Orthesen/ Rückenschmerzen

Schneller wieder mobil und zufrieden

Orthesen nach Wirbelsäulen-OP

Von Bauerfeind Life Magazin

Kurz & knapp Operierende Orthopäden wissen noch zu wenig über Orthesen. Das sagt Prof. Dr. Robert Pflugmacher, Wirbelsäulenchirurg und Chefarzt am Kreiskrankenhaus in Mechernich. Für ihn sind Orthesen wie die Spinova Support Plus ein unverzichtbarer Bestandteil in der multimodalen postoperativen Nachsorge.

  • Die Veränderung der Altersstruktur der Bevölkerung hat die Zahl von Wirbelsäulen-OPs deutlich ansteigen lassen.
  • Die erfolgreichste Therapie bei spezifischem Rückenschmerz – beispielsweise aufgrund von Skoliose, degenerativen Veränderungen, Wirbelfrakturen, Tumoren oder Spondylolisthese – besteht aus dem Zusammenspiel von Operation, technischer Orthopädie und Physiotherapie.
  • Die Zusammenarbeit mit Orthopädietechnikern ist entscheidend. Sie kennen die Produkte im Detail und vermitteln später den Patienten den Umgang mit der Orthese.
  • Orthesen entlasten, korrigieren und immobilisieren und unterstützen dadurch die Rehabilitation ganz entscheidend. Sie können budgetfrei verordnet werden.

Prof. Dr. Robert Pflugmacher baut am Krankenhaus Mechernich in der Eifel ein Wirbelsäulenzentrum der Maximalversorgung auf. Er operiert Patienten mit spezifischen Rückenschmerzen aufgrund von degenerativen Veränderungen, Tumoren, Infekten, Skoliosen oder Traumata. Mit Blick auf die postoperative Mobilisierung und das Schmerzmanagement gehören Orthesen für ihn fest ins Behandlungskonzept.

life: Sie sind als Wirbelsäulenchirurg Chefarzt für Orthopädie am Krankenhaus Mechernich, waren zuvor Leiter der Wirbelsäulenchirurgie an der Uniklinik Bonn und davor an der Charité in Berlin tätig. Stellen Sie über diese Jahre hinweg Veränderungen in Ihrer Patientenklientel fest?

Prof. Dr. Robert Pflugmacher: Ganz klar: ja. Zu Beginn meines Berufslebens habe ich pro Woche ein paar Wirbelsäulen operiert, heute hingegen operiere ich 20 Wirbelsäulen pro Woche. Der größte Anteil davon sind degenerative Fälle – da zeigt sich eindeutig der demografische Wandel. Und das bringt neue Anforderungen mit sich, beispielsweise bei osteoporotischen Frakturen, wenn Schrauben nicht mehr gut halten. Dann muss man mit Zement arbeiten oder mit wabenartig strukturierten 3D-Implantaten.

Worin liegt für Sie als Chirurg in Ihrem Behandlungskonzept der Wert einer Orthese?

Prof. Dr. Robert Pflugmacher: Das Therapieziel ist, dass Patienten schnell wieder mobil und schmerzfrei sind. Mein Konzept für die postoperative Behandlung bezieht Physiotherapie und Orthopädietechnik mit ein. Bei mir bekommt fast jeder Patient eine Orthese verordnet. Vor über 20 Jahren war das noch anders, da gab es nur diese starren Korsetts. Aber heute haben wir diese dynamischen Orthesen, die helfen, die Rückenmuskulatur zu stärken, und eine korrekte Statik fördern. Nach der OP von Wirbelfrakturen und in Kombination mit einer degenerativen Komponente gibt es auf jeden Fall eine stabilisierende Orthese. Und auch bei einer minimalen Dekompression bekommen meine Patienten eine Kleinorthese für zwei, drei Wochen. Das erinnert sie daran, dass sie operiert worden sind und noch nicht in Vollbelastung gehen sollten.

„Mein Konzept für die postoperative Behandlung bezieht Physiotherapie und Orthopädietechnik mit ein.“

Prof. Dr. Robert Pflugmacher

Wie finden Sie die optimale Orthese unter denen, die infrage kommen?

Prof. Dr. Robert Pflugmacher: Ich kenne die Produkte, außerdem kommt der Orthopädietechniker meist schon – wenn es nicht gerade ein Unfall ist – vor der OP hinzu. Seine Einschätzung ist wichtig. Er vermittelt später auch dem Patienten den Umgang mit der Orthese. Die Orthese meiner Wahl zur Stabilisierung ist die Spinova Support Plus. Sie verordne ich häufig, etwa nach Versteifung an der Lendenwirbelsäule oder bei Dekompression über mehrere Etagen. Bei einem lumbalen Bandscheibenvorfall hingegen setze ich oft auf die LumboTrain.

Gibt es Ausnahmen?

Prof. Dr. Robert Pflugmacher: Ja, beispielsweise adipöse Patienten oder solche mit sehr speziellen Körperformen – oder Patienten, die den Umgang mit der Orthese nicht verstehen. Sie müssen die Orthese ja sicher an- und ablegen können und sie muss am Körper halten. Aber das sind wenige Fälle.

Schätzt nach einer Operation die stabilisierende Wirkung einer Orthese: Wirbelsäulenspezialist Prof. Dr. Robert Pflugmacher am Krankenhaus Mechernich.

Wie lange trägt der Patient die Orthese und wie ist die Physiotherapie darauf abgestimmt?

Prof. Dr. Robert Pflugmacher: Im Allgemeinen tragen die Patienten vier bis sechs Wochen die Orthese. Nach der OP hat der frisch operierte Patient erst einmal zwei Wochen Ruhe, das ist wichtig für die Heilung. Erst dann beginnt die Physiotherapie, und wenn die gegriffen hat, wird die Orthese abtrainiert. Es bringt nichts, wenn man zu früh mit der Physiotherapie beginnt, dann sehe ich den Patienten bald wieder mit Rückenschmerzen. So etwas kann man allenfalls bei minimalinvasiven Eingriffen machen.

Welche Evidenz begleitet Ihre Arbeit mit Orthesen?

Prof. Dr. Robert Pflugmacher: Vor allem das Feedback der Patienten. Diese gehen ja nach der OP in die ambulante Behandlung durch ihren Orthopäden oder Neurologen zurück, wenn es nicht gerade ganz komplizierte Fälle sind. Erkenntnisse, die dann noch bei mir ankommen, sind natürlich nicht so systematisch wie im Rahmen einer Studie, aber ich weiß aus meiner Erfahrung, dass die Patienten in diesem interdisziplinären Behandlungskonzept aus Operation, Orthese und Training schneller wieder mobil und zufriedener sind.

Was überzeugt Sie bei Versorgungen mit Rückenorthesen von Bauerfeind?

Prof. Dr. Robert Pflugmacher: Die Qualität von Materialien und Verarbeitung, das ist für mich ganz entscheidend. Das Feedback der Patienten ist gut und ich finde im Sortiment, von wenigen Fällen abgesehen, für alle Anwendungen die richtige Orthese. In speziellen Fällen wird man eine Maßanfertigung benötigen, aber die verschiedenen Varianten zur Stabilisierung der vorderen oder hinteren Pfeiler der Wirbelsäule decken mindestens 90 Prozent meiner Patienten sehr gut ab.

Spinova Support Plus stabilisiert die Lendenwirbelsäule mit einer großflächigen Rückenpelotte. Sie schützt vor Fehlbewegungen und korrigiert die Haltung hin zur natürlichen Lordose.

Ist Atrophie ein Thema?

Prof. Dr. Robert ­Pflugmacher: Die Legende hält sich, aber das ist nicht so. Diese Vorstellung kommt aus der Zeit der starren Plastikkorsetts, nach acht Wochen war das wirklich zu sehen. Aber das ist schon längst nicht mehr so. Heutzutage sind die Orthesen flexibler. Sie passen sich an, halten die richtige Position und schränken die Beweglichkeit nicht komplett und nur im strategisch notwendigen Maß ein.

Wie ausgeprägt ist auf ärztlicher Seite das Wissen über Funktion und Indikationen von Orthesen?

Prof. Dr. Robert Pflugmacher: Der konservativ arbeitende Orthopäde kennt sich damit aus, aber die operativ arbeitenden Ärzte wissen naturgemäß mehr über Schrauben und Implantate. Die meisten Chirurgen erfahren in ihrer Ausbildung nichts über die Wirkweisen von Orthesen. Sie wissen auch nicht, dass diese Produkte extrabudgetär verordnet werden, sie belasten also nicht das Klinikbudget. Ich selbst war auch schon einige Jahre im Beruf, bevor ich im kollegialen Austausch auf das Thema Orthesen gekommen bin. Heute kann ich sagen, dass mein therapeutisches Konzept über die Operation hinausgeht – und eine Orthese gehört einfach dazu.

Bilder: Bauerfeind, Stefan Durstewitz

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