Arthrose/ Orthesen

„Die Valgus-Kraft entlastet das mediale Kompartiment“

Multimodale Gonarthrose-Therapie in Frankreich

Von Bauerfeind Life Magazin

Kurz & Knapp Für den französischen Knieexperten Prof. Olivier Barbier sind konservative Methoden bei der Behandlung von Gonarthrose immer die erste Wahl. Die Orthese GenuTrain ist Teil seiner multimodalen Schmerztherapie.

  • Für den Orthopäden und Sportmediziner ist die entlastende Orthese vorrangig eine Option zur Behandlung von Schmerzen im medialen Kompartiment, das in 90 Prozent der Fälle betroffen ist.
  • Bei medialer Gonarthrose reduziert die GenuTrain OA das (meist durch Achsfehlstellungen) erhöhte externe Knieadduktionsmoment, wodurch sich die einseitige Überbelastung im Gelenk verringert.
  • Zur multimodalen Schmerztherapie des französischen Militärarztes gehören des Weiteren pharmakologische und auch edukative Maßnahmen, die Lebensstil, Ernährung und Körpergewicht betreffen.

Valgus Kraft

Biomechanisches und interdisziplinäres Denken prägen die Vorgehensweise von Prof. Olivier Barbier. Wie man der Herausforderung Gonarthrose in Frankreich begegnet, erklärt der orthopädische Chirurg aus Toulon im Interview.

life: Was sind die zentralen Schmerzauslöser bei Gonarthrose?

Prof. Barbier: Einen der entscheidenden Faktoren können wir in einer Überlastung des Kniegelenks aufgrund einer Achsfehlstellung der unteren Extremität erkennen. Besonders anfällig zeigt sich das mediale Kompartiment des Knies, das in 90 Prozent aller Fälle betroffen ist. Eine Varusfehlstellung des Knies trägt zu einem erhöhten externen Adduktionsmoment des Knies bei und führt somit zu einer erhöhten Belastung des medialen Kompartiments. In der Tat verläuft die mechanische Achse bei Varusknien medial zur Mitte des Kniegelenks. Dies bewirkt, dass der Großteil der Last bereits im Stehen auf das mediale Kompartiment übergeht. Bei zehn Prozent der Patienten ist das laterale Kompartiment betroffen. Anatomie, Kinematik und Belastung unterscheiden sich hierbei während der Bewegung erheblich. Dies erklärt den relativen Schutz des lateralen Kompartiments gegenüber dem medialen Kompartiment bei der Entstehung einer Gonarthrose.

Als Orthopäde und Sportmediziner verrichtet Professor Olivier Barbier seinen Dienst im Hôpital d’Instruction des Armées Saint Anne, einem Militärkrankenhaus in Toulon. Zusätzlich unterrichtet der Knieexperte an der École du Val de Grâce, einem Lehrkrankenhaus der Armee bei Paris. Prof. Barbier ist Mitglied und Trainer der Französischen Gesellschaft für Arthroskopie (SFA) und der Französischen Gesellschaft für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie (SOFCOT).

Wie gehen Sie bei der Behandlung vor?

Prof. Barbier: Sowohl operativ als auch nichtoperativ. Konservative Methoden haben Vorrang und sind immer die erste Wahl. Diese beinhalten auch pharmakologische Therapieschritte wie etwa die Gabe von Paracetamol, nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) oder intraartikulären Injektionen zur Schmerzlinderung. Orale NSAR wie Ibuprofen können zur Linderung von Schmerzen verwendet werden, jedoch nur intermittierend für kurze Zeit und in Verbindung mit Protonenpumpenhemmern. Sie besitzen ein echtes Risiko für gastrointestinale, kardiovaskuläre und renale Nebenwirkungen. Darüber hinaus kann die langfristige Einnahme von Analgetika kontraproduktiv sein. Schmerz ist ein entscheidender Indikator für eine Verletzung. Intraartikuläre Injektionen von Kortikosteroiden sind bei Vorhandensein eines Ergusses kurzfristig wirksam und intraartikuläre Hyaluronsäure (IAHA) wird weiterhin empfohlen. Intraartikuläre Platelet-­Rich-Plasma-(PRP)-Injektionen werden in Frankreich häufig empfohlen und scheinen vielversprechend zu sein. Allerdings besteht eine große Heterogenität und ein Mangel an Standardisierung bei den verfügbaren Präparaten. Chirurgische Eingriffe sind der letzte Ausweg bei Gon­arthrose im Endstadium.

Was können Bandagen und Orthesen innerhalb der nichtoperativen Therapie leisten?

Prof. Barbier: Bandagen und Orthesen schützen generell das Gelenk, verringern Schwellungen und lindern Schmerzen. Bedeutend als eine primäre nichtchirurgische Option sind Orthesen, die auf die Biomechanik Einfluss nehmen. So stellt beispielsweise die GenuTrain OA als medial entlastende Valgusorthese eine Option zur Behandlung der Schmerzen im medialen Kompartiment dar. Diese Beschwerden entstehen aufgrund der Varusfehlstellung des Knies. Die Wirkungsweise der Orthese zielt darauf ab, das externe Knieadduktionsmoment zu reduzieren. Sie übt eine externe Valguskraft auf das Knie aus, wodurch sich die Last auf dem medialen Kompartiment verringert.1

Ursache O-Bein: Die überwiegende Anzahl der Gonarthrose-Patienten weist eine Varusfehlstellung der Knie auf.

Gibt es weitere Indikationen für die GenuTrain OA?

Prof. Barbier: Da die Wirkung von Valgus­orthesen bei der Linderung der Schmerzen im medialen Kompartiment vergleichbar mit der einer Osteotomie im oberen Schienbein ist, verwende ich die GenuTrain OA auch präoperativ vor einer Osteotomie oder einer unikompartimentellen Endoprothese als diagnostischen Test. Wenn er positiv ausfällt, ist es ein gutes Kriterium für die Wirksamkeit dieser Operationen. Ich setze die GenuTrain OA auch nach einer Meniskusoperation ein, um die Naht im ersten Monat zu schützen.

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Was spricht aus Ihrer Sicht für die GenuTrain OA bei der Behandlung von Gonarthrose?

Prof. Barbier: Alle Eigenschaften müssen einem Zweck dienen: der Compliance. Eine Orthese muss getragen werden wollen. Der Gonarthrose liegt ein komplexes Krankheitsgeschehen zugrunde. Um ihm gerecht zu werden, müssen wir multimodal denken. Dazu gehört auch die Patientenedukation durch unterschiedliche Disziplinen. Lebensstil, Ernährung, Körpergewicht sind wichtige Faktoren, die der Patient selbst beeinflussen kann. Wenn er spürt, dass ihn eine Orthese dabei unterstützt, erfüllt dies eine Grundvoraussetzung für hohe Compliance. Bei der GenuTrain OA sind Flexibilität durch elastisches Gestrick und der druckarme Bereich in der Kniekehle überzeugende Eigenschaften. Die Orthese besitzt ein flaches Profil und behindert weder das Gehen noch kollidiert es mit dem kontralateralen Knie.

Welche Argumente überzeugen im Arzt-Patienten-Gespräch?

Prof. Barbier: Natürlich kennzeichnet der entlastende Kraftvektor die zentrale Eigenschaft der GenuTrain OA. Durch den Zug des Entlastungs- und Stabilisierungssystems rund um das Knie kann der Patient mittels eines Drehverschlusses die entlastende Kraft nach seinen Bedürfnissen einstellen. Das geringe Gewicht und die sichere Positionierung am Knie machen ihm sportliche Aktivitäten wieder leichter. Ist der Einstieg erst geschafft, wird der Weg frei für eine hohe Lebensqualität. GenuTrain OA ist einfach zu bedienen, einfach anzulegen und einfach zu tragen.

1 Siehe dazu unter anderem die Studie zu Entlastungsorthesen von Kutzner I. et al. The effect of valgus braces on medial compartment load of the knee joint – in vivo load measurements in three subjects. Journal of Biomechanics 44 (2011): 1354–1360.

Bilder: Barbier, Udo Schönewald, shutterstock.com/wk1003mike/Jarva Jar/decade3d – anatomy online

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