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MalleoTrain auf dem Prüfstand „Wie erfassen wir überhaupt Stabilität?“

Ausgabe 01/2020

Studienleiterin Laura Niklaus von der TU Chemnitz ist Wissenschaftlerin und Sporttherapeutin. So verbindet sie Theorie und Praxis. Eine Idealbesetzung für das komplexe Thema Stabilität im Sprunggelenk.

Bauerfeind life: Was ist die Intention der MalleoTrain-Studie?

Laura Niklaus: Wir wollen experimentelle und klinische Daten zur funktionellen Wirksamkeit der Bandage posttraumatisch nach fünf Wochen und nach sieben Wochen bestimmen. In den ersten fünf Wochen tragen die Probanden eine Orthese, wie es den unfallchirurgischen Leitlinien zur Behandlung einer frischen Außenband­ruptur am oberen Sprunggelenk ent­-
spricht.

Warum messen Sie über einen längeren Zeitraum und nicht punktuell?

Laura Niklaus: Unsere Hypothese lautet: Es gibt einen anhaltenden stabilisierenden Effekt beim längerfristigen Tragen. Wenn der Patient die Bandage nur punktuell trägt , bringt es ihm wenig, wenn er danach wieder sicher ohne sie unterwegs sein möchte. Daher die Interventionsstudie: Fünf Wochen Orthese, dann messen mit und ohne MalleoTrain, nach zwei Wochen wiederum messen. Diese Abfolge macht auch therapeutisch Sinn.

Warum?

Laura Niklaus: Weil nach dem Orthesen­einsatz eine weiterführende Versorgung angezeigt ist. Dafür haben wir schließlich Bandagen. Der harte Break würde vermieden. Wir wissen, dass zwischen der sechsten und achten Woche in Sachen Stabilität viel geschieht. Es ist der optimale Zeitraum, den Fuß in seiner Bewegung nicht mehr einzuschränken, sondern zu unterstützen. Eine Chance, die man nutzen sollte.

Inwiefern ist womöglich gestörte Propriozeption ein Punkt bei der Betrachtung?

Laura Niklaus: Das ist ein extrem spannender Punkt , den wir etwa mit unserem Gelenkwinkelreproduktionstest aufgenommen haben. Wir haben lange diskutiert , wie wir die funktionelle Wirksamkeit der Bandage beschreiben könnten. Wie erfassen wir überhaupt Stabilität? Wo liegt der Unterschied zwischen mechanischer und funktioneller Stabilität? Bedeutet funktionell stabil , im richtigen Winkel aufzutreten? Im Gleichgewicht gut zu balancieren? Oder bedeutet es nur, nicht umzuknicken? Das wollen wir herausfinden.

Was ist mit den sensomotorischen Effekten der MalleoTrain?

Laura Niklaus: Ein Aspekt mit großem Potenzial , der die Propriozeption tangiert. Wir wissen, dass Sportler mit propriozeptiven Übungen sehr gut zu therapieren sind1. Eine veränderte Sensorik und die motorische Antwort sind ein absolut lohnendes Thema. Unsere Ganganalysen und Gleichgewichtstests mit der MalleoTrain werden zeigen, ob wir vielleicht sogar ein diagnostisches Tool finden. Wer ist wie disponiert? Wer neigt zum Rezidiv, wer zu chronischer Instabilität?

1 McGuine TA, Keene JS (2006): The effect of a balance training program on the risk of ankle sprains in high school athletes. Am J Sports Med 34: 1103–11 (Level 1)

Bild: Frank Steinhorst


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