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Klinische Studie zu VenoTrain angioflow Effektiv und sicher

Ausgabe 03/2018

Kompressionstherapie bei einem Venenleiden und eine beginnende periphere arterielle Verschlusskrankheit müssen sich nicht automatisch ausschließen. Überzeugungsarbeit leistet eine aktuelle klinische Studie zum Kompressionsstrumpf VenoTrain angioflow am Venen­zentrum der Ruhr-Universität Bochum.

Mit einem herzlichen Händedruck begrüßt Prof. Dr. med. Markus Stücker seine Patientin Helene KerbeR1, die zu einem Untersuchungstermin in die Klinik gekommen ist. „Frau Kerber ist eine typische Patientin, die vom Kompressionsstrumpf VenoTrain angioflow profitieren könnte“, ist sich der leitende Arzt am Venenzentrum der dermatologischen und gefäßchirurgischen Kliniken der Ruhr-Universität Bochum sicher. Die 83-Jährige hat beidseits eine chronisch-venöse Insuffizienz (CVI), CEAP-Klassifikation C3, und eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) im Stadium IIb nach Fontaine. „Eine Kombination von CVI und PAVK ist gar nicht so selten, insbesondere mit zunehmendem Alter“, erklärt Prof. Stücker. Bereits jeder sechste Mann und jede fünfte Frau hat nach Ergebnissen der Bonner Venenstudie eine chronische Veneninsuffizienz2. Bei über 60-Jährigen geht man geschlechtsunabhängig von einer PAVK-Prävalenz von etwa 20 Prozent aus. Obwohl Frauen und Männer ähnlich oft betroffen sind, kommen mehr Frauen zu Prof. Stücker ins Venenzentrum. „Bei Männern wird eine CVI erst relativ spät symptomatisch. Ein Venenleiden führt bei einer Frau viel schneller zu einer Schwellneigung als beim Mann, da gibt es einfach geschlechtsspezifische Unterschiede. Die Männer gehen meist erst zum Arzt , wenn bereits ein schwereres Stadium einer CVI, oft mit Hautkomplikationen, vorliegt.“

Mut zur Kompression

Wichtiger Parameter: Der systolische Großzehenarteriendruck wird gemessen.
Wichtiger Parameter: Der systolische Großzehenarteriendruck wird gemessen.

Über die therapeutische Vorgehensweise bei einem gemischten Krankheitsbild aus chronischer Veneninsuffizienz und peripherer arterieller Verschlusskrankheit herrscht bei vielen Medizinern noch Unsicherheit. „Auch weil im Kontraindikationskatalog bei der Kompressionstherapie die PAVK aufgeführt ist“, so Prof. Stücker. „Dort steht zwar explizit , dass es sich um eine ‚relative‘ Kontraindikation handelt. Aber das führt trotzdem oft dazu, dass viele Ärzte lieber keine Kompression anwenden – und das ist sicher nicht berechtigt.“ Denn so wird etlichen Patienten eine wirksame Therapie vorenthalten. „Relative Kontraindikation heißt ja nur, bitte Vorsicht bei dieser Kombination. Das wird häufig missverstanden“, macht der Klinikdirektor noch einmal deutlich. „Hier dürften viele Kollegen gerne etwas mutiger sein.“
Liegt eine Kombi-Erkrankung vor, gelte es, differenziert zu prüfen, wie stark die PAVK ausgeprägt ist. Bei welchem Wert liegt der Knöchel-Arm-Index? Wie hoch ist der absolute Knöchelarteriendruck? Wie stark sind die klinischen Symptome? Ist die Gehstrecke des Patienten nur geringfügig oder bereits stark eingeschränkt? Wie schnell haben sich die Beschwerden entwickelt? „Klinik und Diagnostik führen dann oft zu dem Ergebnis, dass eine Kompression sinnvoll ist“, so Prof. Stücker. Bislang erfolgte diese dann meist mit einem Kompressionsstrumpf Ccl 1. „Mit dem VenoTrain angio­flow haben wir jetzt eine sehr gute neue Therapieoption“, fügt Prof. Stücker an. Aufgrund seiner Kombination aus niedrigem Ruhe- und hohem Arbeitsdruck kann der Kompressionsstrumpf auch bei Patienten mit beginnender PAVK zur Therapie der chronisch-venösen Insuffizienz eingesetzt werden. Das gilt für Patienten mit einem Knöchel-Arm-Index (ABI) zwischen 0,5 und 0,9 sowie einem Knöchelarteriendruck von mindestens 60 mmHg.

Klinische Studie bestätigt Sicherheit

Prof. Stücker konnte mit VenoTrain angioflow eine signifikante Reduktion venöser Symptome feststellen.
Prof. Stücker konnte mit VenoTrain angioflow eine signifikante Reduktion venöser Symptome feststellen.

„Ob dieser Strumpf dazu geeignet ist , CVI-Patienten mit der relativen Kontraindikation beginnende PAVK sicher und effektiv zu versorgen, wollten wir mit einer klinischen Studie genauer untersuchen“, erklärt Prof. Stücker. Rekrutiert wurden Patienten aus der ambulanten Sprechstunde des Venenzentrums mit einer CVI im Stadium C3 bis C5 und einer leichten PAVK (ABI < 0,9 und > 0,5 sowie Knöchelarteriendruck > 60 mmHg).
Für die Studie trugen die Patienten über zwei Wochen mindestens sechs Stunden täglich den VenoTrain angioflow am erkrankten Bein. Bislang sind die Studiendaten von 30 Patienten ausgewertet. „Das wichtigste Ergebnis ist , dass der systolische Großzehenarteriendruck unter dem Tragen des VenoTrain angioflow nicht relevant absank. Tatsächlich war sogar im Verlauf der Studie eine Zunahme der peripheren arteriellen Perfusion zu beobachten“, hebt Prof. Stücker hervor. „Gerade bei Patienten mit arterieller Verschlusskrankheit ist es ja entscheidend, dass es durch das Kompressionsmittel nicht noch zu einer weiteren Reduktion des arteriellen Drucks kommt. Die Messwerte zeigen, dass es bei der ausgewählten Patientenklientel kein Gefährdungspotenzial gibt. Der VenoTrain angioflow ist sicher. Und nicht nur das: Er erfüllt auch seinen Zweck.“ So konnte das Bochumer Studienteam zeigen, dass der VenoTrain angioflow zu einer signifikanten Ödemreduktion am Unterschenkel führte. „Tendenziell kam es unter dem Tragen des Strumpfs zu einer Abnahme des Ödems. Die mit dem Messsystem Bodytronic 600 dokumentierte Volumenreduktion am Unterschenkel lag im Mittel bei fast 100 Millilitern, also vergleichbar mit anderen Studien zu Kompressionsstrümpfen“, präzisiert Prof. Stücker.

Tragekomfort und Anziehverhalten sind gut

Strumpfvermessung mit Bodytronic 600.

„Für eine sichere und effektive Therapie der CVI bei beginnender PAVK muss der Kompressionsstrumpf einen geringen Ruhedruck und einen hohen Arbeitsdruck aufweisen. Dann kommt es während des Tragens zu dem gewünschten Massageeffekt und einer verbesserten venösen Pumpfunktion, welche die Beine wirksam entstaut“, so der Klinikdirektor. Der hohe Arbeitsdruck bedeutet zugleich eine höhere Steifigkeit (Stiffness) des Kompressionsgestricks. „Das bringt neben dem therapiewirksamen Massageeffekt den Vorteil , dass der Strumpf nicht so leicht einschneidet. Allerdings könnte man vermuten, dass eine recht hohe Stiffness mit einem schlechteren Anziehverhalten einhergeht. Aber das ist definitiv nicht der Fall.“ Trotz des relativ kurzzugelastischen Materials kamen die Probanden selbst oder die Angehörigen, die den Strumpf anlegten, gut mit dem An- und Ausziehen zurecht. Das bestätigten auch die Studienassistentinnen, die das Anziehen des medizinischen Kompressionsstrumpfs (MKS) beobachteten. Der Grund hierfür ist , dass VenoTrain angio­flow „konturgestrickt“ wird: Dafür muss das Bein zunächst mit Bodytronic 600 digital vermessen werden. Die Vielzahl der Messpunkte fließt anschließend in das Strickprogramm ein. Der fertige Strumpf wird so der Kontur des Beins exakt angepasst , sitzt wie eine zweite Haut und lässt sich leicht anlegen. Schließlich empfanden die Studienteilnehmer den VenoTrain angioflow als sehr angenehm zu tragen. „Diesbezüglich ist vielleicht interessant , dass viele der Patienten schon einmal Kompressionsstrümpfe getragen haben, was ihre Bewertung des Tragekomforts noch aussagekräftiger macht.“
Für den VenoTrain angioflow sieht Prof. Stücker ein großes Potenzial: „Die Patientenklientel ist da. Aufgrund seines geringen Ruhedrucks – und insbesondere des niedrigen Drucks im Fußbereich – ist man mit dem VenoTrain angioflow auch bei einer beginnenden PAVK auf der sicheren Seite. Trotzdem sind natürlich klinische Kontrollen bei der Kombination von CVI und PAVK sowie gegebenenfalls erneute Bestimmungen des Knöchel-Arm-Indexes sinnvoll.“
Bei Helene Kerber sind die Voruntersuchungen mittlerweile abgeschlossen und die Eingangsvermutung hat sich bestätigt: Für seine 83-jährige Patientin hat Prof. Stücker bereits ein Rezept für den VenoTrain angio­flow ausgestellt.

Für ein wirksames Konturgestrick

Exaktes Anmessen mit Bodytronic 600 und 610

VenoTrain angioflow ist ein Maßstrumpf, der wegen seiner besonderen Eigenschaften exakt passen muss. Deshalb sind für diesen Strumpf mehr Messpunkte notwendig als beim Anmessen eines herkömmlichen Kompressionsstrumpfs. Für eine bestmögliche Passgenauigkeit sollte das Anmessen des VenoTrain angioflow mit den digitalen Messsystemen Bodytronic 600 oder 610 erfolgen. Die Systeme ermitteln automatisch mehrere Hundert Messpunkte entlang des Beins und erstellen ein exaktes 3D-Abbild. Auf dieser Messgrundlage kann der VenoTrain angioflow so gestrickt werden, dass er exakt die Kontur des Beins abbildet. Steht kein digitales Messsystem zur Verfügung, sind bei der Vermessung mit dem Maßband zusätzliche Messpunkte aufzunehmen.

 

1 Name von der Redaktion geändert.
2 Rabe E., Pannier-Fischer F., Bromen K., Schuldt K., Stang A., Poncar Ch., Wittenhorst M., Bock E., Weber S., Jöckel KH. Bonner Venenstudie der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie. Epidemiologische Untersuchung zur Frage der Häufigkeit und Ausprägung von chronischen Venenkrankheiten in der städtischen und ländlichen Wohnbevölkerung. Phlebologie 2003; 32: 1–14.

Bilder: Michael Bause (4), Bauerfeind


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