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Interview mit Stefan Bieringer „Wir müssen unserem beruflichen Nachwuchs Perspektiven bieten“

Ausgabe 03/2014

Die Stellenanzeigen am Schwarzen Brett sowie entsprechende Diskussionen mit Betriebsinhabern sind für Stefan Bieringer, Direktor der Bundesfachschule für Orthopädie-Technik (BUFA) in Dortmund, deutliche Zeichen: Der Fachkräftemangel ist in den Sanitätshäusern ein Thema.

Stefan Bieringer , Direktor der Bundesfachschule für Orthopädie-Technik (BUFA).
Stefan Bieringer , Direktor der Bundesfachschule für Orthopädie-Technik (BUFA).

Woraus resultiert der aktuelle Fachkräftemangel?
Stefan Bieringer: Zum einen steigt der Bedarf durch die Spezialisierung in den Betrieben. Zum anderen macht sich gerade in der Ausbildung der demografische Wandel bemerkbar und zusätzlich verzeichnen wir folgende Entwicklung: Die Berufseinsteiger suchen verstärkt Ausbildungen in Studiengängen. Daher muss unsere Branche die möglichen Berufsbilder und vor allem auch die darin enthaltenen Perspektiven noch deutlicher machen. Es gibt bereits sehr positive Beispiele dafür, dass Unternehmen mit Schulen vor Ort kooperieren und Interessierte schon in der Schule fürs Praktikum abholen. Generell ist in unserer Branche ein Wandel in der Wahrnehmung erforderlich: Wir müssen unserem beruflichen Nachwuchs auch entsprechende Perspektiven bieten.

Und hierzu tragen Sie z. B. mit dem Sanitätsfachverkäufertraining für Quer- und Berufseinsteiger bei.
Stefan Bieringer: Genau. Eine solide Ausbildung im Einzelhandel allein reicht für Sanitätsfachverkäufer heute nicht mehr aus. Die Anforderungen an das Fachwissen sind durch die Spezialisierung der Häuser, die immer komplexeren Produkte, aber auch durch die teils sehr gut vorinformierten Kunden gestiegen. Im Beratungsverkauf braucht man mittlerweile sehr viel , teils medizinisch-therapeutisches Detailwissen, darf aber auch den Gesamtzusammenhang nicht aus den Augen verlieren. Bei unserer Fortbildung ist uns daher vor allem wichtig zu vermitteln, dass die einzelnen Hilfsmittel stets in ein Therapiekonzept eingebunden sind.

Aber wozu soll sich eine Fachverkäuferin mit Spezialwissen wie etwa Blauabdruck und Pedografie beschäftigen, um nur einen der Schulungsinhalte anzusprechen?
Stefan Bieringer: An diesem Beispiel erkennt man den Kerngedanken der Fortbildung. Wir wollen den Fachkräften Perspektiven aufzeigen, damit sie bei ihrer Beratung dem Patienten das Produkt in dessen therapeutischem Kontext erklären können. Das Sanitätshaus zeichnet sich als hochqualifiziertes Fachgeschäft aus. Es geht um Gesundheit und Medizinprodukte. Und es geht eben auch darum, dem Menschen das für ihn richtige Hilfsmittel zu verkaufen. Da kann durchaus auch eine Individualanfertigung notwendig sein. Daher muss die beratende Fachverkäuferin wissen, was über das Produkt am Tresen hinaus überhaupt möglich ist.

Was zeichnet dieses Training noch aus?
Stefan Bieringer: Die starke praktische Komponente. So ist für uns ganz wesentlich, dass die Mitarbeiterinnen auch im Umgang mit den Patienten geschult werden. Es ist ja beispielsweise nicht selbstverständlich, dass man beim Kunden eine Taille sucht und da ein Maßband rumlegt. Da musste manche Teilnehmerin erst mal eine Hemmschwelle überwinden. Nur wenn Messvorgang und Anprobe korrekt durchgeführt werden, kann das Hilfsmittel auch richtig funktionieren.


Bilder: Bauerfeind, privat