Bandagen·Fußbeschwerden

„Distorsionen sind keine Bagatellverletzungen“

MalleoTrain-Bandagen nach Supinationstrauma

Von Bauerfeind Life Magazin am 15.03.2024

Kurz & Knapp Umknickverletzungen und ihre Folgen beschäftigen den Schweizer Sportmediziner und Olympiaarzt Dr. Hanspeter Betschart vielfach. In seinem Behandlungsregime setzt er MalleoTrain-Bandagen erfolgreich in der Nachbehandlung ein und stellt zwei Fälle aus dem Leistungssport vor. Er warnt dabei vor der Gefahr einer chronischen Instabilität des Sprunggelenks, die in der Spätfolge zu Arthrose führen kann. Experten sollten frühzeitig nach Supinationstraumata konsultiert werden, um eine inadäquate Therapie zu vermeiden.

Ein falscher Schritt, umgeknickt und es ist passiert: das Supinationstrauma. Die häufige Verletzung birgt Risiken und bedarf adäquater Behandlung. Der Schweizer Sportmediziner Dr. Hanspeter Betschart warnt vor chronischer Instabilität des Sprunggelenks als Folge und sieht in Kompressionsbandagen eine Maßnahme zur erfolgreichen Rückführung in die Bewegung.

Fußball und Floorball, das in der Schweiz populäre Unihockey, haben nicht viel gemein, eines aber schon: die Anfälligkeit für Distorsionsverletzungen des oberen Sprunggelenks (OSG). Bewegungsschnelle Mannschaftssportarten sind prädestiniert für Supinationstraumata. Der Verletzungsmechanismus ist eine Kombination aus Plantarflexion, Adduktion und Inversion des Fußes.

Schmerzhaft erfahren mussten dies Jan Wörnhard und Ladina Sgier. Er ist Verteidiger beim SC Brühl in der Promotion League, der dritthöchsten Schweizer Fußballliga, sie Unihockeyspielerin in der Nationalliga B beim UHC Waldkirch-St. Gallen. Während Jan Wörnhard zügig wieder in den Spielbetrieb zurückkehren konnte, war die Floorballspielerin gezwungen, länger auf vollumfängliche Return-to-Sports und Return-to-Competition zu warten. Sie kam zwar zurück, musste aber mit Problemen kämpfen.

Dr. med. Hanspeter ­Betschart ist Facharzt für Allgemeine Innere Medizin (FMH) und Sportarzt (SEMS). Er ist als Chefarzt in der Berit SportClinic tätig.

POLICE-Schema für Akutbehandlung

Nach der Verletzung trat bei Ladina Sgier eine chronische Instabilität im OSG auf, eine weit verbreitete Komplikation bei Distorsionen. „In zehn bis 40 Prozent der Fälle entwickelt sich nach einem schweren Supinationstrauma eine chronische Sprunggelenkinstabilität – oft als Folge einer inadäquaten Therapie“, berichtet Dr. Betschart. Er ist Chefarzt der Berit SportClinic in Speicher in der Ostschweiz und Nachbehandler des Fußballers und der Floorballspielerin. Eine adäquate Akutbehandlung von Distorsionsverletzungen sollte in jedem Fall, so Dr. Betschart, nach dem sogenannten POLICE-Schema erfolgen (Protection, Optimal Loading, Ice, Compression, Elevation) – „und zwar initial so früh wie möglich“, bekräftigt der Sportarzt. Die Regel zur Akutbehandlung mit schnellstmöglicher, kontrollierter Belastung gilt bei allen Schweregraden, von einer leichten Überdehnung der Bänder bis zur kompletten Ruptur. Laterale Bandstrukturen sind deutlich häufiger betroffen als mediale, am häufigsten lädiert wird das Ligamentum talofibulare anterius. Eine Zerrung mit kleinem Hämatom und keiner bis mäßiger Schwellung wird als eine Grad-I-Verletzung klassifiziert; bei partieller Ruptur, Hämatom und mäßiger Schwellung liegt Grad II vor, bei einer vollständigen Ruptur mit deutlichem Hämatom und Schwellung eine ­Grad-III-Verletzung.

Ladina Sgier, Schweizer Unihockeyspielerin in der Nationalliga B, bei ihrem Aufbautraining mit der Bandage MalleoTrain Plus zur Stabilisierung.

Orthopädietechnik für sichere Mobilisierung

Bei einer Grad-I-Verletzung kann nach Dr. Betscharts Erfahrungen meist schon nach zwei Wochen von einer Orthese zur seitlichen Stabilisation auf eine Kompressionsbandage oder Tape gewechselt werden. Liegen Grad-II- oder -III-Verletzungen des OSG vor, wie sie die beiden Sportler erlitten haben, werden Orthesen vier bis sechs Wochen in der Therapie eingesetzt. Im Zuge der Nachbehandlung wurde Ladina Sgier mit der MalleoTrain Plus versorgt, die durch ihr Gurtsystem zusätzlich stabilisiert und deren beidseitige Pelotten den Schwellungsabbau um die Knöchel beschleunigen. Jan Wörnhard erhielt die MalleoTrain S, sie hat keine Pelotten, aber ebenfalls ein individuell einstellbares Gurtsystem für eine hohe Stabilisierung. Mindestens drei Monate unterstützten die Sprunggelenksbandagen oder Tapes bei der weiteren Mobilisierung und dem Return-to-Sports-Prozess.

Erfolgreiche Rückführung in die Bewegung

„Kompressionsbandagen eignen sich ideal zur Rückführung in die Bewegung und tragen zur Kräftigung der stabilisierenden Muskulatur bei“, erklärt Dr. Betschart. „Bei leichten Schwellungszuständen kann ich mit der MalleoTrain Plus durch ihre Pelotten an den Malleolen gezielt eine lokale Mikromassage ausüben. Die MalleoTrain S wähle ich, wenn der Patient auch leicht in eng anliegende Sportschuhe hineinkommen will. Bewegungstechnisch sind mir beide Bandagen aber gleich sympathisch. Sie helfen, die Bänder zu entlasten und bieten dabei ein Maximum an Bewegungsfreiheit. Das ist mir wichtig für die funktionelle Therapie.“ Der Sportmediziner, der als Chefarzt der Schweizer Olympiadelegationen die Spiele 2024 in Paris und 2026 in Mailand/Cortina d’Ampezzo begleiten wird, schätzt bei den Kompressionsbandagen auch ihren positiven Einfluss auf die Propriozeption. Daher befürwortet er auch ihren Einsatz bei physiotherapeutischen Übungen – auf dem Wackelbrett, wie es Jan Wörnhard während seines Aufbautrainings mit angelegter MalleoTrain S tat, oder auf der Matte, wie Ladina Sgier mit ihrer MalleoTrain Plus.

Jan Wörnhard, Fußballer in der Promotion League, nach seiner OSG-Distorsion bei propriozeptiven Übungen – unterstützt durch die Bandage MalleoTrain S.

Gefahr chronischer Beschwerden ist real

Trotz aller Maßnahmen ist die Gefahr einer chronischen Instabilität des Sprunggelenks, der auch Fußdeformitäten zugrunde liegen können, stets präsent. Sie ist die häufigste Ursache für die Entwicklung einer Arthrose des OSG1. Davor sei Ladina Sgier hoffentlich gefeit. Nach ihrer Distorsion im März 2022 kam es bei ihr allerdings über längere Zeit zu Episoden von Schmerzen, Schwächen und Schwellungen. „Spätestens dann wird eine Bildgebung mittels MRT obligat, um beispielsweise Knorpelschäden auszuschließen“, stellt Dr. Betschart klar. Im Februar 2023 wurde bei Ladina Sgier eine Bandstraffung durchgeführt. Heute kann sie wieder Leistungssport ausüben, wie auch Jan Wörnhard, der eine komplikationslose Nachbehandlung durchlief. Die Gefahr der Chronifizierung von Beschwerden am OSG jedoch ist real. Jegliches Umknicken sollte initial einem Arzt vorgestellt werden. Dr. Betscharts Empfehlung geht noch weiter: „Wir sehen leider sehr viele Patienten, die nicht richtig behandelt wurden, die nach zwei oder drei Monate zu uns kommen und immer noch Probleme haben. Je nach eigener Erfahrung und diagnostischen Möglichkeiten des Hausarztes, aber auf jeden Fall bei anhaltenden Beschwerden über vier bis sechs Wochen sollte der Patient an einen Spezialisten überwiesen werden – insbesondere wenn keine Vollbelastung im Verlauf der ersten zwei Wochen möglich ist. Bei Leistungssportlern ist aufgrund des anzupassenden Behandlungsschemas an sich eine frühe Zuweisung empfohlen“, so der Experte. „Distorsionen sind keine Bagatellverlet­zungen.“

Bilder: Bauerfeind

  1. Valderrabano V, et al. Ligamentous Posttraumatic Ankle Osteoarthritis. Am J Sports Med. 1. April 2006; 34(4): 612–20. ↩︎

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