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Multifunktionale Knieversorgung „Wer nur einen Hammer hat, nagelt auch Schrauben“

Ausgabe 01/2013

Um im Einzelfall adäquat behandeln zu können, wendet Dr. med. Georg P. Dahmen ein breites Therapiespektrum an, von konservativ bis operativ. Eine ebenso breite Unterstützung erwartet der Hamburger Orthopäde von funktionellen Knieorthesen. Die SofTec Genu ist für ihn wesentlicher Bestandteil der Rehabilitationsphasen. Nicht zuletzt stellt sie eine vertrauensbildende Maßnahme zwischen Therapeut und Patient dar.

Dr. med. Georg P. Dahmen, Facharzt für Orthopädie.
Dr. med. Georg P. Dahmen, Facharzt für Orthopädie.

Versorgt ein niedergelassener Arzt seine Kniepatienten anders als ein Klinikarzt?
Dr. Dahmen: Wir sind hier in unserem Ärztehaus kein Zentrum, das den ganzen Tag Kreuzbänder operiert. Bei uns fällt von kleinen bis großen Verletzungen alles an, auch Nachbehandlungen nach Polytraumata. Meine Patienten operiere ich als Konsiliararzt in einem großen Krankenhaus. Die Patienten sehe ich, anders als in den Akutkliniken, über einen langen Zeitraum. Das hat Auswirkungen auf die Art und Weise der Versorgung.

Operieren Sie eine Kreuzbandruptur anders als die Kollegen?
Dr. Dahmen: Warum gleich operieren? Ich sehe das als eine Verhandlungssache, als Kontrakt zwischen Arzt und Patient. Was ist er bereit zu tragen? Eine Operation oder eine längerfristige, konservative Behandlung? Eine Mitarbeit über sechs Wochen oder sechs Monate? Ein Hilfsmittel am Knie, das einfach nur angelegt wird, oder eine Orthese, die Compliance voraussetzt, aber reproduzier-bare Stabilität bietet?

Wie sieht der Vertrag am Ende aus?
Dr. Dahmen: Der hängt natürlich von vielen Faktoren ab. Alter, Belastbarkeit, sportliche Ambitionen, Vorschädigungen des Patienten. Gerade hatte ich einen Pechvogel mit einer kompletten vorderen und hinteren Kreuzband­instabilität. Rund zwanzig Operationen hat er nach einem schweren Autounfall hinter sich. Der braucht etwas, das ihn hält und ihm Tragekomfort bietet. Ein junger Mann, für den im ersten Moment die SofTec Genu infrage kommt. Aber in Stein geschrieben ist das nicht. Wenn ich Patienten habe, die während hoher Belastungsspitzen schnell eine Hilfe anlegen wollen, bin ich eher bei der Hartrahmenorthese SecuTec Genu. Die normalen Büroleute und Breitensportler aber wollen ihre Verletzung kaschieren. Trotzdem muss die Versorgung schick aussehen, wenn sie einmal ans Tageslicht kommt. Die wollen damit auch mal joggen. Mit der SofTec Genu kann man das hervorragend machen.

Multifunktionsorthese SofTec Genu.
Multifunktionsorthese SofTec Genu.

Was kann der Arzt mit der SofTec Genu ­erreichen?
Dr. Dahmen: Patienten nach Kreuzband­operation, mit Seitenbandinstabilität, innere häufiger als äußere, oder auch mit einer moderaten vorderen Kreuzbandinstabilität lassen sich damit wunderbar stabilisieren. Selbst Patienten nach Knieendoprothesen habe ich mit der SofTec Genu versorgt. Manche brauchen für eine gewisse Zeit eine äußere Stabilisierung, wenn das Gelenk intraoperativ sehr lose eingestellt wurde. Die Orthese lässt sich ideal in ganz viele Behandlungsschritte integrieren.

Wie gehen Sie vor?
Dr. Dahmen: Die Vielseitigkeit der Aufgaben am Knie erfordert vielseitige Möglichkeiten. Wer nur einen Hammer hat, nagelt auch Schrauben, weil er nichts anderes hat. Ein starres Tape hält kaum 24 Stunden durch. Ich müsste es eigentlich jeden Morgen neu machen. Bei der SofTec Genu habe ich eine vernünftige Passung ober- und unterhalb des Knies, verschiedene Größen und einen durchgehenden propriozeptiven Effekt. Und das Beste: Die dadurch gewonnene dynamische Stabilität ist jeden Morgen wiederholbar.

Was meinen Sie mit „durchgehendem ­propriozeptiven Effekt“?
Dr. Dahmen: Mit dem Riss des Kreuzbands ist auch einer der wichtigsten propriozeptiven Sensoren im Knie verloren gegangen. Der damit verbundene Verlust an Sensorik ist vielleicht höher einzuschätzen als der an absoluter Haltekraft im Knie. Wenn ich nun von außen gezielt die knie­umfassende Muskulatur stimuliere, bekomme ich ein Mehr an Information auf Rückenmarksniveau. Mit anderen Worten: Durch das Gestrick und die Noppen der SofTec Genu auf der Haut kann ich das Knieareal im Gehirn neu repräsentieren. Eventuell gelingt dadurch eine gewisse sensomotorische Kompensation des Kreuzbandverlusts.

Bei der SofTec Genu habe ich eine vernünftige Passung ober- und unterhalb des Knies, verschiedene Größen und einen durchgehenden propriozeptiven Effekt.“ (Dr. med. Georg P. Dahmen)

Auch angesichts dieser Folgen: Wohin neigen Sie generell? Zu konservativem oder opera­tivem Vorgehen?
Dr. Dahmen: Ich lege schon großen Wert auf die konservative Richtung. Man muss den Patienten einfach Vernünftiges anbieten. Die Operation allein ist nicht immer die Maßnahme der ersten Wahl.
Der Patient, der die Operation scheut und keine hohen Belastungen auf sein Knie ausübt, kann auch konservativ mit einer ­adaptierten Orthese sehr gut zurechtkommen. Der junge oder junggebliebene Sportler ist möglichweise eher bereit, auch die Nachbehandlung nach der Operation sorgfältig durchzuführen.

In der Praxis bewährt: Der Hamburger Orthopäde setzt die SofTec Genu schon seit Jahren ein.
In der Praxis bewährt: Der Hamburger Orthopäde setzt die SofTec Genu schon seit Jahren ein.

Bietet sich dafür die SofTec Genu an?
Dr. Dahmen: Ich suche diejenigen Hilfsmittel, von denen ich weiß, dass sie wenig Reklamationen machen. Mit der SofTec Genu hat der Patient sofort ein Mehr an Kraft und weniger Schmerz, eine hohe Versorgungs­geschwindigkeit, obwohl kein kontraktiles Element enthalten ist. Dieses Phänomen hält an. Das überzeugt. Die Patienten schätzen weiter eine gewisse Pfiffigkeit. Das Gelenk ist mit zwei Griffen einstellbar, der Druck über die Silikonpelotten erfolgt dort, wo er gut vertragen wird, auf den Muskelbäuchen, nicht querbeet mit dem großen Quast. Die Orthese rutscht nicht, die Schienen können herausgenommen werden, der Klettverschluss ziept nicht. Viele Details, die ein Produkt spannend machen. Da haben Entwickler richtig nachgedacht. Das finden die Patienten, wenn sie es verstanden haben, faszinierend. Dann können sie mit der SofTecGenu auch den Haushalt machen, weil sie wieder in Bewegung sein können. Wenn die Orthese einmal gut angepasst ist, sind die Effekte reproduzierbar. Die Wirkungen sind durch keine andere Maßnahme erreichbar.

Bilder: Pat Scheidemann, Bauerfeind