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Kniestabilität Innere Stärke durch äußere Kraft

Ausgabe 01/2013

Kein Gelenk ist individueller ausgeprägt als das Knie. Bei Verletzungen treten die Eigenheiten deutlich zu­tage. Heilungsprozesse verlaufen höchst unterschiedlich. Die Komplexität der Vorgänge im und am Knie lässt Kreuzbandrupturen kaum „isoliert“ erscheinen. Einer bestimmten Phase gebührt maximale Aufmerksamkeit: der postoperativen Nachbehandlung. Bei Knieverletzungen mit Instabilitäten sind Art und Dauer der Folgemaßnahmen entscheidend für Wohl und Wehe des Patienten. Knieumfassende, weiche Strukturen rücken in den Mittelpunkt der Orthesenbehandlung. Die SofTec Genu von Bauerfeind bietet eine breite Klaviatur an Möglichkeiten.

Dr. med. Daniel Wagner, Oberarzt an der Sportklinik Stuttgart.
Dr. med. Daniel Wagner, Oberarzt an der Sportklinik Stuttgart.

Jetzt hat das Fußballerschicksal auch ihn getroffen. Nicht weiter verwunderlich, angesichts der Häufigkeit , mit der es zuschlägt. In gesundem Zustand kickt Alfonso Lavorato als typischer Freizeitsportler in einem Verein in der Nähe von Stuttgart. Ein Fußballer, wie es ihn in Deutschland millionenmal gibt. Und alle hoffen sie, um das eine, traumatische Ereignis herumzukommen: den Riss des Kreuzbands. Alfonso Lavorato hatte Pech. Die Fußballschuhe muss der Hobbysportler erst einmal in der Ecke lassen. „Ruptur des vorderen Bands mit größerem Einriss des Meniskus“, lautete die Diagnose am für ihn letzten Spieltag. Vier Wochen ist das her, vor zwei Tagen erhielt der Knieverletzte in der Sportklinik Stuttgart eine Kreuzbandplastik. Heute sitzt der junge Italiener schon wieder optimistisch dreinblickend im Sessel und gibt Interviews. Anders als bei den Berühmtheiten aus der Bundesliga geht es bei den Fragen nicht um Karriere oder verpasste Meisterschaft , sondern um die medizinische Prognose. Wie sind die Aussichten der anstehenden frühfunktionellen Nachbehandlung? Was ist mit der Stabilität des Knies? Dem Rekonvaleszenten stehen Dr. med. Daniel Wagner und Steffen Gehrung zur Seite.

Für ein gutes Ergebnis sind bei einer operativen Therapie sowohl die korrekt durchgeführte Operation als auch eine gezielte, fundierte Nachbehandlung entscheidend.“
(Dr. med. Daniel Wagner)

Der eine ist Oberarzt an der Sportklinik Stuttgart für den Bereich untere Extremitäten, der andere Orthopädietechnikermeister des Sanitätshauses Günter Gehrung in Ostfildern. Die drei machen einen ausgesprochen aufgeräumten Eindruck. Ähnliches ließe sich, bei allem Respekt , auch über die Situation an Alfonso Lavoratos Knie sagen.

„SofTec Genu kann durch den propriozeptiven Input die Sensomotorik verbessern“

Ins Auge springt die schwarz-blaue Orthese, die mit ihrer zentralen Pelottenaussparung exakt auf der Kniescheibe des Patienten sitzt. Gleich soll mit der angelegten SofTec Genu die erste Physiotherapieeinheit stattfinden. „Die Orthese schützt das Gelenk in dieser Phase der Rehabilitation, indem sie die Beugung des Knies limitiert“, erläutert Steffen Gehrung. „Sie stabilisiert von außen und unterstützt die Abschwellung durch die Kompression des Gestricks, ein Vorteil im Vergleich zu einer Hartrahmenorthese.“
Alles Effekte, auf die Dr. Wagner baut: „­Direkt nach dem Eingriff wollen wir natürlich unser Operationsergebnis gesichert sehen“, so der Orthopäde. „Neben der Kreuzband­plastik haben wir den Meniskusriss genäht“, führt er aus. Beide Verletzungen zusammen seien eine klare Indikation für die Operation. „Bei der Entscheidungsfindung für die geeignete Therapie sind zahlreiche Faktoren zu berücksichtigen“, so der Arzt. Für ein gutes Ergebnis seien bei einer operativen Therapie sowohl die korrekt durchgeführte Operation als auch eine gezielte, fundierte Nachbehandlung entscheidend, betont Dr. Wagner. Ein zu großer Stress auf das Transplantat muss verhindert werden, um eine funktionsfähige Kreuzbandplastik zu gewährleisten. Zusätzlich ist die aktive Stabilisierung der Muskulatur wichtig. Verletzte Körperregionen sind nach Ruhigstellung in ihrer Funk­tion eingeschränkt. Verminderte konditionelle und koordinative Muskelfunktionen reduzieren den aktiven Gelenkschutz. „Die Orthese SofTec Genu kann durch den propriozeptiven Input die Sensomotorik verbessern“, so der Arzt. „Dadurch können eventuell auch Muskelaktivität und Muskel­aufbau unterstützt werden.“

Steffen Gehrung, Sanitätshaus Günter Gehrung, Ostfildern.
Steffen Gehrung, Sanitätshaus Günter Gehrung, Ostfildern.

Hohe Schlagzahl braucht Spitzenprodukte

Dass die multifunktionale Knieorthese von Bauerfeind auch innerhalb eines konservativen Therapieregimes das Gelenk wirksam stabilisiert – sogar besser als andere Orthesen –, konnte in einer Untersuchung gezeigt werden (G. Strutzenberger et al., s. Ref.). Steffen Gehrung, der neben dem Sanitätshaus regelmäßig in der Sportklinik als verlässliches Bindeglied zwischen Arzt und Patient fungiert , weist auf die Einzelfunktionen hin, die in der Summe ihre Wirkung entfalten: „Durch die eingearbeiteten Silikonpelotten erzielen wir, zusätzlich zur Förderung der Propriozeption, einen sanften Massageeffekt“, erklärt der Orthopädietechnikermeister. „Ganz wichtig ist die korrekte Lage der Orthese genau auf der Patella. Später, wenn der Patient sein Knie durchbewegen kann, wird die Einstellung auf den genauen Knie­gelenksdrehpunkt vorgenommen.“ Alfonso Lavorato hört genau zu. Demnächst wird er die Orthese selbst anlegen.

Die SofTec Genu stabilisiert von außen und unterstützt die Abschwellung durch die Kompression des Gestricks.“
(Steffen Gehrung)

Zwei Tage nach seiner Kreuzbandplastik probiert der Patient die Softec Genu an. Orthopädietechnikermeister und Oberarzt begutachten den Sitz der Multifunktionsorthese.
Zwei Tage nach seiner Kreuzbandplastik probiert der Patient die Softec Genu an. Orthopädietechnikermeister und Oberarzt begutachten den Sitz der Multifunktionsorthese.

Bei Problemen kann er jederzeit die Hilfe von Steffen Gehrung in Anspruch nehmen. „Die Tatsache, dass er regelmäßig bei uns in der Klinik ist , hilft uns außerordentlich“, freut sich der Oberarzt. „Er informiert in der kurzen Aufenthaltszeit der Patienten über die Hilfsmittel , passt sie an, wenn nötig, und hat immer einen aufmerksamen Blick.“ Rund 600 Kreuzbandopera­tionen pro Jahr inklusive Revisionschirurgie werden in dem Stuttgarter Haus, der größten nichtuniversitären Sportklinik Deutschlands, vorgenommen. Hinzu kommt eine größere Zahl von Patellaluxationen, die postoperativ oft ebenfalls mit der SofTec Genu nachbehandelt werden. Die Verweildauer der Patienten, zu denen viele Spitzensportler gehören, liegt bei circa vier Tagen. „Eine hohe Schlagzahl“, findet Dr. Wagner. „Das Pensum ist nur mit den besten Hilfsmitteln zu bewältigen. Nicht nur Spitzensportler benötigen Spitzenprodukte.“


Ref.: G. Strutzenberger, M. Braig, S. Sell , H. Schwameder: Vortrag Kongress der Vereinigung Süddeutscher Orthopäden und Unfallchirurgen (VSOU), Baden-Baden, 2011: „Wirkung verschiedener Orthesentypen auf die passive Instabilität , die Stabilisierungsfähigkeit und die Kraft von Patienten mit nicht operativ versorgter vorderer Kreuzbandruptur“.

Bilder: synto/Fotolia.com, Stefan Durstewitz