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Klinische Studie mit Spinova Osteo „Wir wollen die erreichbare Mobilisation objektivieren“

Ausgabe 01/2019

Eine aufwendige Studie an der Uniklinik Bonn zur Wirkung der Rückenorthese Spinova Osteo wird unter anderem von dem Wirbelsäulenchirurgen Dr. med. Yorck Rommelspacher geleitet1. Mit modernsten Methoden untersucht er gemeinsam mit Sportmedizinern die Aktivität von Patienten nach einer Kyphoplastie.

Dr. med. Yorck Rommelspacher, Leitender Arzt Wirbelsäulenchirurgie am Krankenhaus der Augustinerinnen, Köln.

Bauerfeind life: Wie ist die Sicht eines Chirurgen auf Osteoporose?

Dr. Rommelspacher: Es ist ein Dauerthema. Jede zweite Frau ab 75 ist betroffen. Meist kommen die Patienten, wenn es zu spät , der Bruch schon passiert ist. Bereits ein nichtadäquates Trauma kann zu einer Fraktur führen. Die Wahrscheinlichkeit , eine weitere Fraktur zu erleiden, ist um das Dreifache erhöht , nach dem zweiten Bruch um das Zehnfache! Trotz allem ist Osteoporose in der Medizin unterrepräsentiert. Wir brauchen mehr Aufmerksamkeit , wir brauchen mehr Netzwerke, wie etwa das in Köln, und wir brauchen mehr Studien auf höchstem wissenschaftlichen Niveau mit hohem Evidenzgrad.

Ein Jahr lang messen und analysieren Sie jetzt das postoperative Bewegungsverhalten bei 80 Osteoporose-Patienten mit und ohne Rückenorthese. Warum?

Dr. Rommelspacher: Zu der großangelegten Untersuchung hat uns eine Vorstudie geführt2. In dieser konnten wir zeigen, dass bestimmte Orthesen neben der Stabilisierung der Patienten auch mobilisieren können. In der laufenden, randomisierten und prospektiven Studie wollen wir diese erreichbare Mobilisation mit entsprechenden Parametern eindeutig objektivieren. Dazu werden Patienten rekrutiert , die nach einer Kyphoplastie mit einer Spinova Osteo versorgt wurden.

Was ist das Besondere bei Kyphoplastie-Patienten?

Dr. Rommelspacher: Die Kyphoplastie, ein minimalinvasives Verfahren zur Therapie von Wirbelfrakturen, ist in erster Linie eine Schmerztherapie. Sie kann auch den weiteren Einbruch des Wirbelkörpers verhindern. Generell führen wir den Eingriff unabhängig vom Osteoporose-Fortschritt durch. Der konservative Therapiegedanke steht zwar im Vordergrund, wir wissen aber, dass bestimmte, oft ältere Schmerzpatienten von der Kyphoplastie besonders stark und schnell profitieren. Diese Patienten, meist ängstlich und wenig beweglich, haben auch von einer aufrichtenden und stabilisierenden Orthese den meisten Benefit.

Inwiefern?

Dr. Rommelspacher: Unsere Studienhypothese ist , dass die Spinova Osteo eine generelle Sicherheit bei ihren Trägern bewirkt. Zugleich schiebt die Orthese auch deren Mobilisation an und fördert sie. Gerade Osteoporose-Patienten, die schon Rezidivfrakturen erlitten haben, fassen mit dieser Hilfe oft überhaupt erst wieder Mut , sich zu bewegen. Und zwar so, dass sich die Muskulatur und dadurch auch die Knochen stärken können. Darauf kommt es an. Genau dieses In-Gang-Kommen wollen wir nachweisen. Und: Können wir bei älteren Patienten mit der Spinova Osteo vielleicht noch eine zusätzliche Mobilisierung erreichen?

Spinova Osteo leitet die aufrichtende Kraft durch ihr Zuggurtsystem über die Schultern ein. Im Bild: Probandin mit Jamil Hmida, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Uniklinik Bonn.

Wie können Sie das untersuchen?

Dr. Rommelspacher: Beispielsweise mit dem sogenannten Stand-up-and-go-Test , ein Verfahren, das die Zeitspanne zwischen dem Aufstehen und dem Gehen misst. Diese charakteristische Anlaufzeit besitzt eine hohe Aussagekraft. Auch Treppensteigen oder geriatrische Tests geben uns Aufschluss über den Grad der Mobilisation. Quantifizieren können wir diese Parameter mit Bewegungstrackern am Handgelenk und mit Schrittzählern. Auch subjektive Parameter fließen in die Gesamtauswertung mit ein, etwa die Beantwortung bestimmter Fragebögen anhand von etablierten Scores.

Was erwarten Sie von der Studie?

Dr. Rommelspacher: Erwartungen sind in der Wissenschaft selten hilfreich. Wir gehen, nach allem, was wir bisher gesehen haben, von der Hypothese aus, dass die Spinova Osteo Mobilisation fördert. Unabhängig vom Ergebnis aber steht fest , dass durch unsere Untersuchung die dringend verbesserungswürdige Studienlage zur leitliniengerechten Behandlung von Osteoporose-Patienten erweitert wird.

1 Seit Oktober 2018 leitet Dr. Rommelspacher die Wirbelsäulenchirurgie im Severinsklösterchen des Krankenhauses der Augustinerinnen in Köln. Die Studie wird gemeinsam mit Prof. Dr. med. Robert Pflugmacher, ltd. Oberarzt der Wirbelsäulenorthopädie des UK Bonn, und dem Leiter der Sportmedizin der Uni Wuppertal , Professor Dr. med. Dr. Thomas Hilberg, durchgeführt.
2 Dr. med. Yorck Rommelspacher: Wirksamkeit der Rückenorthese Spinova Support Plus bei der postoperativen Versorgung von segmentalen Spondylodesen degenerativer LWS-Erkrankungen. Bauerfeind life Magazin, 2/2017.

 

Bilder: Michael Bause


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