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Diagnostik verfeinern „Dynamik schlägt Statik“

Ausgabe 01/2021

Von 100 auf 1.000 Analysen im Jahr – 2011 startete Christopher Mayer bei Schneider & Piecha mit dem Zentrum für Bewegungsanalytik. Heute reicht sein Kundenstamm vom Kleinkind mit orthopädischen Defiziten bis zum Leistungssportler.

life: Im November feiert das Zentrum für Bewegungsanalytik zehn Jahre Jubiläum. Welche Geschichte steht dahinter?

Christopher Mayer: Schon in meiner Ausbildung zum Orthopädietechniker habe ich mich intensiv mit Biomechanik befasst und als Sportler – Triathlon in der Mittel- bis Langdistanz – bin ich von Haus aus an der Optimierung von Bewegungsabläufen interessiert. Nach der Meisterschule wollte ich mich spezialisieren – mit dem Ziel, bei Schneider & Piecha das Angebot für Prävention und Schmerztherapie auszuweiten.

Was brauchte es, um das zum Laufen zu bringen?

Christopher Mayer: Die Räume hatten wir, mussten sie aber umbauen für Laufband, Kamera und später die Gangstrecke. Dazu die Software für die biomechanischen Analysen. Mein Kommilitone Marcel Kempf, auch Bewegungsanalytiker, kam mit dazu und entwickelte das Trainingsangebot. Unsere Mitarbeiter haben sich von Anfang an mit engagiert und wir haben nach Bedarf weitergebildet.
Aber es brauchte Durchhaltevermögen. Am Anfang war die Nachfrage gering, welcher Sportler geht denn schon in ein Sanitätshaus? Zuerst haben wir vielleicht 100 Bewegungsanalysen im Jahr gemacht, heute sind wir bei knapp 1.000. Das verteilt sich halbe-halbe auf Lauf- und Gangstrecke.
Dazu kommt jetzt noch das Bikefitting, also das Anpassen von Fahrrad und Fahrer. Dafür haben wir mit unserem Partner Jens Machacek einen eigenen Raum mit entsprechender Technik eingerichtet. Sechs bis acht Wochen Vorlauf für Termine zeigen uns, dass die Nachfrage da ist.

Damit haben Sie einen Kundenkreis, der für den Sanitätsfachhandel etwas untypisch ist …

Christopher Mayer: Ja, ich würde sogar sagen, dass wir über den klassischen Sanitätsfachhandel hinausdenken, die Orthopädietechnik hat weit mehr zu bieten als Prothetik und Orthetik. Wir haben vom Freizeit- bis zum Profisport in allen Altersklassen Expertise und bereiten aktuell einige Radprofis auf die Olympischen Spiele in Tokio vor. Alles in allem betreuen wir zu 60 Prozent Patienten mit orthopädischen Fragestellungen und zu 40 Prozent aus dem Sport.

Wie haben Sie Ihre Zielgruppen für Bewegungsanalytik gefunden und angesprochen?

Christopher Mayer: Richtig bekannt geworden sind wir durch Mundpropaganda und vor allem waren und sind soziale Netzwerke ausschlaggebend, gerade im Sport. Wir waren auf Messen vertreten. Und natürlich arbeiten wir in engem Austausch mit Ärzten und Physiotherapeuten zusammen. Das Patienteninteresse ist generell da und nimmt zu. Oft ergibt sich aus der Beratung, wenn ein Kunde mit Einlagenrezept kommt, dass gleich ein Termin für die Bewegungsanalytik gemacht wird, denn: Dynamik schlägt Statik.

Welche Resonanz bekommen Sie von Ärzten?

Christopher Mayer: Unser Leistungsumfang ist einzigartig in der Region und Ärzte nutzen ihn mitunter gern für eine erweiterte Diagnostik. Bei unauffälliger Bildgebung raten sie einigen Patienten zu einem biomechanischen Check und bekommen von uns anschließend einen Bericht, der bei der Ursachensuche hilfreich sein kann. Wir betrachten die muskuläre Situation, schauen auf Beinachse und Fußachse und geben Arzt und Patient unsere Empfehlung, ob eine physiotherapeutische Maßnahme, ein spezielles Training oder ein Hilfsmittel sinnvoll sein könnten.

Welche Vorteile bringt das Zentrum für Bewegungsanalytik dem Gesamtunternehmen?

Christopher Mayer: Die hochwertige Mess- und Analysetechnik ist so wichtig, weil sie uns mehr Zeit für den Patienten und die Beratung lässt. Zentral ist für uns auch die Verlaufskontrolle, darauf baut die Kundenbindung auf. Sechs Wochen nach der Diagnostik gibt es eine Nachkontrolle: Wie ist es mit den Schmerzen, schlägt die Versorgung an, ist der Kunde zufrieden? Und nach sechs Monaten machen wir die Endkontrolle. Daraus kann sich ein neuer Hilfsmittelbedarf ergeben, muss aber nicht. Meistens sehen wir unsere Kunden zu einer Nachversorgung wieder, wir haben Kunden, die seit zehn Jahren zu uns kommen.

Wie wirkt sich Ihr Angebot auf die Compliance aus?

Christopher Mayer: Wir schaffen bei der Versorgung ein zeitgemäßes Rundumprogramm, das von Kunden gerne in Anspruch genommen wird und überzeugt. Gerade bei größeren Orthesen erschrecken auch manche zunächst. Aber wenn die Analyse eine messbare Verbesserung zeigen kann, steigen das Vertrauen und die Compliance. Was wir bei den Nachkontrollen auch deutlich sehen.

 

Bild: Michael Bause


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