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Trainingstherapie „Profispieler nutzen Hilfsmittel nur, wenn sie einen Vorteil haben“

Ausgabe 02/2014

Dr. med. Thorsten Rarreck, Facharzt für Orthopädie, ist langjähriger Teamarzt des FC Schalke 04. Daneben führt er eine eigene Praxis in Gelsenkirchen. Von dem doppelten Einsatz des Sportmediziners profitieren auch seine Praxispatienten, vor allem im Bereich der Prävention.

Welche Verletzungen treten beim Fußball auf?
Dr. Rarreck: Wir haben es am häufigsten mit Muskelverletzungen zu tun, und zwar von der Zerrung bis zum Muskelbündelriss, -teilriss oder gar -abriss. Bekannterweise wird auch das Kniegelenk oft in Mitleidenschaft gezogen, mit oder ohne Gegnereinwirkung. Hier sind Innenband-, Kreuzband- und Meniskusverletzungen führend. Häufig sind zudem die oberen Sprunggelenke verletzt , insbesondere das laterale Kapselband sowie Teil- oder Komplettrupturen der Syndesmose. Darüber hinaus spielen die sogenannten Sportschäden eine Rolle, vor allem im Bereich der Symphyse und der großen Sehnen, allen voran Patella- und Achillessehne. Natürlich sehen wir auch direkte Traumata, etwa Prellverletzungen im Bereich der unteren Extremitäten oder des Schädels. Nicht selten treten durch die Belastung des lumbosakralen Übergangs auch tief sitzende Kreuzschmerzen auf.

Beschwerden der Spieler von vornherein vermeiden, darauf zielt Dr. med. Thorsten Rarreck ab.
Beschwerden der Spieler von vornherein vermeiden, darauf zielt Dr. med. Thorsten Rarreck ab.

Wie therapieren Sie?
Dr. Rarreck: Zunächst gilt es, die genannten Beschwerden zu vermeiden. Ein wichtiger Baustein ist die Trainingstherapie. Training ist definiert als das systematische Üben der motorischen Hauptbeanspruchungsformen: Kraft , Dehnbarkeit , Koordination, Ausdauer und Schnelligkeit. Im Leistungssport dient die Trainingstherapie der Leistungssteigerung, aber auch der Gesunderhaltung. Daher spielt die Trainingstherapie mit ihrem präventiven Charakter auch eine große Rolle bei Nichtsportlern. Die FIFA hat eine im Internet abrufbare Serie von erwiesenermaßen präventiven Übungen, wie etwa die Nordic Hamstring Exercises, herausgegeben. Standard in der Erstversorgung ist nach wie vor die PECH-Regel (Pause, Eis, Compression, Hochlagerung). Ich verabreiche außerdem sofort homöopathische Komplexmittel und Enzyme. Danach setzt die Diagnostik ein, um einen phasengerechten Reha-Plan zu erstellen.

Wie setzen Sie die Hilfsmittel von Bauerfeind ein?
Dr. Rarreck: Zum Teil präventiv, beispielsweise bei der Stützung der Sprunggelenke oder bei Kompressionsstrümpfen, wie bei dem VenoTrain sport , im Unterschenkelbereich. Häufig unterstützen Bandagen und Orthesen die konservative oder operative Therapie. Gelenk- und Wirbelsäulenabschnitte werden stabilisiert und in ihrer Funktion unterstützt , der lokale Gelenkstoffwechsel und der Rückfluss von Gewebsflüssigkeiten werden verbessert. Außer der AchilloTrain Pro und der MalleoTrain Plus kommen bei uns unter anderem noch die MalleoLoc, die GenuTrain, die LumboTrain sowie die SacroLoc zum Einsatz.

Wie ist das Feedback der Spieler?
Dr. Rarreck: Sehr gut. Der Tragekomfort ist dabei sehr wichtig und natürlich die Wirksamkeit. Ein Profispieler nutzt generell keine Hilfsmittel , die ihm nicht relativ schnell einen spürbaren Vorteil verschaffen.

Wie läuft der Kontakt zwischen Spieler und Mannschaftsarzt?
Dr. Rarreck: Alle Spieler haben natürlich die Rufnummern des Mannschaftsarztes. Um die Trainingszeiten herum erfolgt der Kontakt über die Physiotherapeuten. Dabei geht es nicht nur um Verletzungen, oft sind auch Probleme im Bereich der Familienmitglieder vorhanden, auch da gibt es natürlich keinen Feierabend.

Bleibt als Teamarzt noch Zeit für eine eigene Praxis?
Dr. Rarreck: Die Betreuung von Praxis und Mannschaft erfordert eine besondere Logistik, exzellente Physiotherapeuten und einen gut geschulten, hochmotivierten Vertreter. Ich bin aber immer dafür, die eigene Praxis neben dem Vereinsjob zu behalten. Man bekommt dadurch ein viel größeres Patientengut zu sehen. Im anderen Fall beschränkt sich die eigene orthopädische Tätigkeit auf wenige Fälle. Darüber hinaus wäre man natürlich wirtschaftlich abhängig von dem Verein. Das entspräche nicht dem freien Beruf des Arztes.

Weitere Informationen

zu den im Text erwähnten präventiven Übungen unter www.fifa.com/medical , Stichwort „FIFA 11+“.

Bilder: Tristan Vankann