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Postoperative Therapie mit Handorthesen „Die Nachsorge ist ebenso wichtig wie die Operation“

Ausgabe 01/2019

Dr. med. Jörg Witthaut ist Handchirurg mit eigener Praxis in Wasserburg am Inn. Gleichzeitig leitet er die Sektion Handchirurgie an der dortigen RoMed-Klinik. Operativ bedient er die gesamte Klaviatur an Techniken, in der Nachbehandlung setzt er auf abnehmbare Orthesen. Hier legt der Experte, der u. a. in Frankreich gelernt und in Schweden praktiziert hat , beim Anformen auch begeistert selbst Hand an.

Bauerfeind life: Was hat die Handchirurgie, was andere chirurgische Disziplinen nicht haben?

Dr. Witthaut: Die Hand ist ein Ausdrucksorgan und unser wichtigstes Werkzeug. Mich fasziniert ihr Mikrokosmos aus Knochen, Muskeln, Nerven und Bändern. Auf kleinstem Gebiet warten die größten Herausforderungen. Bei Bändern und Sehnen übrigens mehr als bei Knochen. Die Osteosynthese ist oft das kleinere Problem. Das chirurgische Spektrum ist abwechslungsreich und ich kann beim Operieren sitzen.

Welche Patienten behandeln Sie?

Dr. Witthaut: Ich sehe alle Formen von Handerkrankungen: Fehlbildungen, veraltete Bandrupturen, Arthrosen, daneben sind auch schwere Verletzungen durch Kreissägen, die Beugesehnenrekonstruktionen, Teilversteifungen, aber auch Amputationen und Stumpfversorgungen nach sich ziehen, leider nicht selten. Häufig sind die klassischen Sturzverletzungen wie der Skidaumen, also der Riss des ulnaren Seitenbands, oder die Radiusfraktur.

ManuLoc long Plus mit abnehmbarer Fingerauflage (hier angeformt in Intrinsic-Plus-Stellung).

Wie verläuft die postoperative Behandlung der Klassiker?

Dr. Witthaut: Beim Skidaumen arbeite ich gerne mit einer Daumenorthese wie der RhizoLoc. Sie stabilisiert und schützt das genähte Band für ca. fünf Wochen. Danach kann schrittweise mobilisiert werden. Radiusfrakturen sehe ich oft mit Begleitverletzungen, etwa einem Kahnbeinbruch oder der Verletzung des SL-Bands zwischen Kahn- und Mondbein. Die Frakturbehandlung ist dabei eher nachgeordnet. Die klassische Kahnbeinfraktur kann mit einer Herbert-Schraube fast belastungsfähig versorgt werden. Eine Bandläsion jedoch, womöglich verspätet erkannt , ist schwierig in der Rekonstruktion. Die Radiusfraktur kann ich mit der ManuLoc oder der ManuLoc long, je nach Länge des Unterarms, sehr gut zur Protektion ruhigstellen. Sobald der erste Schmerz vorbei ist , die Wunde sich konsolidiert hat und die Osteosynthese regelhaft verläuft , meist nach drei bis vier Tagen, beginne ich mit der Mobilisierung. Dabei ist das einfache Abnehmen der Orthese durch Öffnen der Klettverschlüsse ein klarer Vorteil für alle: Arzt , Patient und Ergotherapeut. Das ist bei klassischen Verbänden und den thermoplastischen Schienen ganz anders.

Welche Vorteile sehen Sie noch bei den abnehmbaren Orthesen?

Dr. Witthaut: Die Compliance ist besser. Die ManuLoc-Orthesen sind gepolstert , sie haben keine scharfen Kanten. Von den Patienten wird die Hygiene sehr gelobt. Für sie ist es eine Wohltat , Orthese, Arme und Hände waschen zu können. Für mich bieten sie den Vorteil , dass ich sie direkt am Patienten justieren kann. Mit den thermoplastischen Schienen kann ich das nicht , weil ich hier keine Heißluftpistole habe. Auch überzeugt mich die modulare Bauweise der Orthesen, man kann sie schnell nach Bedarf umbauen oder anpassen: die Fingerauflage der ManuLoc long Plus zum Beispiel. Wenn nachts eine weitgehende Streckung des Handgelenks notwendig ist , wie konservativ beim Karpaltunnelsyndrom oder postoperativ nach Rekonstruktionen, schützt sie durch die flache Gesamtauflage der Hand. Tagsüber zum Beüben kann sie einfach entfernt werden. Sie ist biegbar und gibt mir auch die Möglichkeit , die bänderschonende Intrinsic-Plus-Einstellung, etwa bei Fingerfrakturen, selbst vorzunehmen. Die Bandprotektion ist mir sehr wichtig. Da die Beugesehnen stärker sind als die Strecksehnen, würden wir auf Dauer die Bänder verkürzen. Dieser Einsteifung können wir wunderbar durch die Intrinsic-Plus-Stellung begegnen (siehe Kasten).

„Alle Indikationen, die einer Schonung bedürfen, sind eine Domäne der Orthese.“
Dr. med. Jörg Witthaut

Wie wägen Sie ab zwischen Ruhigstellung und Mobilisierung?

Dr. Witthaut: Generell gilt: Die Nachsorge ist heute ebenso wichtig wie die Operation. Eine Ruhigstellung sollte nur so lange wie unbedingt nötig erfolgen. Danach muss der Fokus klar auf der Bewegung ohne Belastung liegen. Orthesen sichern das erreichte Ergebnis. Unser Ziel ist: je früher mobilisieren, desto besser – idealerweise dosiert unter Aufsicht des Ergotherapeuten oder Physiotherapeuten mit Handzusatzausbildung. Bei einer reizfreien Operationswunde kann ich in manchen Fällen schon nach dem ersten oder zweiten postoperativen Tag beginnen. Die normale Konsolidierungsphase beträgt rund 14 Tage.

Setzen Sie die ManuLoc long Plus auch präoperativ ein?

Dr. Witthaut: Eine Operation zu vermeiden, ist zum Beispiel bei einer klassischen Sehnenscheidenentzündung immer einen Versuch wert. Heute Morgen war ein Fliesenleger bei mir, dessen reibende Sehne sich wie knirschender Schnee anhörte. In diesem Fall ist die Ruhigstellung durch die Orthese ein wesentliches Therapiekonzept. Das Gleiche gilt für die einfache Handgelenksdistorsion, die einfach nur Schmerzen in der Bewegung macht. Alle Indikationen, die einer Schonung bedürfen, sind eine Domäne der Orthese.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bilder: Conny Kurz


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