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Beckenorthese SacroLoc bei ISG-Funktionsstörungen „Verkettungen erkennen“

Ausgabe 03/2021

Häufiger als vermutet, spielt bei tiefsitzenden Rückenschmerzen das Iliosakralgelenk eine Rolle. Unbehandelte Dysfunktionen bergen ein hohes Risiko für chronische Beschwerden, sagt Dr. Jan Marc Lemke und hat ein Fünf-Tage-Stabilisationsprogramm entwickelt, zu dem auch die SacroLoc gehört.

Dr. Lemke prüft beim Kontrollbesuch seiner Patientin Karola Kraft den korrekten Sitz der stabilisierenden Beckenorthese SacroLoc.

Mit sicherem Griff umfasst Dr. Jan Marc Lemke von hinten das Becken der Patientin. Sein prüfender Blick gilt der exakten Positionierung der Beckenorthese SacroLoc, die Karola Kraft seit ein paar Tagen zur Stabilisierung trägt. „Sie können sie sogar noch ein wenig fester ziehen“, stellt der Orthopäde fest, korrigiert den Sitz und bittet die Patientin, ein paar Schritte zu gehen. „Wie fühlt es sich an, seitdem sie die Orthese haben?“ Die 84-Jährige muss nicht lange überlegen: „Beim Gehen habe ich jetzt ein besseres Gefühl in den Beinen und beim Treppensteigen mehr Sicherheit. Die Schmerzen sind manchmal ganz weg.“ Seit Jahren verspürt sie lumbale Beschwerden. Als sie nach einem Sturz schlimmer wurden und linksseitige Schmerzen in Bein und Gesäß hinzukamen, suchte sie den Rat ihres Orthopäden. Dr. Lemke stellte eine Lumbalskoliose und deutliche Verschleißerscheinungen an der unteren Lendenwirbelsäule fest, die zusammen mit ihrer bereits diagnostizierten Gonarthrose die Beckenstatik beeinflussen und eine Funktionsstörung der Iliosakralgelenke mit dem typischen Schmerzbild ausgelöst haben. Ergänzend zur manuellen Behandlung und Krankengymnastik verordnete er der Rentnerin die stabilisierende Beckenorthese zur gezielten Entlastung. Sie ist nicht die Erste, die mit der SacroLoc gute Erfahrungen macht und vorher noch nie vom Iliosakralgelenk (ISG) gehört hatte.

„Man muss Patienten ganzheitlich betrachten und bei jeder Untersuchung Verkettungen erkennen, die bei Kreuzschmerzen sogar die Kniegelenke und Füße oder die obere Halswirbelsäule betreffen können.“
Dr. med. Jan Marc Lemke

Manuelle Medizin steht im Mittelpunkt

Dr. med. Jan Marc Lemke ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie mit eigener Schwerpunktpraxis für manuelle Medizin in Ettlingen.
Dr. med. Jan Marc Lemke ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie mit eigener Schwerpunktpraxis für manuelle Medizin in Ettlingen.

Anfang 2020 übernahm Dr. Jan Marc Lemke die orthopädische Praxis am Dickhäuterplatz in Ettlingen bei Karlsruhe und gründete das „Orthopaedicum“. Neben dem Schwerpunkt auf manueller Medizin/Chirotherapie setzt er auch auf Akupunktur und Osteopathie. Sein Grundsatz: „Man muss Patienten ganzheitlich betrachten und bei jeder Untersuchung Verkettungen erkennen, die bei Kreuzschmerzen sogar die Kniegelenke und Füße oder die obere Halswirbelsäule betreffen können. Eine große Rolle spielen für die Entstehung der Beschwerden auch psychosoziale Aspekte, die exploriert werden müssen.“ Mehrfach am Tag stellt der 45-Jährige Funktionsstörungen der Iliosakralgelenke fest. Die meisten Betroffenen klagen über tiefsitzende Schmerzen in der Lendenwirbelsäule. Aber eben nicht nur. Um dem ISG auf die Spur zu kommen, stellt Dr. Jan Marc Lemke gezielte Fragen. Wann und wie sind die Beschwerden erstmals aufgetreten? Gab es ein auslösendes Ereignis wie einen unbedachten Tritt, eine ungünstige Dreh- oder Bückbewegung? „Bei älteren Patienten ist häufig ein Sturz vorausgegangen“, beobachtet der Facharzt. Anschließend bittet er seine Patienten, Schuhe und Hose auszuziehen und führt verschiedene Provokationstests durch. Diese ergeben häufig eine ISG-Problematik, oft in Verkettung mit lumbalen Schmerzen und anderen Auffälligkeiten. Dann heißt es schnell zu handeln, denn: „Wir können bei einer Vielzahl von tiefsitzenden Rückenschmerzen eine Chronifizierung vermeiden, wenn ISG-Syndrome frühzeitig behandelt werden“, betont Dr. Lemke.

 

Stabilisationsprogramm vom ISG bis zum Atlas

ISG-Patientin Karola Kraft sagt nach wenigen Tagen mit der SacroLoc: „Die Schmerzen sind manchmal ganz weg.

Der Orthopäde hat dafür ein Programm zur konservativen Therapie entwickelt. Es basiert auf dem Dreiklang aus Lösen, Stabilisieren, Erhalten, also manuelle Behandlung, Physiotherapie und Eigenübungen, oftmals unterstützt von der Beckenorthese SacroLoc. Die manuelle Behandlung umfasst an fünf aufeinanderfolgenden Tagen die gesamte Wirbelsäule: ISG, Lenden-, Brust- und Halswirbelsäule, Atlaswirbel.
„In der Regel finde ich eine Verkettungssymptomatik, die für den langfristigen Therapieerfolg behandelt werden muss“, erklärt Dr. Jan Marc Lemke und löst die Blockaden. Direkt nach der jeweils 20-minütigen Behandlung schickt er seine Patienten zur Lockerung kurz zum Spazierengehen. Im Anschluss folgt unmittelbar eine Behandlung durch einen erfahrenen Physiotherapeuten, der im gleichen Ärztehaus tätig ist. Zentrale Bedeutung hat hier die Stabilisierung der Bauch- und unteren Rückenmuskulatur, ergänzend die Dehnung der Hüftbeuger, der Gesäßmuskeln und der rückwärtigen Oberschenkelmuskulatur. Der Physiotherapeut bearbeitet außerdem Triggerpunkte und gibt dem Patienten „Hausaufgaben“, darunter Übungen zur Dehnung sowie zur Stärkung, insbesondere der oft schwachen autochtonen Rückenmuskulatur. 

Je nach Schmerzgeschichte und Alter, die meisten Teilnehmer des Programms sind zwischen 50 und 80, kommt bei ISG-Symptomatiken ergänzend die SacroLoc zum Einsatz. „Wann immer ich das Gefühl habe, ein Patient schafft das Erhalten mit der eigenen Muskulatur noch nicht“, erläutert Dr. Lemke, „empfehle ich die SacroLoc-Orthese und demonstriere deren einfache Handhabung und worauf dabei zu achten ist. Durch das zirkuläre Umfassen des Beckens wird die mangelhafte muskuläre Stabilisierung kompensiert, außerdem führt das Entlasten der hinteren Bänder, wo viele Nozizeptoren sitzen, zu einer deutlichen Schmerzreduktion.“

So wie bei Karola Kraft. „Ganz wichtig ist, dass die Pelotten exakt an der richtigen Stelle sitzen“, erinnert sie der Orthopäde beim Kontrolltermin. „Ziehen Sie sie am besten vor dem Spiegel an.“ Drei Monate lang sollte die SacroLoc im Regelfall getragen werden, wenn es in die Bewegung geht, um möglichst beschwerdefrei zu sein, so Dr. Jan Marc Lemkes Erfahrungen.

Studien zur SacroLoc:
Veränderte Nutation, weniger Schmerzen & mehr Beweglichkeit

Studien der Universität Leipzig und der Technischen Universität Chemnitz1,2 haben gezeigt: Die SacroLoc-Orthese richtet das Sakrum auf, beeinflusst die Nutationsbewegung in den ISG und entlastet mehrheitlich die lokalen Bänder, insbesondere das Ligamentum sacrotuberale und sacrospinale1. Eine mehrwöchige Intervention mit der Beckenorthese wirkte signifikant schmerzlindernd und führte zu deutlich erhöhter Lebens­qualität. Auch bestätigte sich ein erheblicher Einfluss auf die Beweglichkeit. So zeigten ISG-Patienten während der Therapie ein verändertes Gangbild (höhere Kadenz und Schrittgeschwindigkeit) und eine verbesserte posturale Stabilität. Zusammenfassend ließ sich beobachten, dass die Beckenorthese SacroLoc ihr therapeutisches Potenzial vor allem in dynamischen Situationen und bei längerer Anwendung entfaltet2. Whitepaper mit Zusammenfassungen ausgewählter Ergebnisse dieser Studien sind erhältlich über medical.affairs@bauerfeind.com Neueste international veröffentlichte Studien zeigen darüber hinaus, dass die entlastenden Effekte der SacroLoc auch mit einer Beeinflussung der LWS-Region einhergehen3.

1 Sichting F., Rossol J., Soisson O., Klima S., Milani T., Hammer N.: Pain Physician. 2014 Jan–Feb; 17 (1): 43–51. Pelvic belt effects on sacroiliac joint ligaments: a computational approach to understand therapeutic effects of pelvic belts.
2 Soisson O., Lube J., Germano A., Hammer K.-H., Josten C., Sichting F., Winkler D., Milani T., Hammer N.: PLOS ONE 10.1371/journal.pone.0116739. Published 17 Mar 2015. Pelvic belt effects on pelvic morphometry, muscle activity and body balance in patients with sacroiliac joint dysfunction.
3 Klima S., Grunert R., Ondruschka B. et al.: Pelvic orthosis effects on posterior pelvis kinematics. An in-vitro biomechanical study. Sci Rep 8, 15980 (2018). https://doi.org/10.1038/s41598-018-34387-7.

Bilder: Bauerfeind, Udo Schönewald


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