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Metatarsalgie bei Spreizfuß „Das Damoklesschwert ist erst einmal weg“

Ausgabe 02/2013

Jetzt ist es wissenschaftlich bewiesen: Der Spreizfußpatient profitiert maßgeblich von einer individuellen Einlagenversorgung. Das Ergebnis seiner aktuellen Studie* sollte sich auch in der Genehmigungspraxis der Krankenkassen bemerkbar machen, findet Prof. Dr. med. Bernhard Greitemann, Ärztlicher Direktor der Klinik Münsterland.

Herr Prof. Dr. Greitemann, können Sie das Krankheitsbild Metatarsalgie kurz erklären?
Prof. Dr. Greitemann: Das sind Schmerzen im Mittelfußbereich unter den Köpfchen der Mittelfußknochen, die insbesondere beim Abrollen auftreten. Ursache ist meistens ein Spreizfuß: Durch die Verbreiterung und Abflachung der Fußquerwölbung werden die Mittelfußköpfchen – insbesondere im Bereich 2 und 3 – in der Abrollphase zu stark belastet. Darüber hinaus wird mehr Spannung auf den Bandapparat ausgeübt , der die einzelnen Mittelfußstrahlen untereinander verbindet. Dieser drückt dann auf die Nerven in dem Bereich. Die Metatarsalgie ist eines der häufigsten Fußprobleme, insbesondere bei älteren Patienten. Bei ihnen kommt es letztendlich durch muskuläre Ermüdung zur Abflachung der Fußwölbungen. Tendenziell sind Frauen stärker betroffen, mitbedingt durch die etwas schwächere Fußmuskulatur und das schwächere Bindegewebe. Und natürlich tragen wir alle mit unserem Schuhwerk zu diesem Krankheitsbild bei. Insbesondere die Damen mit hochhackigen Schuhen.

Was hat Sie bewogen, gerade jetzt die Studie durchzuführen? Das Beschwerdebild wird doch in Deutschland bereits seit Jahrzehnten mit individuell angepassten Einlagen behandelt?
Prof. Dr. Greitemann: Empirisches Erfahrungswissen wird heute immer öfter infrage gestellt. Jeder verlangt eine evidenzbasierte wissenschaftliche Studie – insbesondere im Bereich der Hilfsmittel , da die Kosten hier in den letzten Jahren stark gestiegen sind. Häufig sagen die Kostenträger: Es liegen keine Studien vor, die beweisen, dass diese Hilfsmittel helfen. Diesen Beweis wollten wir nun für eine wichtige Indikation liefern.

Ist die Einlagenversorgung in Deutschland im internationalen Vergleich wirklich so stark durch das orthopädieschuhtechnische Handwerk geprägt , wie sie eingangs in der Studie andeuten?
Prof. Dr. Greitemann: Wenn man sich die internationalen Publikationen anschaut , muss man konstatieren, dass im englischsprachigen Raum deutlich weniger Erfahrungen mit traditioneller Schuhtechnik vorliegen, als wir sie im deutschsprachigen Raum haben. Ein Land, das vielleicht noch mit uns die meiste schuhtechnische Erfahrung auf der Welt hat , ist Japan. Das spiegelt sich auch in der Forschung wider. Es gibt dort viele Arbeiten über Schuhaußen- oder Innenranderhöhungen bei Knieverschleißerkrankungen. Die Amerikaner und Engländer haben dieses traditionelle schuhtechnische Handwerk nicht. Sie setzen überwiegend sogenannte Supportschuhe oder Weichbettungseinlagen ohne weitere Zurichtung ein, aber selten individuell angepasste Einlagen, wie wir sie zum Beispiel beim Spreizfuß verwenden.

Können Sie die biomechanische Wirkung der individuell angepassten Einlage bei einer Metatarsalgie beschreiben?
Prof. Dr. Greitemann: Mit der Einlage hebt man leicht – und da gilt es sehr vorsichtig zu sein – die Mittelfußstrahlen an, stellt dadurch die leichte Querwölbung des Fußes wieder her und bringt somit die Hauptbelastung auf den ersten und fünften Zeh. Dies entlastet die Mittelfußköpfchen 2 bis 4. Die sorgfältige Platzierung der Pelotte ist dabei ganz wichtig. Diese darf man nicht zu weit dis­tal , also zehenwärts platzieren, sonst drückt sie auf die empfindlichen Hälse der Mittelfußknochen. Zudem darf die Pelotte auch nicht zu stark in der Höhe sein, sonst gäbe es weitere Folgebeschwerden fersenwärts.

Bei einer Metatarsalgie treten Schmerzen im Mittelfußbereich unter den Köpfchen der Mittelfußknochen auf.
Bei einer Metatarsalgie treten Schmerzen im Mittelfußbereich unter den Köpfchen der Mittelfußknochen auf.

Warum wurde die TRIactive run für die Studie ausgesucht?
Prof. Dr. Greitemann: Mit der TRIactive run haben wir eine gut zurichtbare, individuell anpassbare, langsohlige Einlage mit entsprechender physiologischer Abrollunterstützung und Vorfußweichbettung. Die Einlage hat per se gute Voraussetzungen für angenehmes Gehen durch die unterschiedlichen Shorehärten. Von der TRIactive bin ich wirklich überzeugt.

Welche Ergebnisse der Studie haben Sie überrascht?
Prof. Dr. Greitemann: Auffällig war, dass sich die Weichbettungseinlagen beim Schmerz zwar positiver bemerkbar gemacht haben als gedacht , aber immer noch signifikant schlechter waren als die individuell angepassten Einlagen. Überrascht hat mich, wie deutlich sich die Lebensqualität der Probanden verbessert hat.

In der Studie erwähnen Sie, dass nicht geklärt werden konnte, ob der positive Effekt der individuell angepassten Einlage hauptsächlich durch die retrokapitale Pelotte oder die Längsgewölbeunterstützung erreicht wird.
Was vermuten Sie?
Prof. Dr. Greitemann: Spontan denkt man, dass es die retrokapitale Abstützung sein muss. Es gibt aber bei den Orthopädieschuhtechnikern durchaus ernst zu nehmende Stimmen, die sagen, dass gerade die Unterstützung unter dem Sustentaculum tali ein ganz wichtiger Aspekt sei. Ich glaube, dass beides eine Rolle spielt. Der Vorteil der TRIactive ist , dass sie von Haus aus schon eine Längsgewölbeunterstützung mitbringt , die der Orthopädieschuhtechniker dann nur noch an die individuelle Fußform anpassen muss. Die Weichbettungseinlage der Kontrollgruppe bestand dagegen aus einer Schicht Polstermaterial ohne jegliche Gewölbestütze. Dies lässt vermuten, dass der Haupteffekt durch die flächig verlaufende Wölbung von proximal nach distal erreicht wurde. Die retrokapitale Pelotte spielt dabei für die Entlastung im Vorfuß eine wichtige Rolle.

Die Ergebnisse der Studie sprechen ja für das orthopädieschuhtechnische Handwerk. Könnte sich dadurch die Zusammenarbeit zwischen behandelnden Ärzten und Technikern noch weiter verbessern?
Prof. Dr. Greitemann: Ich meine ja. Denn mit der Studie, übrigens der höchsten Evidenzklasse, haben wir zwei Dinge gezeigt. Erstens: Die individuell angepasste, retrokapital stützende Einlage wirkt bei einer Metatarsalgie, und zwar besser als die reine Weichbettungseinlage. Zweitens: Man kann einen industriell vorgefertigten Rohling nehmen und ihn individuell vernünftig anpassen. Dabei ist sowohl die orthopädie-schuhtechnische Leistung gefragt als auch die Absprache zwischen Arzt und Schuhtechniker. Die Studie ist übrigens auch für die Kostenträger ein wichtiges Signal. Das, was wir seit Jahren aus der orthopädischen Praxis wissen, nämlich dass die Einlagen den Patienten helfen, ist jetzt auch wissenschaftlich bewiesen. Das wird sich – zum Wohle der Patienten – in der Genehmigungspraxis bemerkbar machen. Denn damit ist aus meiner Sicht das Damoklesschwert „Einlagen werden nicht mehr übernommen“ erst einmal weg.

* Ref. B. Greitemann, et al., ,,Wirken Einlagen bei der Metatarsalgie?‘‘ Eine randomisierte Kontrollgruppenstudie, Fuß & Sprunggelenk, Volume 10. Issue 4, December 2012, P. 257–264.

Weitere Informationen

www.bauerfeind.com/triactive

Bilder: Stefan Durstewitz, Bauerfeind


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