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Innovationstalk mit Dr. Frederik G. Pferdt Öfter mal was Neues

Ausgabe 01/2020

Auf dem Bauerfeind-Branchenforum plädierte Dr. Frederik G. Pferdt dafür, häufiger neue Ideen auszuprobieren. Im Interview mit life erklärt Googles „Chief Innovation Evangelist“ und Adjunct Professor an der Stanford University, wie man Mitarbeiter ermutigt , aus der Routine auszubrechen, und warum dafür mehr nötig ist als eine Kaffeemaschine und ein Tischkicker.

Dr. Frederik G. Pferdt erklärte, warum Diversität in der Belegschaft Unternehmen hilft , innovativ zu sein.

Bauerfeind life: Sie kommen sehr viel rum in der Welt. Gibt es Nationalitäten, die offener für Innovationen sind als andere?

Dr. Pferdt: Interessanterweise nein. Man sieht immer ähnliche Denkmuster. Beispielsweise etwas, was wir „Unconscious Bias“ nennen. Also, dass wir Menschen sehr schnell in Schubladen einordnen. Das hilft uns natürlich einerseits, Entscheidungen zu treffen. Das hindert uns aber auch daran, offen und ein Stück weit inklusiver zu sein. Ein Beispiel: Wenn wir immer Menschen einstellen, die so aussehen, so sprechen und so denken wie wir, dann haben wir natürlich keine Chance, die Diversität in der eigenen Organisation zu fördern. Innovativ sein bedeutet , unterschiedliche Sichtweisen und Denkweisen einzubeziehen, Routinen aufzubrechen und Experimente zu wagen.

Experimentieren klingt gut. Doch was antworten Sie Unternehmerinnen und Unternehmern, die fragen: „Wenn meine Leute nur noch experimentieren und ausprobieren, wer macht dann die Arbeit?“

Dr. Pferdt: Wenn wir uns nicht dem Experimentieren hingeben und nichts Neues ausprobieren, dann lernen wir auch nicht. Und in einer Zeit , in der sich sehr viel sehr schnell wandelt , müssen wir immer schneller lernen. Manche sagen, Arbeit bedeutet nur das zu tun, von dem wir wissen, dass es auch funktioniert. Für mich bedeutet Arbeit , auch genau in das zu investieren, von dem wir noch nicht wissen, ob es funktioniert. Denn das hilft uns, Ideen und Lösungen für die Zukunft zu entwickeln.

„Wenn wir uns nicht dem Experimentieren hingeben und nichts Neues ausprobieren, dann lernen wir auch nicht.“

Dr. Frederik G. Pferdt

Was mache ich, wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter zu mir kommt und sagt: „Die Idee ist einfach Quatsch“? Wie reagiert man als Führungskraft optimal auf neue Ideen?

Dr. Pferdt: Keine Idee ist Quatsch. Denn aus jeder Idee kann man lernen. Zeigen Sie also Offenheit gepaart mit Optimismus. Jetzt gilt es, die Person zu ermutigen, die Idee einmal auszuprobieren, um dann herauszufinden, ob und wie sie tatsächlich funktioniert oder was daran (noch) nicht funktioniert. Denn das kann ja keiner wissen. Sie als Chefin oder Chef haben die Aufgabe, andere zu ermutigen und zu sagen: „Kommen Sie doch mal selber drauf, ob diese Idee funktioniert oder nicht funktioniert. Und dann sprechen wir wieder darüber.“

Auf dem Weg, ein innovativeres Unternehmen zu werden, investieren viele traditionelle Firmen in Kicker, Cappuccino-­Maschinen und Co. Hilft das?

Dr. Pferdt: Das sind für mich im Endeffekt Artefakte oder Symbole, die eine gewisse Signalwirkung haben und für eine bestimmte Unternehmenskultur sprechen können, aber nicht unbedingt müssen. Dadurch soll die Umgebung einladend wirken, etwas auszuprobieren. Es ist nicht falsch, in diese Dinge zu investieren. Allerdings muss mit diesen Objekten dann auch entsprechend umgegangen werden, um gewisse Werte im Unternehmen ins Leben zu rufen. Wenn etwa Kaffeemaschine und Kicker-Tisch nicht oder nur von einer bestimmten Personengruppe genutzt werden dürfen oder dafür bezahlt werden muss, dann sind das Widersprüche. Dann zeigt sich, dass die Werte des Unternehmens nicht mit dem übereinstimmen, was die Artefakte signalisieren. Ich glaube es ist wichtig, die Werte und die Symbole in Übereinstimmung zu bringen. Aber noch viel wichtiger ist es, eine Atmosphäre zu schaffen, in der jeder die eigene Meinung mit einbringen darf und in der respektvoll miteinander umgegangen wird. Und ob es dann noch zusätzlich einer coolen Lounge-Ecke oder Ähnlichem zur Unterstützung bedarf, können Sie entscheiden.

Innovativ sein bedeutet auch, sich von mancher Routine zu lösen. Wie wichtig ist Tradition?

Dr. Pferdt: Tradition ist sehr, sehr wichtig. Sie darf jedoch nicht verwechselt werden mit „nichts Neues machen“. Man sollte sich immer wieder auch der Leidenschaft hingeben, etwas Neues auszuprobieren. Aber man sollte sich auch seine Traditionen und das, was man daraus gelernt hat , immer wieder ins Bewusstsein rufen. Wir verwechseln Tradition oft mit Stillstand. Für mich ist Tradition ein Signal , dass man etwas richtig gemacht hat – oder auch mal etwas falsch gemacht hat. Aber stets, dass man daraus gelernt hat. Und dass man sich hoffentlich auch in Zukunft wieder mit Leidenschaft sagt: „Ich kann es kaum erwarten, etwas Neues anzugehen, um weiter zu lernen.“

„Wichtig ist es, eine Atmosphäre zu schaffen, in der jeder die eigene Meinung mit einbringen darf.“

Dr. Frederik G. Pferdt

Gibt es eine einfache Übung, wie man bei seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Mut zu Neuem wecken kann?

Dr. Pferdt: Beispielsweise indem man sie auffordert , schon im Alltag bekannte Pfade zu verlassen, etwas Neues zu wagen – etwa einen anderen Weg zur Arbeit , ein neues Restaurant oder einen neuen Denkansatz – und dann zu schauen, was für Emotionen dabei geweckt werden. Für viele ist Veränderung und Innovation mit Ängsten verbunden. Schmeckt mir das Essen in dem neuen Restaurant? Ist ein anderer Weg dann auch wirklich der schnellere? Ob dieser Ansatz zur Problemlösung wohl funktioniert? Es ist gut , sich diesen Ängsten zu stellen und darüber zu sprechen. Oft stellt man dann sehr schnell fest , dass sich die Ängste gar nicht bewahrheiten und dass man sogar ein Glücksgefühl verspürt , etwas Neues gewagt oder gelernt zu haben.
Hilfreich kann es auch sein, im nächsten Meeting mitzuteilen, dass und was man selbst Neues ausprobiert hat. Und schildert , welche Emotionen und Lerneffekte daraus resultierten. Denn durch dieses Vorbild kann man auch andere ermutigen zu folgen, selbst neue Wege einzu­schlagen.

Bilder: Bauerfeind


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