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GenuTrain P3 bei patellofemoraler Instabilität „Die Studienlage ist eindeutig“

Ausgabe 01/2021

Nach primärer Dislokation sollte stets ein konservatives Verfahren als erste Maßnahme auf die Patella angewendet werden, betont Professor Philippe Hernigou vom Pariser Universitätsklinikum Henri Mondor. Für den orthopädischen Chirurgen ist die GenuTrain P3 ein Schlüsselinstrument. Auch postoperativ, nach wiederholter Luxation, kommt die Bandage zum Einsatz.

life: Warum ist die patellofemorale Instabilität ein akutes und wiederkehrendes Problem?

Prof. Hernigou: Die Patellaluxation in Folge einer patellofemoralen Instabilität trifft hauptsächlich junge und aktive Menschen mit einer Spitzeninzidenz von 30 pro 100.000 pro Jahr. Gefährlich ist die hohe Rezidivrate: 49 Prozent der Patienten mit mehr als einer Dislokation erleiden eine weitere.1 Folgen sind oft chronische Schmerzen, arthrotische Veränderungen und Funktionsverlust des Patellofemoralgelenks. Um die Luxationsereignisse zu verstehen, sind tiefere Kenntnisse der Anatomie und Biomechanik hilfreich. Das Patellofemoralgelenk besteht aus Patella und Femurtrochlea. Stabilität erhält es durch die gerillte Form der Trochlea, das mediale patellofemorale Ligament und die Sehnenansätze des Musculus vastus medialis. Unter normalen Umständen läuft das Gelenk innerhalb seines natürlichen Gleitlagers beschwerdefrei und hat Stabilität in den verschiedenen Bewegungsabschnitten – von der Streckung bis zur Beugung.

Die GenuTrain P3 zentriert die Kniescheibe und hält sie bei Bewegung in ihrer physiologischen Gleitbahn. Mit Hilfe von zwei speziellen Pelotten und einem individuell einstellbaren Korrekturzügel schützt sie vor einem lateralen Abdriften und Abkippen der Patella.

Was sind dann die Ursachen der Luxation?

Prof. Hernigou: Hochstand der Patella, also Patella alta, Trochleadysplasie, eine ausgeprägte laterale Patellakippung oder ein übermäßiger Abstand zwischen Tibia und Trochlearille, was zu biomechanischen Funktionsstörungen führt. Laterale Tibia-Rotation sowie Hyperlaxizität spielen eine Rolle. Auch sportliche Überbelastungen sind ein Faktor. Eine Valgusstellung, wie bei vielen jungen Frauen typisch, erhöht die Gefahr. Meist tendiert die Instabilität nach lateral. Unmittelbarer Auslöser der Luxation ist jedoch nur selten ein direkter Schlag oder Trauma. Oft ist es eine falsche Bewegung, die ausreicht.

Welche Empfehlungen zum nichtoperativen bzw. operativen Management können Sie geben?

Prof. Hernigou: Die patellofemorale Instabilität erfordert ein multidisziplinäres Management. Bei einer ersten unkomplizierten Luxation der Patella, ohne osteochondrale Fragmente, ist die Studienlage eindeutig: Es wird konservativ versorgt.2 Üblicherweise erfolgt die Behandlung mit einer Bandage oder Orthese. Ziel ist, die Kniescheibe in der Trochlearille zu zen­trieren. So werden die Symptome gelindert und die Gelenkfunktion verbessert. Mit der GenuTrain P3 von Bauerfeind steht eine stabilisierende Bandage mit einer medial gerichteten Kraft zur Verfügung, die mit einem Korrekturzügel individuell eingestellt werden kann – das ideale Mittel, um zu verhindern, dass während der Rehabilitation die Patella subluxiert oder luxiert, und mit dem der Patient das Knie gut bewegen kann. Eine Studie, durchgeführt mit einem dynamischen MRT-Versuchsaufbau, hat gezeigt, dass die Patellakippung beim Tragen einer solchen Bandage signifikant abnahm.3 Auch die Propriozeption des Gelenks konnte verbessert werden. Bei wiederkehrenden Luxationen ist ein operatives Management angezeigt. Das geeignete Verfahren hängt von den anatomischen Verhältnissen des Patienten und der Ursache der Instabilität ab. 25 Prozent der Patella-Patienten, die zu mir in die Klinik kommen, behandle ich konservativ, 75 Prozent operativ.

Arbeiten Sie auch postoperativ mit der GenuTrain P3?

Prof. Hernigou: Ich kann unmittelbar nach Rekonstruktion eines gerissenen medialen Patellofemoralbands mit der Bandage die Patellalateralisation limitieren. Ich schütze so das einer hohen Spannung ausgesetzte transplantierte Band. Ähnlich verhält es sich bei einer Modifikation der Knochenarchitektur an der Tuberositas tibiae. Auch hier können Spannungen auf die operierten Strukturen durch die GenuTrain P3 reduziert werden. Eine weitere Einsatzmöglichkeit sehe ich nach einer Trochleaplastik. Hier hilft die Bandage, das Ergebnis des Eingriffs zu sichern, die postoperativen Schmerzen zu lindern und eine Verbesserung der Sensomotorik zu erreichen. In allen drei Fällen werden Reparaturprozesse beschleunigt und frühfunktionelles Training schneller ermöglicht. Nach der jeweiligen Operation sollte die Bandage drei bis fünf Wochen getragen werden.

Welche Eigenschaften der GenuTrain P3 sind für die patellofemorale Stabilität entscheidend?

Prof. Hernigou: Eine Bandage muss komfortabel und zweckmäßig sein, damit der Patient sie trägt. Dem wird die GenuTrain P3 auf verschiedene Arten gerecht. Sie besteht aus leichtem, atmungsaktivem Material, das gut sitzt und nicht verrutscht. Die Patella wird durch ein speziell geformtes Massage-Pad eingefasst und zentriert. Diese Pelotte erstreckt sich bis zum Musculus vastus medialis. Eine Aktivierung des Muskels kann den Zug auf die Patella erhöhen und dadurch die Position der Patella im Gleitlager zusätzlich verbessern. Eine Studie mit Hilfsmitteln zeigte, dass sie die Aktivierungsmuster der Oberschenkelmuskulatur positiv beeinflussen und Patienten eine deutliche Schmerzreduktion wahrnehmen.4 Zwei Spots auf der Pelotte üben eine leichte Kompression auf den Hoffa’schen Fettkörper aus und können ebenfalls Schmerzen reduzieren. Eine detonisierende Pelotte am Oberschenkel gleicht tendofasziale Dysbalancen aus. Ein Korrekturzügel, der je nach Belastungsbedingungen unterschiedlich angezogen werden kann, wirkt einer lateralen Verschiebung entgegen. So wird die Patella durch die GenuTrain P3 bei Bewegung zuverlässig geführt.

 

1 Fithian D.C., Paxton E.W., Stone M.L., et al. Epidemiology and natural history of acute patellar dislocation. Am J Sports Med, 2004;32: 1114–21.
2 Cherf, J. and L. E. Paulos. Bracing for patellar instability. Clin. Sports Med. 9: 813–821, 1990.
3 Powers, C. M., F. G. Shellock and M. Pfaff. Quantification of patellar tracking using MRI. J. Magn. Reson. Imaging 8: 724–732, 1998.
4 Gilleard W., McConnell J., Parsons D. The effect of patellar taping on the onset of vastus medialis obliquus and vastus lateralis muscle activity in persons with patellofemoral pain.
Phys Ther 1998 Jan; 78(1): 25–32.

 

Bilder: Bauerfeind, Hôpital Henri Mondor/Hernigou


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