Für Ärzte und Partner im Gesundheitswesen Informationen für Patienten finden Sie hier.

Grundlagenwissen Hilfsmittelverordnung Wer darf was verordnen?

Ausgabe 03/2015

Dass ein Orthopäde Bandagen und Orthesen verordnet und ein Phlebologe medizinische Kompressionsstrümpfe, ist selbstverständlich. Aber darf auch ein Hausarzt ein Rezept für phlebologische und orthopädische Hilfsmittel ausstellen?

Es ist ganz einfach: Jeder Vertragsarzt , ob Allgemein- oder Facharzt , darf Hilfsmittel zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verordnen. „Grundlage für die Verordnung von Hilfsmitteln durch den Arzt sind die Hilfsmittel-Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses“, erklärt Dr. Ernst Pohlen, Geschäftsführer der eurocom e. V.*. „In diesen ist zunächst festgelegt , dass Hilfsmittel nur zulasten der GKV verordnet werden können, wenn sie von der Leistungspflicht der GKV umfasst sind und im Hilfsmittelverzeichnis der Spitzenverbände der Krankenkassen aufgeführt sind.“ Außerdem werden der Versorgungsanspruch des Versicherten sowie allgemeine Verordnungsgrundsätze definiert. Die Hilfsmittel-Richtlinien enthalten zudem eine genaue Vorgabe, wie die Verordnung auszusehen hat und was sie beinhalten muss.

Keine Belastung des Budgets!

Längst noch nicht hinreichend bekannt ist , dass die Verordnung von Hilfsmitteln das ärztliche Budget nicht belastet. „Auch wissen nicht alle Ärzte, dass laut Hilfsmittel-Richtlinien eine Mehrfachausstattung mit Hilfsmitteln möglich ist , wenn dies aus medizinischen, hygienischen oder sicherheitstechnischen Gründen notwendig ist. So kann beispielsweise bei der Erstversorgung mit medizinischen Kompressionsstrümpfen aus hygienischen Gründen ein zweites Paar zum Wechseln verordnet werden. Für Einlagen, Bandagen oder Orthesen gilt dies allerdings nicht“, betont Dr. Pohlen. Im Rahmen der Kompressionsstrumpfversorgung ist bei entsprechender Indikation übrigens auch eine An- und Ausziehhilfe verordnungsfähig, ohne das Budget zu belasten!

Rezept richtig ausstellen

Die Verordnung von medizinischen Hilfsmitteln muss auf dem Rezeptblatt Muster 16 erfolgen. „Um Verwechslungen vorzubeugen, sollten Hilfsmittel außerdem immer auf einem gesonderten Rezept verordnet werden, auf dem das Feld Nummer 7 (Hilfsmittel) mit einer ,7‘ gekennzeichnet wird“, rät Dr. Pohlen. Neben der Diagnose muss die Verordnung die genaue Bezeichnung des Hilfsmittels, die Anzahl sowie gegebenenfalls Hinweise über die Zweckbestimmung, die Art der Herstellung, das Material und die Abmessungen enthalten. „Der Arzt soll entweder die Produktart entsprechend dem Hilfsmittelverzeichnis oder die siebenstellige Positionsnummer angeben. In der Regel erfolgt die Auswahl des konkreten Einzelprodukts dann durch den Leistungserbringer. In begründeten Ausnahmefällen darf der Arzt aber auch ein bestimmtes Einzelprodukt verordnen“, so der eurocom-Geschäftsführer.

* Europäische Herstellervereinigung für Kompressionstherapie und orthopädische Hilfsmittel.

Achtung! Seit dem 1. Juli 2015 müssen auf dem Rezeptblatt Muster 16 bzw. auf dem Arztstempel auch folgende Angaben zum Verordner enthalten sein:

  • Nachname
  • Vorname (ausgeschrieben)
  • Berufsbezeichnung
  • Anschrift der Praxis oder Klinik der verschreibenden ärztlichen Person einschließlich einer Telefonnummer zur Kontakt­aufnahme

Weitere Informationen

Die neue Informationskarte der eurocom „Die Verordnung von Hilfsmitteln in der vertragsärztlichen Versorgung“
kann unter www.eurocom-info.de (Rubrik „Service“, „Publikationen“) heruntergeladen werden.

Die gesetzlichen Grundlagen der Hilfsmittel-Richtlinie finden Sie auch unter www.g-ba.de/­informationen/richtlinien/13/

Der Ratgeber „PraxisWissen Hilfsmittel“ der ­Kassenärztlichen Bundesvereinigung steht unter www.kbv.de (Rubrik „Mediathek“, „Publikationen“) zum Download bereit.

Bilder: Fotolia.com/gomita