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SacroLoc in der Physiotherapie Sensomotorisch auf hohem Niveau

Ausgabe 01/2011

Oft wird das Iliosacralgelenk (ISG) nur deblockiert und die Gefahr des Rezidivs ausgeblendet. Der Physiotherapeut Sven Härtel arbeitet mit speziellen Techniken der Muskel­anspannung. Sie ermöglichen ihm eine dosierte, nachhaltige Behandlung rund um das ISG. Zur Prävention kann auch eine Rückenorthese beitragen.

Keine Frage, die Region um das Iliosacralgelenk ist nicht nur hochsensitiv, sie „lebt“. Die Vorstellung von einem statischen Block am Ende der Wirbelsäule gehört der Vergangenheit an. „Heute weiß man einfach, dass dort Bewegung stattfindet“, sagt Sven Härtel. „Die knöchernen Strukturen sind keine starren Bausteine. Sie sind aufgrund ihrer Beweglichkeit unabdingbar für die Kraftübertragung zwischen Rumpf und unteren Ex­tremitäten.“ Der Physiotherapeut aus dem unterfränkischen Bad Neustadt vergisst nicht zu erwähnen, dass ein leistungsfähiger Band- und Muskelapparat den reibungslosen Kraftschluss am Gelenk ermöglicht. Sind die Bänder aber locker oder treten andere Dysfunktionen auf, ist die Situa­tion eine andere: Schmerzhafte Blockierungen des ISG können die Folge sein. Trotz allem Wissen über Funktion und Anatomie des „Knackpunktes ISG“ ist es für den Physiotherapeuten immer wieder erstaunlich, wie häufig nach einer Blockierung nur deblockiert wird. Chronische Verläufe lägen dann nicht mehr fern: „Erst durch ständiges Einrenken kann eine Instabilität entstehen. Die wieder wegzukriegen, ist richtig schwierig!“

Aufschlussreich: die Stellung des Ileums

Im Zentrum für Physiotherapie, Osteopathie i. D. (in Delegation) und medizinische Fitness gibt es einen klaren Spitzenreiter bei den eingesetzten Arbeitsmitteln: die Hände. „Jeder, der bei uns anfängt, muss Kurse in Manualtherapie absolvieren“, lautet die Ansage von Sven Härtel. Er selbst hat sich auf die Osteopathie spezialisiert. Fünf Jahre Weiterbildung, insgesamt 1.300 Stunden Unterricht. Seine Patienten kommen von Allgemeinärzten, Heilpraktikern, Hebammen, Orthopäden, Internisten oder Neurologen – mit den unterschiedlichsten Vorgeschichten. „Es gibt nie nur eine Ursache bei ISG-Problemen“, so der Physiotherapeut: „Ein Tritt ins Leere, ein Sturz, Fehlhaltungen über längere Zeit, degenerative Prozesse, all dies kann eine Rolle spielen. Wir sehen auch Patienten mit Rheumaerkrankungen, Morbus Bechterew und natürlich Frauen während und nach der Schwangerschaft.“

Es gibt nie nur eine Ursache bei ISG-Problemen.“(Sven Härtel)

Physiotherapeut Sven Härtel vertraut auf osteopathische Verfahren und die SacroLoc.
Physiotherapeut Sven Härtel vertraut auf osteopathische Verfahren und die SacroLoc.

Für Sven Härtel ist der osteopathische Ansatz das ideale Mittel , um die vielfältigen Beschwerden rund um das ISG in den Griff zu bekommen. Aufschlussreich ist die Stellung des Ileums: „Bei einem Sturz kann sich das Darmbein nach vorne oder nach hinten drehen. Um sicher zu sein, teste ich den Patienten in Rückenlage und im Stand. So erkenne ich auch, wenn eine Beckenseite nicht so beweglich ist wie die andere. Zudem weist die Muskulatur bei ISG-Problemen partiell eine hohe Festigkeit auf. Des Weiteren können auch Bewegungsstörungen im Dickdarmbereich oder auch im kleinen Becken für Bewegungsprobleme und Schmerzen sorgen.“
Dann wird es höchste Zeit für „weiche Techniken“. Mit myotensiven Verfahren kann der Physiotherapeut über bestimmte Einstellungen des Beines und des Rumpfes Einfluss auf das ISG ausüben. „Mit der erzeugten Spannung behandle ich fein dosiert die Muskulatur, Faszien und Organe, die am ISG ansetzen“, erklärt Sven Härtel. Allein der Blick auf die Beckenregion würde allerdings dem osteopathischen Ansatz nicht genügen: „Deshalb schauen wir uns die gesamte muskuläre, artikuläre und organische Funktionskette an, in der das ISG liegt, und versuchen dann eine Lösung zu finden.“

SacroLoc während der Reha

Ein Teil der Lösung kann auch die SacroLoc sein. „Bei einer Patientin mit Symphysensprengung hat die Rückenorthese die Beschwerden schnell gemindert“, weiß Sven Härtel. „Sensomotorisch liegt sie auf einem höheren Niveau als andere Rückengurte. Die haben auch nie den Zweck erfüllt, weil sie immer verrutschten und damit sinnlos waren.“ Ein großes Plus sieht der Physiotherapeut zudem in der Funktionalität der SacroLoc während der Rehabilitationsphase: „In dieser Zeit soll der Patient die Rücken- oder Gesäßmuskulatur trainieren, um den rezidivierenden Kreislauf der Blockierung zu durchbrechen. Und das soll er mit der Orthese machen. Sie stabilisiert ihn und bringt ihn aus der Fehlstellung heraus.“ Wenn der ISG-Patient wieder in seinem normalen Bewegungsmuster drin ist, brauche er sie nicht mehr, meint Sven Härtel. „Aber bis dahin weiß er – und das ist eine wichtige persönliche Erfahrung: ‚Ich kann mich belasten, aber ich renke mich nicht ständig aus.‘“

Bilder: Bauerfeind, Rainer Kraus