Kompressionsstrümpfe/ Venenbeschwerden

„Meine Therapie ist Bewegung“

Kompression unter besonderen Lebensumständen

Von Bauerfeind Life Magazin

Kurz & knapp Seit seinem Unfall in der TV-Sendung „Wetten, dass..?“ 2010 ist Samuel Koch vom Hals abwärts gelähmt. Der heute 34-Jährige profitierte im Nachhinein vom harten Training als Extremsportler und Stuntman, das ihn als Jugendlicher körperlich und mental stärkte. Auf der „OTWorld“ in Leipzig berichtete er von den „wunderbaren Menschen“, die ihm genauso zu Resilienz verhelfen wie ein tägliches Bewegungsprogramm, individuelle Kompression und seine erfüllende Arbeit: Samuel Koch ist unter anderem Ensemblemitglied am Nationaltheater Mannheim, Buchautor, Speaker auf vielen Veranstaltungen und unterstützt karitative Einrichtungen. Der Verein „Samuel Koch und Freunde e. V.“ will Menschen helfen, die Angehörige pflegen und anderen Menschen zur Seite stehen. Sein Fazit: „Das Leben ist gar nicht so arm an Möglichkeiten.“

Sanfte Stimme, charmantes Lächeln und ein Schuss Selbstironie: Der Ausstrahlung von Samuel Koch kann man kaum widerstehen. Auf der OTWorld in Leipzig sprach er über Selbstüberwindung, seine erfüllende Arbeit und das Glück, nicht allein zu sein.

Als Extremsportler musste ich meinem Körper schon immer helfen“, erzählt Samuel Koch, der in seiner Jugend unter anderem als Kunstturner und Stuntman auftrat, wobei er sich des öfteren Verletzungen zuzog. „Dabei habe ich mir Überwindungskraft und einen inneren Schweinehund antrainiert.“ Dann kam das Jahr 2010. Sein Unfall in der Fernsehsendung „Wetten, dass..?“. Und Herausforderungen, auf die ihn auch das härteste Training nicht hätte vorbereiten können. Als Tetraplegiker sitzt der heute 34-Jährige seitdem im Rollstuhl und sagt: „Mein Körper macht nicht, was ich will, aber ich versuche, ihn zu hegen und zu pflegen. Es ist eine Art Hassliebe.“

Zum Glück, so sieht er es im Nachhinein, hatte man sich während seines einjährigen Klinikaufenthalts gescheut, ihm die volle Wahrheit ins Gesicht zu sagen. Erst nach und nach wurde dem jungen Mann klar, dass sein Leben künftig ein völlig anderes sein würde als zuvor. „Diese Zeit der weicheimäßigen Vorbereitung habe ich in meine körperliche Wiederherstellung gesteckt“, berichtet Samuel Koch. Um sich fit zu machen für den Neuanfang, aber auch, um Fäden wieder aufzunehmen. Dazu gehörte, sein Schauspielstudium fortzusetzen. „Mit Hilfe von Dozenten und Kommilitonen, die an mich geglaubt haben“ – und es ermöglichten, dass Samuel Koch 2014 als erster Rollstuhlfahrer in ­Hannover das Schauspieldiplom ablegte. „Das Spielen hat sich in meiner neuen Situation zwar radikal verändert. Aber Emotionen transportieren kann ich noch immer“, erläutert er. „Der Fokus liegt auf gedanklicher Klarheit und Sprache, auf Fantasie und Geist.“

„Der Verlust meiner Bewegung macht das Leben nicht wertlos“, sagte Samuel Koch in einem Gespräch auf der OTWorld in Leipzig.

Unkonventionelle Lösungen

Darüber hinaus ist Samuel Koch bei vielen Veranstaltungen als Redner eingeladen und hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, darunter gemeinsam mit seiner Frau zwei Fortsetzungsbände des Kinderbuchs „Das Kuscheltier-Kommando“. Darin geht es um wahre Stärke sowie das Loslassen und Abschiednehmen. Themen, mit denen Samuel Koch sich gezwungenermaßen persönlich auseinandersetzen musste. Denn nicht nur die Schauspielerei findet seit dem Unfall unter neuen Vorzeichen statt. Auch sein Alltag hat sich radikal verändert. So unabhängig und agil sein Geist auch ist, körperlich benötigt Samuel Koch rund um die Uhr Pflege. Dabei setzt er auf unkonventionelle Lösungen. So gehören zu seinem Pflegeteam unter anderem ein ehemaliger Filmproduzent, ein Bauarbeiter und ein Student. Der Grund: „Auf der Suche nach wirklichen Helden habe ich gemerkt, dass Expertise im Pflegebereich nicht auf eine Ausbildung reduziert ist. Diese Tätigkeit ist viel, viel mehr, sie ist eine gemeinsame Reise“, sagt Samuel Koch. „Es kommt auf Empathie, auf Einfühlungsvermögen und Belastbarkeit an. Ich brauche Gefährten, ich brauche Wegbegleiter.“

Unkonventionell ist auch sein Umgang mit dem gehandicapten Körper: „Ich habe alle Medikamente abgesetzt. Meine Therapie ist Bewegung.“ Bewegung? Genau. Samuel Kochs Pflichtprogramm umfasst unter anderem regelmäßiges Stehtraining und Physiotherapie, und auch im Schauspielberuf ist körperliche Herausforderung angesagt, wenn er zum Beispiel angeklebt an einen Kollegen über die Bühne geht oder kopfüber aufgehängt wird. Gemeinsam mit seinem Bruder, von Beruf Physiotherapeut, hat er „die ersten Beweglichkeitsvideos für Unbewegliche“ konzipiert und auf YouTube eingestellt. Doch auch klassische Maßnahmen wie Kompression gehören zur Therapie. Samuel Koch wechselt je nach Tagesform zwischen verschiedenen Ausführungen wie Knie- oder Schenkelstrümpfen, verzichtet aber auch einmal darauf, wenn er zum Beispiel einer weiteren Leidenschaft nachgeht – dem Schwimmen. Ein zusätzliches Hilfsmittel zur Venenentstauung ist sein Rollstuhl, den er selbst steuert und dessen Fußteil sich elektrisch so verstellen lässt, dass die Beine hochgelagert sind. Sein Fazit: „Ich bin zwar auf Hilfe angewiesen, aber nicht hilflos.“

Motivation durch „wunderbare Menschen“

Auf die Frage aus dem Publikum in Leipzig, wie er neue Kraft schöpft, hat Samuel Koch mehrere Antworten. „Erstens hilft es mir, eher darauf zu schauen, was geht, als darauf, was nicht geht.“ Noch wichtiger aber: „Ich hatte und habe immer ganz wunderbare Menschen um mich, denen ich schon früh die Lizenz zum Gesäßtritt erteilt habe“, erklärt er schmunzelnd. Von der Familie über Freunde, Profs und Kommilitonen bis hin zum Pflegeteam: Sie alle motivieren ihn, geben ihm mentale Kraft und aktivieren seine Resilienz. Aber es gehöre auch dazu, einmal allein zu sein oder in der Natur Ruhe zu finden. Und nicht zuletzt sei es für ihn eine große Erfüllung, in seinem Traumberuf als Schauspieler zu arbeiten. Dies wünscht er auch allen anderen Menschen, die in eine ähnliche Situation wie er geraten. „Das Leben ist gar nicht so arm an Möglichkeiten. Ich hoffe für jeden, dass er eine Aufgabe findet, die ihn glücklich macht.“

Mutmacher im Rollstuhl

Samuel Koch, Jahrgang 1987, hat Schauspiel in ­Hannover studiert. Nach einem Unfall in der Sendung „Wetten, dass..?“ ist er seit 2010 vom Hals abwärts gelähmt. Heute gehört der gebürtige Rheinland-Pfälzer zum Ensemble am Nationaltheater Mannheim und war in TV-Produktionen sowie Kinofilmen zu sehen. Zurzeit arbeitet er an seiner „Schwerelos-Tour“, die im Mai 2023 starten soll. Darüber hinaus ist Samuel Koch ein gefragter Redner, hat mehrere Bücher veröffentlicht und unterstützt karitative Einrichtungen. Sein Verein „Samuel Koch und Freunde e.V.“ will Menschen helfen, die Angehörige pflegen und anderen Menschen zur Seite stehen. Mehr zu Samuel Koch und seinem Verein auf: www.samuel-koch.com

Bilder: Bauerfeind/Andreas Wetzel

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