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Medizinische Hilfsmittel Eine erfolgreiche Versorgung hat ihren Preis

Ausgabe 01/2010

Der Kostendruck im Gesundheitswesen steigt stetig an. Patienten dürfen weitestgehend auch künftig zwischen Fachhändlern und Hilfsmittelqualitäten frei wählen. Warum Leistungserbringer allerdings nicht mehr jedes hochwertige Produkt zum Kassenpreis liefern können, erklärt Jürgen Baden, Leiter Gesundheitswesen, Bauerfeind AG.

Seit Monaten verhandeln Kassen und Leistungserbringer über neue Verträge für die Hilfsmittelversorgung. Erste Verträge, z. B. mit einigen BKK, der BARMER-GEK, TK oder verschiedenen AOK-Kassen, wurden geschlossen. Kernelement der Vereinbarungen ist, dass das Wahlrecht der Patienten, anders als bei Ausschreibungen, wie z. B. bei der Inkontinenz­versorgung, gesichert ist. Daher können Ärzte ihren Patienten einzelne Sanitätshäuser odeqr Apotheken nach fachlichen, qualitätsbezogenen Erfahrungswerten empfehlen. Patienten dürfen zwischen Fachhändlern frei wählen. Sie können – im Rahmen des Rezepts – zwischen unterschiedlichen Hilfsmittelqualitäten frei entscheiden. Soweit Patienten eine höherwertige Produktversorgung wünschen, zwingen knappe Erstattungspreise die Leistungserbringer zu einer finanziellen Beteiligung der Patienten. Dies führt zu einem Wettbewerb nach den Kriterien Produkt- und Beratungsqualität, Serviceumfang sowie Preis. Wichtig ist aber: Die Patienten haben die Chance, auszuwählen. Trotz dieses Wettbewerbs werden bei einzelnen Hilfsmitteln Patienten in die Geldbörse greifen müssen. Zuweilen wurden erstmals nach zehn Jahren neue Erstattungen, z. B. für Bandagen oder Orthesen, ohne nennenswerte Erhöhung verhandelt. Teilweise wurden Preise, die für alle Produkte einer Untergruppe des Hilfsmittelverzeichnisses gelten, gesenkt. Dies betrifft dann ganz besonders moderne, nach neuen ärztlichen Erkenntnissen zur Muskel- oder Gelenkversorgung fortentwickelte, hochwertige Produkte. Leistungserbringer werden vor diesem Hintergrund daher nicht mehr jedes hochwertige Produkt zum „Kassenpreis“ liefern können.

Der Patient hat die Wahl

Was bedeutet dies für die Patienten? Leistungserbringer werden vor einer Versorgung verstärkt verschiedene Produkte vorstellen. Sie werden einfache, sehr günstige Produkte präsentieren, die sie zum „Kassenpreis“ ohne finanzielle Beteiligung des Patienten liefern können. Alternativ erhalten die Patienten Informationen zu höherwertigen Produkten, die dem aktuellen Stand der Wissenschaft und Medizin entsprechen. Sofern sich die Pa­tienten, auch auf Empfehlung des Arztes, für moderne Produkte entscheiden, müssen sie gegebenenfalls einen Eigenanteil ergänzend zum Kassenpreis zahlen. Pa­tienten müssen diese Entscheidung mit ihrer Unterschrift bestätigen. Dies soll zum Schutz der Pa­tienten erfolgen.
Ärzte können weiterhin namentlich verordnen, wenn sie von einem Produkt überzeugt sind. Das Sanitätshaus wird dieses neben anderen Produkten vorstellen. Der Patient kann entscheiden, ob er der durch das Rezept gegebenen „Empfehlung“ folgt, oder eine andere Versorgung wünscht. Wünscht der Arzt eine Versorgung mit einem bestimmten Produkt, z. B. um den Behandlungserfolg zu sichern, kann er dies durch die namentliche Benennung in Verbindung mit einer Begründung erreichen.
Für Leistungserbringer wird die Versorgung nicht einfacher. Die Belieferung mit jedem denkbaren Produkt im Austausch gegen ein Rezept wird fast unmöglich. Sie müssen Patienten durch Qualität überzeugen. Nur wenn diese stimmt, können sie berechtigterweise Patienten an den Kosten der Versorgung beteiligen. Für eine gute Leistung einen finanziellen, fairen Beitrag zu erheben ist keine Schande – weder für Ärzte noch für Fachhändler.

Bild: AOK Mediendienst