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Zwischen Tradition und Digitalisierung Über den Tellerrand schauen

Ausgabe 02/2019

Wie gelingt der Wandel vom herkömmlichen Handwerksbetrieb zum modernen Dienstleister? Die Werner & Thiele Orthopädie-Schuhtechnik GmbH in Dresden kombiniert dafür traditionelle Handwerkskunst mit digitalen Zukunftstechnologien – für eine ganzheitliche, effiziente und passgenaue Versorgung.

Lautes Hämmern dringt aus der Werkstatt der Werner & Thiele Orthopädie-Schuhtechnik in der Dresdener Kesselsdorferstraße. Hier walkt Orthopädieschuhmacher Sven Thiemig gerade an einem orthopädischen Maßschuh das Futterleder über den Leisten und nagelt es an der Schuhspitze fest. Danach verklebt er den Zwickeinschlag, klopft ihn an und legt den Schuh zum Aushärten ins Regal. „Traditionelles Orthopädiehandwerk hat bei uns einen hohen Stellenwert und wird täglich von unseren Mitarbeitern ausgeübt“, sagt Ronald Werner nicht ohne Stolz. „Da kommen wir her, und das Handwerk bildet auch heute noch unser Rückgrat“, so der Meister, der den Beruf selbst von der Pike auf gelernt hat und seit genau 25 Jahren das Unternehmen leitet. Insofern hat sich im Bereich der Orthopädieschuhtechnik von den Verfahrenstechniken aus gesehen, also wie ein Schuh gefertigt wird, nicht allzu viel verändert. „Der Leisten wird bei uns nach wie vor aus Holz in Handarbeit gebaut und geschliffen“, so Ronald Werner.

Traditionelle Handwerkskunst spielt bei Werner & Thiele in Dresden nach wie vor eine große Rolle.

Effizienter fertigen, besser versorgen

Drastisch gewandelt hat sich dagegen der Einlagenbau. „In diesem Bereich haben neue, digitale Verfahren und innovative Materialien die Werkstatt , aber auch den Service nachhaltig verändert“, berichtet Ronald Werner. So ist die traditionelle Kork-Leder-Einlage, die lange Zeit der Standard schlechthin war, heute weniger gefragt. „Stattdessen arbeiten wir mit Materialien in unterschiedlichen Shore-Härten. Diese wirken sich weitaus positiver auf die Haltung und die muskuläre Situation unserer Kunden aus und gewährleisten einen höheren Tragekomfort.“ Gleichzeitig setzt das Unternehmen auch ganz neue Materialarten ein. „Wir haben besonders dünne Folienwerkstoffe für den Einlagenbau mitentwickelt , die aufgrund ihrer geringen Stärke speziell für Damenschuhe geeignet sind“, erklärt Ronald Werner. „Sie stellen das Gegenteil zu den doch recht massiven Kork-Leder-Einlagen dar und passen praktisch in jeden Business-Schuh.“ Das ist ein wichtiger Punkt , denn bei Werner & Thiele in der Großstadt sind knapp 70 Prozent der Kunden Frauen, die genau solche Einlagen benötigen.
Ebenfalls neu bei der Einlagenversorgung ist die Tatsache, dass das Unternehmen auch auf Verfahren wie die Systemlösung Bodytronic ID:CAM setzt. Dabei werden Einlagen im Betrieb webbasiert kundenindividuell modelliert und anschließend bei Bauerfeind mit modernster Technik auf den Hundertstelmillimeter genau gefräst.„Außerdem nutzen wir bei Kunststoffeinlagen thermische Fertigungsverfahren für die perfekte Passform am Fuß und den optimalen Sitz im Schuh“, so Ronald Werner. „Die Einlagen passen wir letztlich nur über das Gipsmodell des Fußes an, was in gut einem Viertel der Zeit erfolgen kann – ohne Abstriche in Wirkung und Funktion.“ So hat sich der Einlagenbau bei Werner & Thiele in den vergangenen Jahren gewandelt – hin zu höherer Effizienz auf Unternehmensseite einerseits und einer besseren, leistungsfähigeren Versorgung der Patienten andererseits.

„Die Bauerfeind-Systeme arbeiten einwandfrei und lassen sich im Versorgungs­alltag optimal einsetzen.“

Ronald Werner

Kundenmagnet Messtechnik

Ronald Werner, einer der Geschäftsführer der Werner & Thiele Orthopädie-Schuhtechnik.

Daneben hat sich Werner & Thiele konsequent neue Geschäftsfelder wie die Kompressionsstrumpfversorgung oder Orthetik erschlossen, um eine ganzheitliche Versorgung anbieten zu können. „Wir haben uns vom traditionellen Orthopädieschuhtechnik-Betrieb weiterentwickelt zum Beratungs- und Versorgungsdienstleister, der den gesamten Körper im Fokus hat“, betont Ronald Werner. „Dafür setzen wir gezielt auf neue digitale Verfahren und bauen unser Maschinen- und Technologieportfolio dahingehend permanent aus.“ So finden sich bei Werner & Thiele neben einem digitalen Fußscanner ein Bodytronic 200-System zur Früherkennung von Venenleiden, ein digitaler Rückenscanner zur Wirbelsäulenanalyse sowie der 3D-Körperscanner Bodytronic 600 von Bauerfeind. Letzterer wird zur Versorgung mit Kompressionsstrümpfen sowie Bandagen für Knie und Sprunggelenk genutzt. „Die Bauerfeind-Systeme arbeiten einwandfrei und lassen sich im Versorgungsalltag optimal einsetzen. Sie ermöglichen es uns, wie im Einlagenbereich, besonders schnell und effizient zu arbeiten, und sichern mit der extrem präzisen Messtechnik die 100-prozentig passende Versorgung unserer Kunden. Gleichzeitig haben diese Systeme auch einen hohen werbewirksamen Wert bei der Akquise, etwa auf Messen und Ausstellungen.“ Viele Patienten kämen mittlerweile von weit außerhalb zu Werner & Thiele, um sich gezielt mit der neuen Technik vermessen zu lassen. Weiterer Pluspunkt: Die Daten aller jemals vorgenommenen Vermessungen sind im System gespeichert und jederzeit auf Knopfdruck abrufbar, zum Beispiel für einen Vorher-Nachher-Vergleich.

Steigendes Marktvolumen

Mit seinem Mix aus traditioneller Handwerkskunst , digitalen Technologien und innovativen Materialien ist die Werner & Thiele GmbH für die heutigen, aber auch für die künftigen Anforderungen bestens aufgestellt. Denn eins ist klar: „Das Marktvolumen wird gerade im Einlagenbereich in Zukunft weiter steigen“, so die Einschätzung von Ronald Werner. „Verstärken wird sich in diesem Zusammenhang auch die Nachfrage nach Materialien, die noch länger halten sowie rückstellfähiger sind, also noch mehr Effizienz am Fuß bieten und trotzdem dünn sind. Die ErgoPad weightflex von Bauerfeind mit ihrer Anpassbarkeit an verschiedene Absatzhöhen und der variablen Stützkraft geht da schon absolut in die richtige Richtung.“ 

Bilder: Thomas Lebie


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