Bandagen·Knieschmerzen·Gonarthrose·Arthrose

Im Einsatz für mehr Evidenz

Studie zur Gonarthrose-Therapie mit GenuTrain A3

Von Bauerfeind Life am 26.02.2026

Gonarthrose zählt zu den häufigsten degenerativen Gelenkerkrankungen und gewinnt an Relevanz angesichts des demografischen Wandels und der zunehmenden Prävalenz von Übergewicht und Verletzungsraten im jungen Alter. Ein Forschungsteam am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) um den Bewegungswissenschaftler Dr. Bernd Stetter untersucht derzeit, ob die Kniebandage GenuTrain A3, ein Spezialmodell für die Behandlung bei Knorpelverschleiß, bereits in frühen Krankheitsstadien eine nachweisbare Entlastung bewirken kann.

„Wichtig ist, dass die Füße parallel auf dem Boden stehen und das auch bleiben, die Arme werden vor der Brust verschränkt. Nach meinem Startsignal stehen Sie wiederholt auf und setzen sich wieder, bis ich Stopp sage“, erklärt Til Becker, wissenschaftliche Hilfskraft am KIT, die Bewegungsaufgabe des Sit-to-Stand-Tests dem Probanden. „Sie sind bereit?“ Claus S.1 nickt und beginnt nach dem Signal, die Übung in seinem individuellen Tempo auszuführen. Die Abläufe sind ihm vertraut: In zwei vorangegangenen Testrunden vor vier beziehungsweise fünf Wochen hatte er diese und weitere Übungen in den Räumlichkeiten des KIT bereits absolviert.

Proband Claus S. mit Til Becker, wissenschaftliche Hilfskraft am KIT, beim Sit-to-Stand-Test zur Beurteilung der Kraft und Ausdauer der Beinmuskulatur. Der Test erfasst in einem definierten Zeitraum die Anzahl an Wiederholungen, von einem Stuhl ohne Unterstützung der Arme aufzustehen.

Mit der Erhebung der heutigen Daten schließt die Forschungsgruppe um Leiter Dr. Bernd Stetter die Untersuchungsphase ab. Für Claus S. folgen weitere Bewegungstests wie der Sechs-Minuten-Walking-Test, ein Einbeinsprung sowie Treppensteigen. „Diese Tests sind in der Arthrose-Forschung etabliert und erlauben, funktionelle Veränderungen über einen Zeitraum hinweg objektiv zu erfassen“, erläutert Claudia Seyler, ebenfalls wissenschaftliche Hilfskraft am KIT und für die Datenerhebung mitverantwortlich. Das Forschungsprojekt ist Thema ihrer Abschlussarbeit zum Master of Science der Sportwissenschaft.

Weiterer Test zur Kniestabilität: Beim Einbeinsprung springt der Proband auf einem Bein so weit wie möglich nach vorn und muss das Gleichgewicht für mindestens zwei Sekunden halten können. Gemessen wird die Differenz der Sprungweite zwischen dem betroffenen und dem gesunden Bein.

Umfassendes Studiendesign

Claus S. ist einer von 34 Probanden mit Gonarthrose, die an der prospektiven, einarmigen Längsschnittstudie teilnahmen. Nach einer Baseline-Erhebung (T0), bei der die funktionellen Tests ohne Bandage durchgeführt wurden, erfolgte in der Woche darauf die Versorgung mit der GenuTrain A3 von Bauerfeind (T1). Anschließend trugen die Teilnehmenden die Kniebandage vier Wochen lang im Alltag, bevor sie die Testreihe ein zweites Mal durchliefen (T2). In der Woche zwischen T0 und T1 sowie eine Woche vor T2 erfasste ein um den Rumpf getragener Sensor die Aktivität der Testpersonen. Ziel war es, Bewegungsmuster und -intensitäten im unversorgten und versorgten Zustand objektiv zu erfassen und vergleichbar zu machen. Ein zusätzlich in der Bandage integrierter Wärmesensor lieferte Informationen zum tatsächlichen Trageverhalten während der vierwöchigen Tragephase.

Ob und für wie lange die Bandage von den Probanden getragen wurde, dokumentierte ein Wärmesensor in der Gonarthrose-Bandage.

Über den gesamten Untersuchungszeitraum hinweg fand zudem eine kontinuierliche Erhebung subjektiver Daten statt. Einmal wöchentlich füllten die Teilnehmenden dafür den KOOS-Fragebogen aus, der Schmerz, Symptome, Alltagsfunktionen, Sportfähigkeit und kniespezifische Lebensqualität erfasst. In den Aktivitätswochen wurden täglich Schmerzwerte abgefragt, differenziert nach Belastungssituationen von Nachtschmerz bis Treppengehen. Ergänzt wurden die subjektiven Daten mit Angaben zum Schmerzmittelgebrauch. „Um Veränderungen im Alltag möglichst umfassend abzubilden, setzt die Studie auf eine Kombination aus standardisierten Tests, Sensorik und Patientenberichten“, fasst Claudia Seyler das Untersuchungs-Setting zusammen.

Gemeinsam engagiert in der Gonarthrose-Forschung: Studienleiter Dr. Bernd Stetter (2. v.r.) gemeinsam mit den wissenschaftlichen Hilfskräften Claudia Seyler und Til Becker sowie mit Proband Claus S.

Therapieziel: Aktivität erhalten

Die Forschenden am KIT hatten das Patientenkollektiv bewusst so gewählt, dass die Probanden zwar spürbar Beschwerden wahrnehmen, jedoch noch aktiv und mobil waren, um funktionell anspruchsvollere Testaufgaben wie die Einbeinsprünge ausführen zu können. Gerade diese Mischung mache die Gruppe klinisch interessant, betont Studienleiter Bernd Stetter: „Das sind Menschen, bei denen wir realistisch davon ausgehen können, den Verlauf durch das Tragen einer Bandage positiv beeinflussen zu können, bevor strukturelle Schäden zu weit fortgeschritten sind.“

„Wenn wir es schaffen, Bewegung und Aktivität aufrechtzuerhalten, lässt sich häufig eine Negativspirale aus Gewichtszunahme und zunehmender mechanischer Belastung des Gelenkknorpels verhindern.“

Dr. Bernd Stetter

Die zentralen Forschungsfragen der Studie sind daher: Reduziert das Tragen einer speziellen Gonarthrose-Bandage beginnende Schmerzen? Und: Verbessert sich dabei die funktionelle Leistungsfähigkeit? Beides sei entscheidend für den Krankheitsverlauf und die Therapie, wie Dr. Stetter betont: „Wenn wir es schaffen, Bewegung und Aktivität aufrechtzuerhalten, lässt sich häufig eine Negativspirale aus Gewichtszunahme und zunehmender mechanischer Belastung des Gelenkknorpels verhindern.“

Studienleiter Dr. Bernd Stetter forscht am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Er ist Ingenieur der technischen Orthopädie, Biomechaniker und Bewegungswissenschaftler.2 

Selbst so aktiv wie möglich zu bleiben, ist auch das Ziel von Proband Claus S., der die Diagnose Gonarthrose vor fünf Jahren erhielt. Ganz bewusst versucht er seither mit Radfahren, Walken und Laufen entgegenzuarbeiten. Um den Anlauf- und Belastungsschmerz zu reduzieren, setzen sein Arzt und er zudem auf Akupunktur, Physiotherapie und Osteopathie. „Als ich in der Zeitung von der Möglichkeit las, an einer Gonarthrose-Studie am KIT teilzunehmen, war für mich klar: Ich möchte einen Beitrag für die Forschung leisten, damit Patienten wie ich länger beweglich bleiben können.“

Der Sechs-Minuten-Walking-Test ermöglicht vergleichende Aussagen zur funktionellen Ausdauer. Er erfasst die Distanz, die ein Proband innerhalb von sechs Minuten auf einer ebenen Strecke gehend zurücklegen kann.

Aktivität methodisch differenzieren

Die aktuelle Untersuchung baut auf einer Reihe früherer Studien auf, die insbesondere biomechanische Laborparameter fokussierten. „Auffällig war dabei immer wieder, dass gelenkentlastende Hilfsmittel mit rigiden Konstruktionen nachweisbare positive Effekte erzeugen. Ihr Nutzen in der Praxis scheitert jedoch oft an mangelnder Akzeptanz, zumindest bei einer milden Symptomatik“, so Dr. Stetter. Nach der ebenfalls am KIT durchgeführten Studie mit der flexiblen Softorthese GenuTrain OA greift sein Forschungsteam in der aktuellen Untersuchung ein wesentliches methodisches Element erneut auf: die objektive und differenzierte Erfassung von Aktivität im Alltag. Die Erkenntnis aus der GenuTrain OA-Studie, dass sich nicht unbedingt die Gesamtaktivität erhöht, wohl aber die Aktivität in höher belastenden Bereichen, bildet einen wichtigen Anknüpfungspunkt. „Es geht nicht darum, dass die Patienten plötzlich viel mehr Schritte machen,“ so Dr. Stetter. „Entscheidend ist, ob sie wieder in die Aktivitäten zurückkehren können, die ihnen wichtig sind – sei es Sport oder einfach eine fordernde Alltagssituation.“

Treppensteigen ist eine funktionell anspruchsvolle Bewegungsaufgabe und erlaubt Rückschlüsse auf die dynamische Stabilität des Kniegelenks unter höherer Belastung.

Gonarthrose-Bandage für frühzeitige Therapie

Mit Anwendung der GenuTrain A3 untersucht die Studie eine Spezialbandage, die aktive Patientinnen und Patienten mit schmerzbedingten Einschränkungen in einem frühen Arthrose-Stadium adressiert. „Genau hier eröffnet sich ein großes Fenster für konservative Strategien, bevor die funktionellen Einbußen massiv werden“, erklärt Dr. Stetter.

Um die Compliance in der Therapie mit Komfort zu unterstützen, verfügt die GenuTrain A3 über ein Kompressionsgestrick mit weicher Bindung und softer Kniekehle sowie über ergonomisch geformte Anziehhilfen. Integrierte Funktionselemente wie die Zwei-Komponenten-Pelotte dienen der gezielten Stimulation von Mechanorezeptoren, die arthrosebedingte Beschwerden lindern können. „Zahlreiche Teilnehmende haben von spürbaren Verbesserungen bei Schmerz und Belastbarkeit berichtet“, erzählt Til Becker. „Das sind subjektive Rückmeldungen, die sich mit Beobachtungen aus anderen Studien mit Bandagen decken.“ Auch Claus S. zieht nach dem letzten Testdurchgang beim Treppensteigen ein positives Fazit: „Das Stabilitätsgefühl ist mit Bandage auf jeden Fall größer. Deshalb werde ich sie auch nach Abschluss der Studie weitertragen.“

„Das Stabilitätsgefühl ist mit Bandage auf jeden Fall größer. Deshalb werde ich sie auch nach Abschluss der Studie weitertragen.“

Proband Claus S.

Ausblick auf erste Ergebnisse

Die Datenerhebung ist mittlerweile abgeschlossen. Mit Blick auf die Methodik resümiert Dr. Stetter: „Schon jetzt deutet die Kombination aus sensorbasierter Aktivitätserfassung und validierten Fragebögen auf eine robuste Datenlage hin, die eine Rolle der GenuTrain A3 im konservativen Management der frühen Gonarthrose präzisieren dürfte.“ Erste Teilanalysen lägen bereits vor und zeigten eine Reduktion der Schmerzen beim Gehen, Treppensteigen und während der Nacht. Zudem würden die subjektiven Daten auf ein Abnehmen der Symptome durch das Tragen der Bandage hindeuten. Doch Studienleiter Dr. Stetter will der vollständigen Auswertung nicht vorgreifen: „Wir sind gespannt, ob sich diese Beobachtungen bestätigen und welche weiteren Ergebnisse die Studie liefert, um Arthrose in einem frühen Stadium sinnvoll zu behandeln.“

1 Der Nachname des Probanden wurde auf dessen Wunsch anonymisiert.
2 Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit am KIT leitet Dr. Bernd Stetter seit Ende 2024 die Abteilung Medical Affairs der Bauerfeind AG.
Bauerfeind unterstützt die Studie in diesem Beitrag als Hersteller von Gonarthrose-Bandagen unter anderem mit dem Produkt GenuTrain A3, ist aber nicht in die Entwicklung des Studiendesigns, die Datenaufnahme- und -analyse, die Interpretation der Ergebnisse und Erstellung des Manuskripts involviert.

Bandagen und Orthesen für die Gonarthrose-Therapie
Gonarthrose erfordert ein individuelles Behandlungsmanagement, ausgerichtet am Verlauf der Erkrankung und den Bedürfnissen der Patienten. Bauerfeind unterstützt mit speziell entwickelten Bandagen und Orthesen bei der gelenkerhaltenden Therapie.
Die stabilisierende Kniebandage GenuTrain A3 fördert Bewegung bei beginnender Symptomatik in frühen Krankheitsstadien. Die flexible Softorthese GenuTrain OA entlastet gezielt das betroffene Kompartiment bei mittlerer Symptomatik mit von Patienten selbst einstellbarer Dosierung. Bei ausgeprägten Achsfehlstellungen und erhöhtem Stabilisierungsbedarf entlastet die Hartrahmenorthese SecuTec OA durch eine gelenkschonende Krafteinleitung und wirkt Instabilitäten durch das zusätzlich integrierte Vier-Punkt-Prinzip entgegen. Mehr erfahren.

Bilder: Udo Schönewald, Bauerfeind AG

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