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Mikrofaser in Kompressionsstrümpfen Hauchfein und funktionsstark

Ausgabe 02/2019

Insbesondere im Sommer fällt es manchen Patienten schwer, ihre Kompressionsstrümpfe regelmäßig zu tragen. Enthalten diese jedoch einen hohen Mikrofaseranteil , stauen sich Wärme und Feuchtigkeit weniger. Das erhöht den Tragekomfort deutlich. Dabei ist das Verarbeiten der feinen Fasern herausfordernd. Diese Aufgabe löste Bauerfeind vor knapp 25 Jahren und brachte den ersten Kompressionsstrumpf dieser Art auf den Markt.

Ob aus der Sport- und Funktionsbekleidung oder als Putztuch – Mikrofasern kennt wohl jeder von uns“, sagt Dr. rer. nat. Uwe Möhring, Geschäftsführender Direktor des TITV (Textilforschungsinstitut Thüringen-Vogtland) e. V. Der Definition nach gelten Fasern als Mikrofasern, wenn sie feiner sind als ein Dezitex, d. h. wenn sie ein maximales Gewicht von einem Gramm auf 10.000 Meter aufweisen. Damit sind sie rund 100 Mal feiner als ein menschliches Haar. Um die feinen Fasern nutzen zu können, werden ganz viele einzelne Filamente zu einem Faden zusammengefasst , der dadurch eine größere Fadenoberfläche aufweist.

Dr. rer. nat. Uwe Möhring, Geschäftsführender Direktor des TITV e. V.

Der Stoff zum Wohlfühlen

Gerade in Kompressionsstrümpfen können die feinen Fasern ihre starken Seiten ausspielen: „Mikrofasern bieten aufgrund ihrer thermophysiologischen Eigenschaften einen guten Tragekomfort. Durch ihre hohe Wasserdampfdurchlässigkeit sind sie besonders atmungsaktiv, zudem haben sie einen schönen weichen Griff und fühlen sich angenehm auf der Haut an“, so Dr. Möhring.
Und so wundert es nicht , dass einige Her­steller bereits in den 1990er Jahren versuchten, Mikrofasern in Kompressionsstrümpfen einzusetzen – und dabei immer wieder an Grenzen stießen. „Das Verarbeiten von Mikrofasern ist schon eine Herausforderung“, bestätigt Dr. Möhring. „Man benötigt speziell dafür ausgelegte Maschinen, um solch feine, empfindliche Garne überhaupt handhaben zu können. Beispielsweise darf der Warenabzug nicht zu stark sein, um das Material nicht zu sehr vorzudehnen. Auch der Färbeprozess muss aufgrund der größeren Fadenoberfläche angepasst werden.“ Für die einzelnen Kompressionsstrumpfarten gilt es, jeweils das geeignete Fasermaterial und die richtige Faserstärke auszuwählen. Es müssen Verarbeitungsverfahren entwickelt werden, die den tragephysiologischen Eigenschaften des Produkts sowie dessen Farbechtheit , Stabilität und Formbeständigkeit Rechnung tragen.
1995 brachte Bauerfeind mit VenoTrain micro den ersten Kompressionsstrumpf mit einem hohen Mikrofaseranteil auf den Markt. Bei dem „Wohlfühlstrumpf“ wird der maschenbildende Faden doppelt mit Mikrofasern umwunden. Damit besteht er zu über 50 Prozent aus Mikrofasern und ist besonders weich, atmungsaktiv und hautfreundlich.
Seit 2011 profitieren Patienten mit fortgeschrittenen Venenleiden auch beim VenoTrain impuls von einem Mikrofaseranteil von über 40 Prozent. Der kurzzugelastische Strumpf ist in Kompressionsklasse 2 und 3 erhältlich.

Beim VenoTrain micro ist der maschenbildende Faden doppelt mit Mikrofasern umwunden.
Beim VenoTrain micro ist der maschenbildende Faden doppelt mit Mikrofasern umwunden.

Pionierleistung bei Flachstrickprodukten

Einen weiteren Meilenstein setzte Bauerfeind 2013 mit VenoTrain curaflow, dem ersten flachgestrickten Kompressionsstrumpf mit Mikrofasern. Patienten mit Lip- und Lymphödemen schätzen die angenehm weiche Oberfläche und gute Luftdurchlässigkeit der Kompressionsprodukte. Dank eigens entwickelter technischer Verfahrenslösungen gelang es, trotz des hohen Mikrofaseranteils die erforderliche Steifigkeit des Materials und einen stabil hohen Arbeitsdruck zu erreichen.
Für die Patienten – ob mit venösen oder lymphatischen Beschwerden – führt der Einsatz von Mikrofasern zu einem deutlich höheren Tragekomfort. Neben einer guten Beratung und Passform zahlt auch das auf die Therapietreue ein. Und die Entwicklungsgeschichte wird sicherlich noch fortgeschrieben. Dr. Möhring geht davon aus, dass sich die Verarbeitung von Mikro­fasern künftig vereinfacht. Der Textilexperte ist überzeugt , dass die feinen Fasern ihr Potenzial längst nicht ausgeschöpft haben: „Zukünftig erwarten wir zum einen spannende Entwicklungen bei den Materialien, beispielsweise Mikrofasern auf Biopolymerbasis, zum anderen wird sich bei der Funktionalisierung der Fasern einiges tun – etwa im Hinblick auf eine antimikrobielle oder hautfreundliche Ausrüstung. Und auch die Faserquerschnitte, mit denen man den Feuchtigkeitstransport optimieren kann, werden eine noch stärkere Rolle spielen.“

Bilder: Michael Knabe, Bauerfeind, E. Rabe

 


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