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Moderne Einlagenversorgung „Ganzheitliche orthopädische Versorgung braucht Zeit“

Ausgabe 03/2015

Jeder Mensch ist einmalig und entsprechend gleicht kein Fuß dem anderen. Eine moderne Einlagenversorgung berücksichtigt dies und versorgt jeden Fuß mit der exakt für ihn passenden Einlage. Damit das gelingt , braucht es drei Komponenten: die diagnostische Präzision des Facharztes, das handwerkliche Können des Orthopädieschuhtechnikers und das technische Know-how des Herstellerunternehmens – angefangen von der Messtechnik mit modernster Software über besonders innovative Materialien bis hin zu überzeugenden Serviceleistungen.

Am 17. und 18. Juli 2015 nutzten der Orthopäde, Chirurg und Fußchirurg Dr. med. Manfred Eisert und der Orthopäde und Unfallchirurg Dr. med. Johannes Weiler ein Fortbildungsangebot zur Einlagenversorgung an der Bauerfeind-Akademie in Zeulenroda. Bei dieser Gelegenheit sprach Bauerfeind life mit den beiden Medizinern vom orthopädischen Zentrum Bad Mergentheim über die Entwicklung der Einlagenversorgung aus Arztsicht.

Anlässlich eines Einlagenworkshops in Zeulenroda diskutierte Bauerfeind life mit Dr. med. Manfred Eisert ...
Anlässlich eines Einlagenworkshops in Zeulenroda diskutierte Bauerfeind life mit Dr. med. Manfred Eisert …

Wie wichtig ist es heute für Orthopäden und Chirurgen, sich mit Grundlagen der Orthopädie- und Orthopädieschuhtechnik auszukennen?
Dr. Manfred Eisert: Das ist auf alle Fälle ein wichtiges Thema, auch wenn es von vielen Ärzten leider stiefmütterlich behandelt wird. Das liegt unter anderem an den wirtschaftlichen Zwängen und engen Zeitvorgaben, die für eine effiziente Praxistätigkeit notwendig sind. Nicht zuletzt aufgrund der vom Gesundheitswesen vorgegebenen Rahmenbedingungen finden manche Themen nicht überall die Beachtung, die sie finden sollten.

Dr. Johannes Weiler: Wir haben großes Interesse am Thema Orthopädie- und Orthopädieschuhtechnik und an konservativen Verfahren der Fußversorgung, deshalb sind wir auch zu diesem Workshop nach Zeulenroda gekommen.
Unser Untersuchungs- und Behandlungskonzept hat eine ganzheitliche orthopädische Versorgung zum Ziel. Patienten werden bei uns so einbestellt , dass intensive Diagnostik möglich ist. Wir schauen auf die Statik des Patienten, untersuchen, ob er beispielsweise eine Valgusfehlstellung oder Probleme mit dem Rücken oder den Hüften hat. Und auch wenn er nicht wegen Fußbeschwerden zu uns gekommen ist , stellt sich häufig heraus, dass eine Fußdeformität die Ursache für die anderen Beschwerden ist und einer Einlagenversorgung bedarf.

... und Dr. med. Johannes Weiler über Einlagenversorgung und den fachlichen Austausch zwischen Hersteller, Arzt und Handwerk.
… und Dr. med. Johannes Weiler über Einlagenversorgung und den fachlichen Austausch zwischen Hersteller, Arzt und Handwerk.

Wie häufig kommt es denn vor, dass Patienten mit Knie- oder Rückenbeschwerden zu Ihnen kommen, letztendlich dann aber die Ursachen dafür im Fuß liegen?
Dr. Manfred Eisert: Das ist relativ häufig der Fall , gerade wenn die Patienten ein statisches Problem haben. Oder auch bei einer Arthrose, einer Varus- oder Valgusfehlstellung und bei einigen anderen Beschwerden ist die Ursache oft über eine adäquate Einlagenversorgung zu behandeln.

Dr. Johannes Weiler: Um einen Hexenschuss oder eine Blockierung zu therapieren, ist eine Einlagenversorgung sicherlich nicht der angemessene Weg. Dennoch lohnt sich die Nachfrage, ob akuten Beschwerden in der Vergangenheit häufig Rückenbeschwerden vorausgegangen sind. Wenn rezidivierende Beschwerden vorliegen, kann man gegebenenfalls auch mit einer adäquaten Diagnostik auf die Füße und damit auf eine Einlagenversorgung kommen.

Vermessen Sie in Ihrer Praxis auch die Patientenfüße?
Dr. Johannes Weiler: Ja. Zusätzlich zur sehr wichtigen manuellen Untersuchung fertigen wir je nach Diagnostik Abdrücke der Füße mit Trittschaum an oder arbeiten auch mit einem Fußscanner. Bevor er zum Orthopädie- bzw. Orthodädieschuhtechniker geht , hat der Patient bei uns zudem die Möglichkeit , sich die Einlagen vorher einmal anzuschauen. Wir haben verschiedene Einlagentypen in der Praxis, an denen wir die medizinisch notwendigen Merkmale einer Einlage erklären.

Empfinden Sie den derzeitigen Austausch mit dem Fachhandel und den Technikern als ausreichend?
Dr. Johannes Weiler: Es gibt einen gewissen Dialog, aber da könnte man sicherlich viel optimieren. Jeder Orthopädietechniker benutzt andere Rohlinge und bearbeitet sie auch unterschiedlich. Wir erhalten leider nur wenige Informationen darüber, warum er sich für dick oder dünn, hart oder weich entscheidet , oder auch, welche neuen Produkte und Materialien er nutzt. Wenn ein Patient mit seiner Einlage zufrieden ist , sucht er uns deswegen natürlich nicht wieder auf, wenn er aber unzufrieden damit ist und zu uns kommt , sind wir oft überrascht , wie weit das Endprodukt von dem abweicht , was wir verordnet haben.

Dr. Manfred Eisert: Die Möglichkeiten für einen Dialog und für eine Zusammenarbeit muss man allerdings auch vor dem Hintergrund des neuen Antikorruptionsgesetzes im Gesundheitswesen sehen, das wohl 2016 in Kraft treten wird. Es ist ja sinnvoll und wird von der Politik eigentlich auch befürwortet , dass die Träger des Gesundheitswesens, wie Ärzte, Sanitätshäuser oder Physiotherapie, miteinander kooperieren und verzahnt arbeiten. Durch die aktuelle Debatte über das geplante Gesetz besteht allerdings die Unsicherheit und Sorge vor unberechtigten Vorwürfen. Viele gehen daher vorsorglich auf Distanz, was ein Fehler wäre. Denn eigentlich sollte immer eine gute Versorgung für den Patienten im Vordergrund stehen, was bei der Einlagenversorgung auch Kommunikation und Zusammenarbeit mit dem Sanitätshaus bedeuten würde.

Eine ungewohnte und zugleich höchst interessante Erfahrung: Beim Workshop durften die Ärzte beim Einlagenschleifen selbst Hand anlegen.
Eine ungewohnte und zugleich höchst interessante Erfahrung: Beim Workshop durften die Ärzte beim Einlagenschleifen selbst Hand anlegen.

Halten Sie es für sinnvoll , dass die Hersteller von Einlagen auch die Ärzte über Innovationen informieren?
Dr. Johannes Weiler: Auf alle Fälle. Damit wir immer auf dem neuesten Stand sind, ist es für uns wichtig, dass die Außendienstmitarbeiter der Hersteller bei uns vorbeischauen und uns vorstellen, was neu und innovativ auf dem Markt ist, wie beispielsweise der Weichschaum der neuen ErgoPad Soft mit seinem Memory­effekt , der nach einer Belastung wieder in ­seine alte Form zurückgeht. Wenn ich weiß, was möglich ist , kann ich auch ein entsprechendes Rezept mit wesentlich konkreteren Angaben als nur „Weichschaumeinlage für Senk-Spreiz-Fuß“ ausstellen.

Dr. Manfred Eisert: Solche Informationen sind ganz klar wichtig. Besonders schön ist es jedoch, wenn man – wie hier – auch mal die Gelegenheit hat, mitzuerleben, über welche Möglichkeiten ein Orthopädieschuhtechniker bei der Einlagenfertigung verfügt. Wir haben miterlebt , wie diffizil er einen Einlagenrohling aufarbeiten und umarbeiten kann. Das war sehr interessant für uns, gerade weil wir ein ganzheitliches Konzept verfolgen, für dessen Umsetzung auch solche Kenntnisse wichtig sind.

 

 

 

Bilder: Andreas Wetzel, Bauerfeind