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Der Fachmann für medizinisch-berufsorientierte Rehabilitation Arbeits- und Reha-Medizin sollten zusammenwirken

Ausgabe 02/2011

Dr. med. Dr.-Ing. Jürgen Knörzer befürwortet eine Ergänzung staatlich und berufsgenossenschaftlich vorgeschriebener Vorsorgeuntersuchungen beim Werksarzt. Als ehemaliger Facharzt für Arbeitsmedizin und Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin war er langjähriger Chefarzt für medizinisch-berufsorientierte Rehabilitation. Jetzt bei der Klinik Bavaria im Einsatz, spricht er sich für die Berücksichtigung beruflicher Probleme in der medizinischen Rehabilitation aus.

„Die originäre Aufgabe des Betriebsarztes ist die Prävention, zum einen durch die Erfassung und Beseitigung betrieblicher Gefährdungspotenziale, zum anderen durch regelmäßige gefahrstoff- und expositions-bezogene Diagnostik bei Mitarbeitern von Betrieben. Aus betrieblicher, aber auch aus gesundheitsökonomischer Sicht erscheint es darüber hinaus sinnvoll , zukünftig in diesem Rahmen nicht nur den weiterhin abnehmenden Berufskrankheiten und beruflich bedingten Erkrankungen, sondern auch den viel häufigeren Zivilisationskrankheiten mit allen präventivmedizinischen Mitteln zu begegnen. Wie kein anderer erlebt der Werksarzt die Mitarbeiter täglich bei ihrer Arbeit, mit all ihren Beschwerden und Funktionseinschränkungen, die sich auf das Leistungsvermögen auswirken. In Zusammenarbeit mit dem Hausarzt, dem Facharzt und dem Rehabilitationsmediziner könnte hier eine zusätzliche präventivmedizinische Tür geöffnet werden, zum Nutzen der Mitarbeiter und des Betriebs. Wenn auf diese Weise auch Zivilisationskrankheiten früh und in breiterem Maße erkannt und hinausgezögert werden, trägt dies nicht zuletzt auch zu erheblichen Einsparungen im Gesundheitswesen bei.

Berufsorientierte Diagnostik und ­Therapie in der Rehaklinik

Dr. Dr. Jürgen Knörzer Klinik Bavaria / Bad Kissingen
Dr. Dr. Jürgen Knörzer Klinik Bavaria / Bad Kissingen

Frühzeitige biopsychosozial ansetzende Rehabilitationsmaßnahmen, wie die medizinisch-berufsorientierte Rehabilitation, verfolgen sekundär-präventive Ziele und wirken der Chronifizierung von Zivilisationskrankheiten und der vorzeitigen Erwerbsminderung entgegen. Sie wenden sich an erwerbstätige Patienten und umfassen ein breites Spektrum berufsorientierter Diagnostik und Therapie, um die Patienten bereits während der medizinischen Rehabilitation gezielt wieder an die Anforderungen ihres Arbeitsplatzes heranzuführen. Weiterführende Empfehlungen im Rahmen der Rehabilitationsabschlussberichte dienen dazu, unter anderem mit Hinweisen auf erforderliche Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, auf die weitere medizinische Behandlung sowie auf die notwendigen medizinischen Hilfsmittel , den Erfolg der Rehabilitationsmaßnahmen nachhaltig zu sichern. Hierzu zählt unter anderem der Einsatz von Orthesen und Bandagen bei akuten und chronischen Muskel-Skelett-Krankheiten, orthopädischen Einlagen beispielsweise bei schmerzhaften Schädigungen im Fußbereich oder Kompressionsstrümpfen bei Varikosis.
Es wäre wünschenswert , wenn die Zusatzleistungen der medizinisch-berufsorientierten Rehabilitation durch angemessene Tagessätze abgegolten werden könnten. Dann würde diese besonders für chronisch kranke oder ältere Arbeitnehmer so wichtige Rehabilitationsform rasch Verbreitung finden und bald bundesweit verfügbar sein.“

Bilder: Fotolia.com/only4denn, Frank Seifert