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Kompressionstherapie Keine Belastung des ärztlichen Budgets

Ausgabe 02/2014

Kompressionstherapie ist die Basisbehandlung bei Venenleiden und Erkrankungen des Lymphsystems. Doch manche Patienten haben Probleme beim Anlegen der Kompressionsstrümpfe. Über Unterstützungsmöglichkeiten sprach life mit Swea Menser, Referentin Öffentlichkeitsarbeit und Gesundheitspolitik der eurocom.

Für wen können Anziehhilfen sinnvoll sein?
Swea Menser: Vorrangig natürlich für eher ältere Patienten. Allerdings gibt es auch eine zunehmende Zahl an stark adipösen Patienten, die ohne Hilfe nicht in der Lage sind, ihre Kompressionsstrümpfe anzuziehen.

Swea Menser, Referentin Öffentlichkeitsarbeit und Gesundheitspolitik der eurocom.
Swea Menser, Referentin Öffentlichkeitsarbeit und Gesundheitspolitik der eurocom.

Dass Kompressionsstrümpfe als therapeu­tisches Hilfsmittel das ärztliche Budget nicht belasten, ist den meisten Ärzten bekannt. Wie sieht es mit Anziehhilfen aus?
Swea Menser: Bei einigen Hausärzten herrscht selbst bei der Kompressionsstrumpfverordnung Unsicherheit. Heil- und Hilfsmittel werden da gerne in einen Topf geworfen. Fakt ist: Bei einer entsprechenden Indikation sind sowohl Kompressionsstrümpfe als auch An- und Ausziehhilfen zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verordnungsfähig – ohne das Budget zu belasten!

Auf was sollte der Sanitätsfachhandel bei der Abgabe von Anziehhilfen achten?
Swea Menser: Generell bedarf es einer entsprechenden Einweisung des Patienten. Und man sollte sich auch vergewissern, ob das ausgewählte Modell tatsächlich zum Patienten passt. Für jemanden, der sich nicht tief herabbeugen kann, macht eine Anziehhilfe wenig Sinn, die lediglich das Hineinschlüpfen in den Strumpf erleichtert.

Was ist, wenn der Patient auch mit einer Anziehhilfe nicht in der Lage ist , die Strümpfe anzulegen?
Swea Menser: Dann stellt sich die Frage, ob ein Angehöriger, der im selben Haushalt lebt , das übernehmen kann. Ist das nicht der Fall , dann kann der Arzt häusliche Krankenpflege zum An- und Ausziehen der Strümpfe verordnen. Und zwar unabhängig davon, ob der Patient in eine Pflegestufe eingruppiert wurde und Leistungen aus der Pflegekasse bezieht oder nicht. Allerdings erst ab der Kompressionsklasse (Ccl) 2. Die GKV übernimmt dann die tatsächlich anfallenden Kosten der häuslichen Krankenpflege für das An- und Ausziehen, der Patient muss jedoch für die ersten 28 Tage im Kalenderjahr zehn Prozent der Kosten selbst zahlen. Darüber hinaus fallen zehn Euro je Verordnung an. Das Anziehen von Strümpfen der Ccl 1 durch Helfer muss entweder selbst bezahlt werden oder zählt bei Patienten, die in einer Pflegestufe eingestuft sind, zur sogenannten Grundpflege im Rahmen der Pflegeversicherung. Sie erfolgt dann während des normalen Aus- und Ankleidens.

Die eurocom e. V.  ist die Herstellervereinigung für Kompressionstherapie und orthopädische Hilfsmittel. Neben der aktiven Mitgestaltung gesundheitspolitischer Prozesse stößt die eurocom Wissenstransfer und Diskussionen an, schafft Branchentransparenz und unterstützt wissenschaftliche Studien. www.eurocom-info.de

Bilder: Bauerfeind, eurocom