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Mehr Optionen am Handgelenk „Nicht nur gradueller, sondern auch qualitativer Zuwachs“

Ausgabe 01/2015

Längst gilt nach Verletzungen der Hand das Prinzip der frühen Mobilisation. Im Einzelfall wird es aber oft nur zögerlich angewandt. Grund der Zurückhaltung ist ein Dilemma: Einerseits wollen Gelenke und Muskelzüge der Hand schnell wieder greifen, andererseits bedürfen diese feinen Strukturen einem vermehrten Schutz.

Nach operativen Eingriffen ist das Handgelenk besonders gefährdet. Der Gipsverband ist hier in der Regel Mittel der Wahl. Für die Zeit danach allerdings hat Bauerfeind jetzt die Versorgungsoptionen erweitert: Lange Stabilorthesen erhöhen vor allem nach Frakturen die Sicherheit der Versorgung. Gleichzeitig eröffnen sie, je nach Stabilitätsanforderung, differenzierte Therapiemöglichkeiten. Im Mittelpunkt stehen die bewährten Handorthesen ManuLoc sowie ManuLoc Rhizo mit jeweils fester Unterarmverlängerung. Mit den neuen „long“-Ausführungen kann ein größeres Patientenklientel therapiert werden.
Einer der Impulsgeber für die langen Orthesen ist Dr. med. Hubert Klauser, Leiter des Hand- und Fußzentrums Berlin. Der Handspezialist konnte mit der ManuLoc long und ManuLoc Rhizo long bereits Fall-Erfahrungen sammeln. In einem ausführlichen Gespräch berichtet Dr. Klauser über die entsprechenden Indikationen, die Gefahr von Immobilisationsschäden, Besonderheiten der Hand und über die Suche nach dem idealen Zeitpunkt für die Orthesenversorgung.

Dr. med. Hubert Klauser, Leiter des Hand- und Fußzentrums Berlin, hat bereits Fall-Erfahrungen mit der ManuLoc long und der ManuLoc Rhizo long gesammelt.
Dr. med. Hubert Klauser, Leiter des Hand- und Fußzentrums Berlin, hat bereits Fall-Erfahrungen mit der ManuLoc long und der ManuLoc Rhizo long gesammelt.

Herr Dr. Klauser, warum braucht man lange Orthesen für die Hand?
Dr. Klauser: In unserem handchirurgischen Alltag haben wir es sehr oft mit Verletzungen männlicher Erwachsener zu tun, insbesondere von Sportlern. Für diese Patienten mit anderen Körpermaßen und Kräften als bei Kindern, Jugendlichen und Frauen brauchen wir entsprechend lange Orthesen. Längere Unterarme können so besser versorgt werden. Zudem können unterschiedliche Bedürfnisse an Stabilität mit den kurzen und langen Ausführungen differenzierter therapiert werden. Wir haben also nicht nur einen graduellen, sondern auch einen qualitativen Zuwachs.

Von welchen Indikationen reden wir?
Dr. Klauser: Die distale Radiusfraktur zum Beispiel ist bei erwachsenen Männern eine sehr häufige Verletzungsform. Ungefähr 90 Prozent davon betreffen die typischen Extensionsfrakturen loco typico. Diese Verletzungen kann ich postoperativ mit der langen Version der ManuLoc, nach circa einer Woche im Gipsverband, sehr gut nachbehandeln. Die ManuLoc long überragt die Bruchstelle in der Regel weit proximal. Das ist wichtig. So ist die Gefahr einer gefährlichen Hebelwirkung nahezu ausgeschlossen. Die ManuLoc Rhizo long bietet sich an bei der oft auftretenden Begleitverletzung der Extensionsfrakturen, dem Abriss des Processus styloideus radii. Mit ihr bin ich in der Lage, nicht nur das Handgelenk, sondern auch den Daumenstrahl ruhigzustellen.

Welche Indikationen gibt es neben der Radiusfraktur noch?
Dr. Klauser: Eine weitere, häufig vorkommende Fraktur am Handgelenk ist die des Kahnbeins. Der Vorteil bei einer operativen Versorgung der Skaphoidfraktur ist, dass die Hand nach Verschraubung relativ früh wieder bewegt werden kann. Meist kann nach rund einer Woche post operationem, wenn Daumenstrahl und Handgelenk ausreichend abgeschwollen sind, der Gips abgenommen werden. Dann schließt sich schon die Nachbehandlung mit ManuLoc Rhizo long an, inklusive Physiotherapie, Ergotherapie und ärztlicher Untersuchung. Die gefürchteten Immobilisationsschäden nach langer Tragedauer des Gipses können so minimiert werden. Rein konservativ behandelt, sprechen wir von sechs Wochen Gipsverband. Da hat man erst einmal Mühe, Handgelenk und Daumenstrahl wieder flott zu kriegen. Auch Sehnenscheidenentzündungen wie der berühmte Hausfrauendaumen, Handgelenksdistorsionen oder Arthrodesen bei Arthrose können mit den langen Versionen der Orthesen gut nachbehandelt werden.

Fingerkrafttest mit angelegter Stabilorthese ManuLoc long.
Fingerkrafttest mit angelegter Stabilorthese ManuLoc long.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Einsatz der Orthesen?
Dr. Klauser: Das ist immer eine Gratwanderung. Wir diskutieren jeden Fall neu. Grundsätzlich gilt: Wer das postoperative Management ernst nimmt, und das tun wir, muss das Konzept der frühen Mobilisation umsetzen. Fortschritte in der Medizin, wie winkelstabile Implantate oder eben lange Orthesen, geben uns mehr Sicherheit. Frühe Mobilisation hängt auch davon ab, wie mutig der Operateur und wie verlässlich der Patient ist. Für die meisten Patienten ist eine kurze Immobilisationsphase eine großeErleichterung. Man darf aber das Konzept und die genannten Zeiträume nicht apodiktisch sehen. Klar ist: Bevor das Gelenk nicht abgeschwollen ist, kann es nicht bewegt werden. Versteifungsoperationen bei Handwurzelgelenksarthrosen zum Beispiel brauchen in der Regel mindestens drei Wochen, bis die Schwellung ausreichend zurückgegangen ist. Aus ärztlicher Sicht ist es dann auch egal, ob die Hand eine oder fünf Wochen immobilisiert war. Spannend wird es immer dann, wenn der Zeitpunkt für die Orthese gekommen ist. Dann kann endlich die funktionelle Rehabilitation beginnen. Vom Gips ins Nichts wäre schlecht.

Die Klettlasche der ManuLoc Rhizo long gibt Bewegungen des Daumengrundgelenks frei.
Die Klettlasche der ManuLoc Rhizo long gibt Bewegungen des Daumengrundgelenks frei.

Warum ist die Hand eigentlich so ­anfällig für Immobilisationsschäden?
Dr. Klauser: Die Hand ist ein äußerst komplexes Gebilde. Betrachten Sie nur das Handgelenk: ein multidirektionales Gelenk, bestehend aus mehreren Gelenkknochen der Handwurzel. Die Finger besitzen viele Einzelgelenke und entsprechend viele Muskelzüge. Immobilisationsschäden haben dann natürlich ganz andere Auswirkungen als bei weniger komplexen Gelenken. Ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig es ist, alle Bewegungsausschläge des Handgelenks zu erhalten, sind Geigenspieler: Haben sie eine Radiusfraktur erlitten, ist die Bewegungseinschränkung bei Außen- und Einwärtsdrehung (Supination / Pronation) gefürchtet, wie bei anderen Patienten auch. Zwar sind Beugung und Streckung das Erste, auf das alle schauen. Aber Geigern hilft es wenig, wenn sie ihren Bogen zwar ziehen, das Instrument – weil sie nicht mehr in die Außendrehung, die Supination, kommen – aber nicht mehr halten können.

Es müssen nicht immer gleich Knochen brechen. Kommt im Winter der Skidaumen auch nach Berlin?
Dr. Klauser: Nicht nur im Winter. Läsionen der Seitenbänder des Daumengrundgelenks haben wir das ganze Jahr über, denken Sie an die Skateboarder, Inlineskater oder Ballsportler. Der Skidaumen ist eine klassische Sportverletzung geworden. Sie ist mit der RhizoLoc bequem und gut nachzuversorgen. Bei einem knöchernen Ausriss beim Skidaumen kann ich mit der kurzen Version der ManuLoc Rhizo nachbehandeln. Da muss ich vorher auch nicht lange ruhigstellen im Gips, weil die operative Refixierung mit einer Schraube mir eine gute Sicherheit gibt. Zudem heilt der Knochen schneller als das Band selbst.

Mehr Sicherheit in der Therapie mit „long“-Produkten.
Mehr Sicherheit in der Therapie mit „long“-Produkten.

Kann die Orthese eine Alternative zum Gips­verband sein?
Dr. Klauser: Als unmittelbare postoperative Maßnahme dient der Gips der sicheren Ruhigstellung und einem rascheren Abschwellen. Zu diesem Zeitpunkt ist er kaum zu ersetzen. Er hat natürlich auch viele Nachteile. Er ist unkomfortabel und blockiert Therapien. Durch das ständige Tragen eines Casts oder Gipses verändern sich Bewegungsabläufe und es kann aufgrund aufsteigender Muskelketten zu Störungen bis in den Ellenbogen, die Schulter und die Halswirbelsäule kommen. Ziel muss es also sein, so schnell wie möglich von ihm loszukommen und das Zeitfenster für frühfunktionelle Maßnahmen zu öffnen. Ich bin ein großer Freund des Einsatzes von Kompressionshandschuhen und Motorschienen, zur Unterstützung des Abschwellens und Förderung der Beweglichkeit. Beide Hilfsmittel sind natürlich mit einem Gips nicht ohne Weiteres zu nutzen. Dazu benötigen Sie eine Kunststoffschiene oder Orthese, die intermittierend wirkt, aber eben an- und abgelegt werden kann. Und zwar immer dann, wenn therapeutische Maßnahmen dies erfordern. Solche Schienen aus Thermoplastmaterial selbst herzustellen, ist zeitraubend und teuer. Mit den neuen Orthesen gibt es jetzt eine echte Alternative, die ich in dieser Länge sonst nicht finde.

 

Bilder: Anika Büssemeier


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