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Medizinische Grundlagen der Lymphtherapie Erfolge erzielen und erhalten

Ausgabe 03/2010

Fast zwei Prozent der erwachsenen Deutschen sind von einem Bein-Lymphödem betroffen, bei rund 14 Prozent deuten sich Lymphabflussstörungen an, die sich im schlimmsten Fall zu einem Lymphödem entwickeln können.1 Eine erfolgreiche Therapie setzt genaue Kenntnisse über diese Erkrankung voraus.

Am Anfang eines Lymphödems steht stets eine Störung des Lymphflusses. In der Folge wird das Gewebe mit lymphpflichtigen Lasten wie Zelltrümmer oder Eiweiß belastet, es kommt zu chronisch fortschreitenden Entzündungen sowie einer Anregung der Binde- und Fettgewebe bildenden Zellen. Als Langzeitschaden entwickelt sich eine zunehmende Fibrosklerose des Unterhautgewebes, begleitet von einer Verdickung der Haut. Man unterscheidet primäre und sekundäre Lymphödeme. Bei Ersteren handelt es sich um angeborene Fehlbildungen der Lymphgefäße, die meist einseitig lokalisiert sind und sich in der Pubertät manifestieren. Sekundäre Lymphödeme werden durch spätere Schädigungen des Lymphsystems (z. B. in Folge von Verletzungen, Tumorerkrankungen) hervorgerufen. Im Latenzstadium der Erkrankung sind die Lymphgefäße zwar bereits geschädigt, dies ist aber noch nicht erkennbar. Stadium 1 zeichnet sich durch eindrückbare Schwellungen aus, die sich bei Hochlagerung der Extremität wieder zurückbilden. Die kaum noch eindrückbaren Fibrosen des Stadiums 2 hingegen bilden sich bei Hochlagerung nicht mehr zurück. Stadium 3 schließlich ist gekennzeichnet durch eine zunehmende Anschwellung der Extremität mit harter Gewebekonsistenz und diversen Hautveränderungen.

Oberschenkelstrumpf mit schrägem Fuß, offener Spitze und 90-Grad-Ferse.
Oberschenkelstrumpf mit schrägem Fuß, offener Spitze und 90-Grad-Ferse.

Lymphdrainage und Kompression

Zur Therapie von Lymphödemen wird die komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE) eingesetzt. In ihrer ersten Phase erfolgt eine tägliche Entstauung mit manueller Lymphdrainage und Bandagierung, begleitet von Bewegungstherapie und Hautpflege. Wenn sich durch diese Maßnahmen der Umfang des Ödems nicht weiter reduzieren lässt, schließt sich – in der Regel nach drei bis sechs Wochen – mit Phase 2 die Konservierung und Optimierung des bisher Erreichten an. Während dieser Erhaltungstherapie erfolgt die lymphologische Kompression mittels maßgefertigter, flachgestrickter Kompressionsstrümpfe der entsprechenden Kompressionsklasse. Die Maßanfertigung ist hier ein Muss und die exakte und individuelle Anmessung durch geschulte Sanitätsfachhausmitarbeiter ausschlaggebend für den Therapieerfolg. Auch in dieser Phase, die bei Lymphödemen der Stadien 2 oder 3 als lebenslange Therapie fortgeführt wird, erfolgt je nach Bedarf eine manuelle Lymphdrainage. Unerlässlich sind zudem begleitende entstauende Bewegungsübungen unter der Kompres­sion sowie eine entsprechende Hautpflege.

Basis des Erfolgs

Eine Lymphtherapie kann nur dann erfolgreich verlaufen, wenn der Patient sich engagiert und Fachhandel, Lymphtherapeut sowie Arzt eng und professio­nell zusammenarbeiten. Die nötigen Kenntnisse dafür vermitteln verschiedene Weiterbildungen, wie sie zum Beispiel auch Bauerfeind in individueller Form auf Anfrage unter info@bauerfeind.com anbietet.

 

Verschiedene Ödemformen

 

Lymphödem: 

  • Schädigung der Lymphgefäße
  • Wasseransammlungen / Bindegewebsverhärtungen
  • Schmerzen und Stauungsbeschwerden

Lipödem

  • bestehende Fettverteilungsstörung
  • Spannungsschmerz, Druckempfindlichkeit
  • symmetrisches Auftreten

Lipo-Lymphöden

  • durch Lymphstau bedingte Wasseransammlung bei einem Lipödem, meist an Füßen und Zehen

1  Bonner Venenstudie (2003)

Bilder: Bauerfeind