsmittel. Die prädestinierten Patienten sind die, die auch schon vor der OP eine muskuläre Schwäche hatten und es nicht schafften, den Rumpf aus eigener Kraft zu halten. Sie bekommen dann nach der OP eine Unterstützung, um früher wieder mobil zu werden.

Wo sehen Sie die Vorzüge der Spinova Support Plus?
Dr. Rommelspacher: Auf jeden Fall in ihrem modularen Konzept , dass man also Rücken- und Bauchpelotte abrüsten und von sehr stabil auf weniger stabil wechseln kann. Die Orthese muss nur einmal angepasst werden, der Patient kann sie dann schnell anlegen: Zwei Griffe und ich habe die Orthese an. Dazu kommt das für eine solche Orthese geringe Gewicht. Das Schlimmste ist , wenn sich der Patient nicht bewegt , denn dann degeneriert die Muskulatur. Wenn ihm also irgendetwas hilft , sich zu bewegen, dann ist das genau das Richtige. Daher ist die Orthese immer einen Therapieversuch wert.

1 Dr. med. Yorck Rommelspacher: Wirksamkeit der Rückenorthese Spinova Support Plus bei der postoperativen Versorgung von segmentalen Spondylodesen degenerativer LWS-Erkrankungen.

Bilder: Michael Bause, Bauerfeind

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