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SecuTec OA bei starker Varusstellung „Das können Sie nicht mit jeder Orthese machen“

Ausgabe 03/2018

Die ausgeprägte Achsfehlstellung von Gerald Thiemes Bein ist eine Herausforderung in der Orthesentherapie bei Gonarthrose. Das Versorgungsspektrum der neuen SecuTec OA löste bei Ralf Müller vom Chemnitzer Sanitätshaus saXcare positives Erstaunen aus.

Ralf Müller, Orthopädiemechanikermeister bei saXcare in Chemnitz.
Ralf Müller, Orthopädiemechanikermeister bei saXcare in Chemnitz.

Bermudashorts sind an diesem warmen Sommertag in vielerlei Hinsicht ein äußerst praktisches Bekleidungsstück. Statt am Band des Chemnitzer VW-Motorenwerks zu stehen, sitzt Gerald Thieme kurz behost im Versorgungsraum von saXcare in der Schönherrfabrik. Mit ihm und dem Orthopädiemechanikermeister Ralf Müller soll über die entlastende Knieorthese SecuTec OA gesprochen werden. Das Sanitätshaus saXcare versorgte ihn als Patient mit einer Maßorthese und bei einem Tragetest auch mit der industriell gefertigten Orthese. Was sich ergänzen kann …

Krankheitsbilder, die nicht alltäglich sind

Das moderne Orthopädietechnikzentrum von saXcare liegt auf dem industriehistorischen Gelände einer ehemaligen Webstuhlfabrik. Ein Glasturm dient als zentraler Anlaufpunkt für die Maßversorgungen. Ralf Müller ist hier für die individuelle Orthetik und Prothetik zuständig. „Diese speziellen Versorgungen betreffen in der Regel Krankheitsbilder, die nicht alltäglich sind. Sie machen rund 20 Prozent unserer Kunden aus“, erläutert der Techniker. „Was aber nicht heißt , dass wir nur 20 Prozent Zeit für sie haben!“ Der legitime Anspruch dieser Klientel , auch außerhalb gängiger Größen und Möglichkeiten optimal versorgt zu werden, ist mit verhältnismäßig großem Aufwand verbunden – aber auch willkommener Anlass für die ganze Bandbreite handwerklichen Könnens. „Jeder Kunde hat das Recht , unsere technischen Fähigkeiten herauszufordern. Das ist Ansporn und Ehrensache zugleich. Gute Produkte helfen uns dabei“, stellt Ralf Müller klar.

Kreuzbandriss und Achsabweichung

Gerald Thieme hat eine ausgeprägte Varusstellung mit starker Achsabweichung.
Gerald Thieme hat eine ausgeprägte Varusstellung mit starker Achsabweichung.

Die nicht alltägliche Fehlstellung von Gerald Thiemes linkem Bein springt förmlich ins Auge: Ober- und Unterschenkel des sportlichen Mannes beschreiben einen ausgeprägten Bogen. Während die Achse des rechten Beins fast geradlinig verläuft , bildet die linke Achse ein stark gekrümmtes O-Bein mit einer Abweichung von 15 Grad. Narben auf dem Knie zeugen von einer Rekonstruktion des vorderen Kreuzbands. Wahrscheinlich hat die lange zurückliegende Fußballverletzung ihren Teil zur Entwicklung der Fehlstellung beigetragen. Gekickt hat Gerald Thieme noch bis vor kurzem. Die Varusstellung ist nicht die schlechteste Voraussetzung, am Gegner vorbeizuziehen. Fußballerbeine eben. Nach dem Spiel allerdings, am Arbeitsplatz, am Band stehend, im Garten oder beim Motorradfahren, der großen Leidenschaft des 59-Jährigen, kann von einem Vorteil der Achsabweichung wahrlich keine Rede mehr sein.

Ausgeprägte Varusstellung fördert mediale Gonarthrose

Eine extreme Varusstellung des Beins geht in der Regel mit einer medialen Gonarthrose einher. Gerald Thieme konnte seine zunehmenden Beschwerden trotz Tragens einer GenuTrain-Bandage nicht mehr länger ignorieren. Die Knorpelabnutzung im medialen Kniekompartiment war mit Grad II bis III zu weit fortgeschritten. Der Arzt verordnete ihm eine Maßorthese. Die von saXcare nach Gipsabdruck gegossene Carbonorthese soll das lädierte Knie entlasten, indem sie die Fehlstellung korrigiert. Gerald Thieme benötigt zur medialen Entlastung seiner Varusgonarthrose einen valgisierenden Druck. „Die Zumutbarkeit spielt hier eine große Rolle. Schmerzen durch eine Überkorrektur werden nicht akzeptiert“, weiß Ralf Müller. „Die Orthese darf keine Zwangskräfte und keinen Druck auf empfindliche Stellen ausüben. Einmal habe ich sogar bei einem anderen Patienten die Lähmung der Fußhebermuskulatur beobachtet.“

SecuTec OA überraschte bei Testversorgung

Gonarthrosepatient
Gerald Thieme

Als vor Markteinführung der SecuTec OA Gonarthrosepatienten für einen Tragetest gesucht wurden, passte Gerald Thieme perfekt von der Indikation, aber würde ihm auch die Orthese passen können? In Absprache mit seinem behandelnden Arzt wurde ihm, neben seiner Maßorthese, der serienreife Prototyp der neuen SecuTec OA versuchsweise von saXcare angepasst. Für den Probanden stellte die „luftigere“ Industrieorthese eine neue Erfahrung dar. Weniger für das Sanitätshaus: „Wir kannten bereits die bauartverwandte SecuTec Genu zur Versorgung von Instabilitäten des Knies. Dennoch haben uns Qualität und Möglichkeiten der SecuTec OA überrascht“, bekennt Ralf Müller.

Gelenke laufen kongruent zum Anpassungsprozess

Heute, bei der Anpassung der seit Mai erhältlichen Serienorthese, sehen Gerald Thieme und Ralf Müller noch einmal diese Möglichkeiten im Detail: Der VW-Mechaniker nimmt Platz vorm Orthopädiemechaniker, die anatomisch vorgeformte Orthese wird über das linke Knie gezogen und an seine Beinachse angepasst. Ralf Müller nimmt zwei Schränkhaken in die Hand. Die Haken greifen in die Aluminiumenden des Oberschenkelrahmens und formen ihn leicht nach außen. So kann Raum entstehen für die starke Oberschenkelmuskulatur. „Das können Sie so nicht mit jeder Orthese machen, das geht nur mit festem Material , das nicht spröde ist“, bemerkt der Techniker. „Jedes andere bricht.“ Ralf Müller weist auf das Herzstück der Orthese hin: „Die Gelenke müssen beim Schränken axial mitwandern, kongruent zum Anpassungsprozess. Das ist die Kunst. So wird der anatomische Drehpunkt nicht verschoben. Dadurch wird die Roll-Gleit-Funktion des Kniegelenks beibehalten.“

„Ich nehme die Orthese kaum noch wahr, wenn ich sie trage.“Gerald Thieme

Medial entlasten, ohne zu stark zu korrigieren, ist das Ziel der Versorgung.
Medial entlasten, ohne zu stark zu korrigieren, ist das Ziel der Versorgung.

Bewegliche Wadenschelle sorgt für Positionssicherheit

Gerald Thieme schaut prüfend an sich herunter. Die Perspektive kennt er aus mehrmonatiger Trageerfahrung. „Ich nehme die Orthese kaum noch wahr, wenn ich sie trage“, stellt der Motorenbauer fest. „Sie ist leicht , trägt nicht auf. Ich kann besser damit sitzen und auch wenn ich am Band stehe, hilft sie mir sehr.“ Die Leichtigkeit der Orthese hat viele Gründe: keine Zwangskräfte, kein Druck durch Überkorrektur. Die Krafteinleitung der SecuTec OA erfolgt schonend über den Unterschenkel über eine große Kontaktfläche, die durch anpassbare Kondylenpolster noch formschlüssiger gestaltet werden kann. Die finale Anpassung und eigentliche Entlastung wird durch einen Inbusschlüssel vorgenommen: An den Scharnieren am Unterschenkelrahmen kann Ralf Müller in der Varus-/ Valguseinstellung die Korrektur der Beinachse vornehmen. Die extreme Varusstellung wird durch valgisierenden Druck gekontert. Unterstützend wirkt die bewegliche Wadenschelle: „Ein Bauvorteil , den andere Orthesen in dieser Form nicht haben“, erklärt Ralf Müller. Durch ihren selbstregulierenden Neigungswinkel passt sie sich angenehm der Kontur des Unterschenkels an und gewährleistet einen positionssicheren Sitz.

Maßorthese und Serienorthese

Alle Beteiligten der Testversorgung mit der SecuTec OA, inklusive Arzt , reagierten ähnlich: mit Erstaunen. Darüber, dass eine Serienorthese auch eine starke Fehlstellung wirksam korrigieren kann – ähnlich wie eine Maßorthese. „In Herrn Thiemes Fall bewegen wir uns allerdings in einem Grenzbereich des Machbaren, auch aufgrund seiner muskulären Situation“, betont der Techniker. Gerald Thieme freut‘s: „Ich kann stabil auftreten, es fühlt sich sicher an“, lautet sein Fazit. „Bei Bermuda-Wetter ist sie mein Favorit. Und unter die Motorradhose passt sie auch besser.“

Bilder: Frank Steinhorst (3), Bauerfeind


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