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MRT-Studie mit semi-rigider Sprunggelenkorthese MalleoLoc nachweislich wirksam

Ausgabe 01/2021

Eine Studie zur Stabilitätsdiagnostik am Sprung­gelenk belegt mit einer neuartigen, MRT-basierten Methode: Die Orthese MalleoLoc verbessert signifikant die Kongruenz im Sprunggelenk bei Patienten mit chronisch mechanischer Instabilität und erhöht die subjektiv empfundene Stabilität.

Studienleiter PD Dr. Dominic Gehring vom Institut für Sport und Sportwissenschaften der Universität Freiburg.

Ist es möglich, mittels 3D-Stress-MRT mechanische Instabilitäten des oberen Sprunggelenks zu quantifizieren? Und kann damit auch die stabilisierende Wirkung der semirigiden Orthese MalleoLoc nachgewiesen werden? Das waren die beiden zentralen Fragestellungen einer Studie zur Instabilitätsdiagnostik am Sprunggelenk, die im November 2019 vom Orthopäden Dr. med. Markus Wenning (Universitätsklinikum Freiburg) und Sportwissenschaftler PD Dr. Dominic Gehring (Universität Freiburg) gestartet wurde.
Als Parameter für die mechanische Sprunggelenkinstabilität untersuchte die Studie in dreidimensionalen MRT-Aufnahmen die Größe der Knorpelkontaktflächen (Cartilage Contact Area, CCA). Je höher deren Kongruenz ist, desto stabiler ist das Gelenk. Die Kongruenz der Flächen wurde dabei in Normalstellung sowie in Funktionsstellung (Plantarflexion + Supination) untersucht. Gemessen wurden die Kontaktflächen zwischen Talus und Fibula sowie zwischen Talus und Tibia. An der kontrollierten Querschnittstudie nahmen 50 Personen teil, bestehend aus einer Kontrollgruppe mit gesunden (stabilen) Probanden und 25 Patienten mit mechanischer Sprunggelenkinstabilität (Mechanical Ankle Instability, MAI). Bei allen Patienten wurde die Gelenkkongruenz in den verschiedenen Gelenkstellungen vermessen. Zusätzlich wurden bei der MAI-Gruppe alle Messparameter mit der angelegten Sprunggelenkorthese MalleoLoc bestimmt.

Messbar verbesserte Gelenkkongruenz

Studienleiter Dr. med. Markus Wenning, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Freiburg, und Clinician Scientist im Berta-Ottenstein-Programm der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg.

Die Studie wurde vor kurzem abgeschlossen und liefert valide Ergebnisse zu beiden Fragestellungen. „Die Daten zeigen, dass die Messmethodik auch in einer größeren Kohorte gut und robust funktioniert und dass die dreidimensionale fibulotalare Gelenkkongruenz ein gut geeigneter Parameter zur Quantifizierung der Sprunggelenkstabilität sein könnte. Belegen lässt sich außerdem, dass die MalleoLoc-­Orthese einen positiven mechanischen Effekt auf die Gelenkkongruenz hat“, fasst Dr. Markus Wenning zusammen.Konkret zeigte sich, dass die fibulotalare Gelenkfläche bei allen Probanden beim Wechsel von der Normalstellung in die Funktionsstellung signifikant abnimmt: um 32,8 Prozent bei der Kontrollgruppe und um 56,3 Prozent bei der MAI-Gruppe. Patienten mit chronisch mechanischer Instabilität weisen damit im Vergleich zu gesunden Probanden eine deutlich verringerte Gelenkkongruenz in Funktionsstellung auf. Klar wurde auch der Einfluss der ­MalleoLoc auf diesen Stabilitätsindikator bei MAI-­Patienten. In allen drei Sprunggelenkdimensionen – fibulotalar, tibiotalar horizontal und tibiotalar vertikal – war eine verbesserte Gelenkkongruenz zu beobachten. Im Durchschnitt steigerte sich durch die MalleoLoc die fibulotalare Kontaktfläche um 18,8 Prozent, die tibiotalare horizontale Fläche um 19,5 Prozent und die tibiotalare vertikale Fläche sogar um 32,2 Prozent. Die MalleoLoc verbessert demnach signifikant die Gelenkkongruenz, was ihre in anderen Studien nachgewiesene stabilisierende Wirkung in der sekundären Verletzungsprävention biomechanisch erklären könnte. Die Wirksamkeit der Orthese zeigt sich auch in der Einschätzung der Probanden selbst, die auf einer Skala von 0 (sehr schlecht) bis 10 (sehr gut) ihr subjektives Stabilitätsempfinden bewerteten. Die gesunden Kontrollpersonen schätzten ihre Stabilität mit MalleoLoc im Mittel bei 7,2 ein, MAI-Patienten bei 8.

Vergleich der Gelenk­kongruenz in Funktionsstellung bei gesunden Kontroll­personen, Personen mit mechanischer Instabilität (MAI) und Personen mit mechanischer Instabilität, welche eine Sprung­gelenk­orthese tragen (MAI + ­MalleoLoc). Dargestellt sind die Mittelwerte der Gelenk­flächen in Quadratzentimetern; * signifikanter Unterschied; p < 0,05.

Methodik mit Potenzial

Valide Daten durch reproduzierbare Ergebnisse, messbare Effekte auf Knorpelkontaktflächen – die MRT-Messmethodik bietet noch viel Forschungs- und Anwendungspotenzial: „Wir möchten beispielsweise untersuchen, ob wir einen Cut-off-Wert für die Ausprägung der mechanischen Defizite festlegen können, ab welchem Patienten von einer frühzeitigen operativen Stabilisierung profitieren oder eine protrahierte Orthesenversorgung benötigen, um die Rezidivrate und das Chronifizierungsrisiko nach einer Sprunggelenkdistorsion zu reduzieren“, erläutert Dr. med. Markus Wenning. „Wir sehen gute Chancen, das MRT-Verfahren standardmäßig im Klinikalltag bei dieser Patientengruppe einzusetzen, sobald wir die Auswertung semi-automatisch mit verringertem Messaufwand durchführen können. Die Möglichkeiten der klinischen Anwendung werden wir insbesondere mit Blick auf die Therapieempfehlung in aktuellen Studien weiter untersuchen.“ Daneben sind auch die Ergebnisse zur Wirksamkeit der MalleoLoc interessant für weitere Untersuchungen: „Wir sehen einen positiven Effekt der Orthese auf die Parameter der Gelenkkongruenz, was die Wirksamkeit in der mechanischen Stabilisierung erklärt. Die Ergebnisse legen nahe, dass damit die Rezidiv-Wahrscheinlichkeit gesenkt werden kann“, erklärt Dr. Dominic Gehring. „In Folgestudien wollen wir den Zusammenhang zwischen mechanischer Instabilität und Knorpelläsionen über­prüfen.“

Digitales Whitepaper

 

Eine Zusammenfassung ausgewählter Ergebnisse der Studie von Wenning et al. bietet das Whitepaper „Effektivität der Orthese MalleoLoc in der Reduktion der chronisch mechanischen Sprunggelenkinstabilität“. Die PDF-Datei ist in Deutsch und Englisch erhältlich über

medical.affairs@bauerfeind.com.

Bilder: Udo Schönewald, Patrick Seeger


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