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Lymph- & Lip-Lymphödeme – der niedergelassene Arzt Teamwork ist angesagt

Ausgabe 03/2019

In seiner Fürther Praxis behandelt Dr. med Michael Kraus nicht nur Patienten mit phlebologischen, sondern sogar überwiegend mit lymphologischen Problemen. Als Hauptsäule der Therapie von Lymph- und Lipödemen sieht er die Versorgung mit flachgestrickten Kompressionsstrümpfen.

Reichlich Erfahrung: Die Venenpraxis von
Dr. med. Michael Kraus in Fürth besteht seit 1999.

Bauerfeind life: Wie kommen die Lymph­patienten zu Ihnen – direkt oder per Überweisung durch den Hausarzt?

Dr. Kraus: 60 bis 70 Prozent kommen per Überweisung. Es sind aber nicht nur Hausärzte, die überweisen, sondern viele Kollegen aus anderen Fachrichtungen, wie zum Beispiel der Orthopädie, Gynäkologie, Onkologie und Dermatologie. Viele Patienten werden auch von ihrem Therapeuten, vom Sanitätshaus oder mittlerweile sogar vom Fitnessstudio geschickt.

Wie sollte ein Patient mit Lymph- oder mit Lipödem richtig therapiert werden?

Dr. Kraus: Die Versorgung beim Lymph- und Lipödem erfolgt in erster Linie durch eine flachgestrickte Kompressionsstrumpfversorgung, die angepasst und auf den Patienten zugeschnitten werden muss. In der weiteren Therapie unterscheiden sich die beiden Erkrankungen. Bei einem Lymphödem handelt es sich um eine Abflussstörung. Hier muss mit Lymphdrainagen das Eiweiß im Gewebe gelöst und zum Lymphknoten hin abtransportiert werden. Beim Lipödem findet sich eine Entzündung. Wie bei allen Entzündungen sind hier manuelle Lymphdrainagen kontraindiziert. Für beide Erkrankungen bieten wir Sportkurse an.

Darf der Hausarzt selbst rezeptieren?

Dr. Kraus: Ja! Er muss aber darauf achten, dass jede Heil- und Hilfsmittelverordnung medizinisch indiziert und wirtschaftlich ist. Auch eine Genehmigung durch die Krankenkasse entbindet ihn nicht davon. Wichtig ist , dass der Arzt nicht nur ein Rezept ausstellt , sondern den Patienten auch gut über die Therapie aufklärt. Das erhöht beispielsweise bei Kompressionsstrümpfen die Therapietreue.

Wie häufig sollte der Zustand der Ödeme kontrolliert werden?

Dr. Kraus: Die Kontrollfrequenz hängt natürlich von der Schwere der Erkrankung ab. Ein ausgeprägtes Ödem muss im Extremfall auch täglich behandelt werden. Solange die manuelle Lymphdrainage läuft , gilt es regelmäßig den Erfolg zu dokumentieren. In der Entstauungsphase ist ein Kompressionsverband sinnvoll , danach wie erwähnt der flachgestrickte Kompressionsstrumpf.

„Viele Lymphpatienten werden auch von ihrem Therapeuten, vom Sanitätshaus oder mittlerweile sogar vom Fitnessstudio geschickt.“
(Dr. med. Michael Kraus)

Was machen Sie, wenn sich ein Ödem nicht reduzieren lässt?

Dr. Kraus: Das geschieht häufig bei Patienten nach einer onkologischen Operation mit Entfernung der Lymphknoten. Hier kann der Lymphabfluss nicht mehr richtig funktionieren. Dann kann unter Umständen auch eine Transplantation der Lymphgefäße oder Lymphknoten zweckmäßig sein.

Wie klappt die inter-disziplinäre Zusammenarbeit in der Lymphologie?

Dr. Kraus: Da ist durchaus noch Luft nach oben. Eine gelungene lymphologische Versorgung ist immer Teamwork. Sie erfordert eine intensive Kommunikation zwischen Ärzten, Therapeuten, Sanitätshäusern und dem Patienten. Je mehr Feedback untereinander entsteht , desto größer der Erfolg und damit auch die Lebensqualität der Patienten.

Bilder: ARTARCO Fotostudio, Bauerfeind


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