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Schmerz(physio)therapie mit SacroLoc „Die Verzweiflung war groß“

Ausgabe 01/2012

Jan Woysch weiß, wie (ungeduldig) Sportler ticken. In die Praxis des Physiotherapeuten und ehemaligen Leistungsschwimmers kommen Patienten aus ganz Süddeutschland. Der Speerwerfer und Olympiateilnehmer Boris Henry wurde in Völklingen therapiert , gerade wartet Nicole Woysch auf eine manuelle Behandlung ihres Mannes.

Bauerfeind life: Die Hilfe für Ihre Frau traf buchstäblich in letzter Minute ein. Erzählen Sie doch mal.
Jan Woysch: Ich suchte schon länger nach einer stabilisierenden Rückenorthese. Nicole leidet , wie viele andere Läufer auch, unter Beschwerden, die vom Übergang Sacrum/LW 5 ausgehen. Die Orthese sollte die Zeiten zwischen den Therapiephasen, die ich mit ihr durchführte, verlässlich überbrücken. Und sie sollte das schnell tun. Der entscheidende Wettkampf stand unmittelbar bevor. Da entdeckte ich die SacroLoc.
Die Sie bis dahin noch nicht kannten?
Ich kannte die LumboTrain. Für Nicole erschien sie mir aber aufgrund ihres speziellen Zuschnitts nicht geeignet. Es musste ein Hilfsmittel sein, mit dem sie auch Wettkämpfe bestreiten kann. Der Ostseeman (ein Triathlon-Wettkampf, vergleichbar mit dem Ironman auf Hawaii; die Red.) rief. Sie hatte keine Möglichkeit mehr, mit der Orthese zu trainieren. Nachdem ich die Beschreibung für die SacroLoc las, war ich zuversichtlich.

Und – das Ergebnis?
Jan Woysch: Drei Stunden, zwanzig Minuten! Eine Spitzenzeit im Marathonlauf! Nach einem Jahr Schmerzen. Anders ausgedrückt: Die SacroLoc hat die Beschwerden während der gesamten Laufstrecke vollständig ausgeschaltet.
Worauf führen Sie das zurück?
Die Orthese ist speziell konstruiert. Sie hat im Becken-ISG-(Iliosacralgelenk)-Bereich ­einen ganz großen Nutzen. Durch die Zuggurtung des gesamten Systems stabilisiert sie meiner Meinung nach nicht nur das Sacrum, sondern auch den sensiblen Übergangsbereich vom Promotorium, also der oberen Fläche des Sacrums, zum LW 5. Das ist der Bereich, von dem die Schmerzen ausstrahlen.

Der kritische Bereich bei allen Läufern?
Jan Woysch: Ja, denn hier trifft die Rotation, die durch den Schritt ausgelöst wird, auf die Gegenrotation des Oberkörpers. Eine ständig belastete Stelle …

Jan Woysch, Physiotherapeut.
Jan Woysch, Physiotherapeut.

… die dieses schwer zu lokalisierende Ziehen auslöst?
Jan Woysch: … das typischerweise von der Lendenwirbelregion bis zur Fußsohle ausstrahlen kann. Die Verzweiflung war groß bei meiner Frau, weil sie überhaupt keinen Ansatzpunkt für die Verortung dieser Schmerzen hatte. Oft werden ja solche ausstrahlenden Beschwerden als Muskelverletzungen behandelt. Muskelverletzungen klingen aber nach einer gewissen Zeit ab. Die Sportler leiden jedoch meist Monate unter ihren Schmerzen. Wir haben festgestellt , dass es sich dabei häufig um Instabilitäten im Bereich der LWS handelt , ausgelöst durch Überanstrengung.

Wie behandeln Sie diese Schmerzen, außer mit der SacroLoc?
Jan Woysch: Die Beschwerden sind in der Regel mit starken Verspannungen verbunden. Die Muskeln versuchen, den gereizten Nerv zu schützen. Auch kapsuläre Einschränkungen spielen eine Rolle. Besondere Formen der Manualtherapie erlauben es uns, eine gezielte Beruhigung eintreten zu lassen. Wir lockern die Muskulatur und bauen sie anschließend punktgenau wieder auf. Zur Sicherung des Therapieerfolgs setzen wir
die SacroLoc ein.

Die Orthese wird oft bei ISG-Problematiken eingesetzt. Was macht Sie sicher, dass bei Ihrer Frau keine solchen Beschwerden vorliegen?
Jan Woysch: ISG-Instabilitäten machen in der Regel einen punktuellen, spitzen Schmerz und keinen ausstrahlenden. ISG-Problematiken kommen bei uns natürlich auch vor und werden entsprechend behandelt. Sie sind aber durch bestimmte Tests eindeutig zu bestimmen. Meist spürt der Patient schon genau, wo es ihn drückt oder blockiert. Dagegen ist der Läuferschmerz-Patient irritiert , weil die Beschwerden zwar im Rücken ihren Anfang nehmen, dort aber meist nie spürbar sind.

Sind Sportler eine besondere Klientel?
Jan Woysch: Sportler, zumal Spitzensportler, sind – ich sag’, wie es ist – Suchtopfer. Das heißt , sie wollen so früh wie möglich wieder ran an ihren Sport. Und zwar richtig. In gewisser Weise können wir uns diese Sucht nutzbar machen. In der konventionellen Behandlung sind wir gegen übertriebene Schonung. Wir wollen die Leute schnell wieder fit kriegen. Und wir sind froh über die Hilfsmittel , mit denen wir den Sportler, auch in der Trainingsphase, begleiten können.

Müsste man nicht anders trainieren, um Überlastungsschäden zu vermeiden?
Jan Woysch: Wir haben es mit Profis zu tun, die wollen immer voll ran und nicht dosiert. Die fragen: „Jan, wie krieg ich’s hin, dass ich wieder richtig trainieren kann.“

Ich meinte „anders“ nicht „weniger“.
Jan Woysch: Das genau ist unser Thema in der Physiotherapie. Es lautet unter anderem: gezielter Muskelaufbau! Und: weiter trainieren, wenn nötig mit Orthesen oder Bandagen. Im Übrigen haben Triathleten das Glück, dass die erste Disziplin Schwimmen eine sehr ausgeglichene Muskelarbeit verlangt. Beim Radfahren kommt durch die Beinarbeit schon wieder eine belastende Rotation hinzu.

Wie geht es jetzt weiter mit Ihrer Schmerz­patientin?
Jan Woysch: Drei bis vier Mal pro Woche, je nach Belastung und Trainingsaufwand, bekommt sie Manualtherapie. Die würden wir aber auch präventiv, ohne das akute Schmerzgeschehen, durchführen. Noch ist sie aber von der SacroLoc nicht entwöhnt.

Bilder: Stefan Durstewitz