Bandagen/ Kreuzbandriss

Die OP ist erst der Anfang

GenuTrain nach Rekonstruktion des vorderen Kreuzbands

Von Bauerfeind Life Magazin

Kurz & knapp Die GenuTrain ist ein bewährter Baustein in der Rehabilitationsphase nach einer Kreuzband-OP. Ist die Wirkung der Kniebandage messbar und wie anhaltend ist dieser Effekt? Prof. Gisela Sole und Prof. Niels Hammer sind diesen Fragen an der Universität von Otago (Neuseeland) auf den Grund gegangen.

  • Die Patienten mit Bandage konnten eine messbar größere Sprungweite beim „horizontal jump“ erreichen.
  • Dieser bereits in der Initialuntersuchung dokumentierte Effekt war über sechs Wochen hinweg bis zur Follow-up-Untersuchung stabil geblieben.
  • Eine detaillierte Befragung der Studienteilnehmer ergab, dass diese über wesentlich weniger Fehlfunktionen berichteten, wie bspw. ein „Blockieren“ des Kniegelenks.
  • Die GenuTrain-Bandage fördert die Propriozeption am verletzten Knie und verbessert dadurch die wichtige neuromuskuläre Steuerung.
  • Das Gefühl von Stärkung und Sicherheit gibt den Patienten das Vertrauen in die Funktion ihres Knies zurück.
  • Um Funktionsschwächen, aber auch der Entstehung einer Gonarthrose entgegenzuwirken, bleibt körperliche Aktivität für ACL-Patienten unverzichtbar.
  • Das physiotherapeutische Behandlungskonzept sollte einen Zeitraum von zehn bis 15 Jahren mitdenken, um das Arthrose-Risiko im Blick zu behalten.

Kreuzbandrisse und Bandplastiken sind Alltag in der Orthopädie. Daran schließt sich meist eine intensive Reha-Phase an, gilt es doch, Funktionseinschränkungen und Gonarthrose vorzubeugen. Die GenuTrain-Bandage gehört für Ärzte und Physiotherapeuten dabei in den Werkzeugkasten. In zwei Studien wurden nun deren Akut- und Mittelfristeffekte an Patienten untersucht. Bauerfeind life sprach mit der Studienleiterin, Associate Professor Dr. Gisela Sole, und dem Anatomen und Seniorautor Professor Dr. Niels Hammer.

„Rugby ist bei uns in Neuseeland sehr populär“, sagt Professor Gisela Sole von der University of Otago in Dunedin, „ein außerordentlich körperbetonter Sport, schnell, mit abrupten Richtungswechseln. Dieser Sport trägt ganz sicher zu der hohen Zahl von Kreuzbandrupturen bei Männern und Frauen bei – und Netball [Anm.: eine Basketballvariante].“ Mit einer Inzidenz von 58 pro 100.000 Einwohnern spielt Neuseeland auch im weltweiten Vergleich der ACL-Bandrekonstruktionen weit vorne mit. Die Sportlichkeit der Bevölkerung ist also Segen und Fluch zugleich. „Das Alter, in dem Kreuzbandrupturen auftreten, nimmt sogar ab, wir sehen schon Patienten mit 12 oder 13 Jahren“, berichtet Professor Sole, die als Forscherin und Physiotherapeutin eine der renommiertesten Expertinnen für die Heilbehandlung des verletzten Knies ist. Aber natürlich sind Rupturen des vorderen Kreuzbands auch auf der Nordhalbkugel weit verbreitet, selten durch Verschleiß, meist durch Trauma, etwa als Folge von Teamsportarten oder Skisport – und damit einher gehen auch hohe Zahlen für operative Wiederherstellungen des Kreuzbands.

Für die anschließende physiotherapeutische Weiterbehandlung ist jede Maßnahme wichtig, die den Patienten nach einem Kreuzbandriss zügig und sicher wieder in seinen gewohnten Bewegungsumfang für Alltag und auch Sport zurückführt. Eine Kniebandage wie die GenuTrain gehört dazu, deren sowohl stabilisierender als auch schmerzlindernder Effekt weit über post­operative Anwendungen hinaus geschätzt wird. Aber ist die Wirkung einer Bandagenversorgung auch messbar? Diese Fragestellung untersuchten die Studienleiterin Professor Sole und Professor Niels Hammer (siehe unten) in zwei von Bauerfeind geförderten Studien am Centre for Health, Activity and Rehabilitation Research der School of Physiotherapy an der Universität von Otago, Neuseeland.

Professor Gisela Sole, University of Otago in Dunedin, Neuseeland.

Signifikante Effekte nachgewiesen

Die Ergebnisse der ersten Untersuchung sind bereits veröffentlicht. Sie hat die unmittelbare Wirkung wie auch den Sechs-Wochen-Effekt des Tragens einer GenuTrain-Bandage bei Patienten mit chronischer Instabilität nach Kreuzband-OP untersucht. Für den Akut­effekt wurden die Patienten (mindestens sechs Monate, maximal fünf Jahre post-OP) in einer randomisierten Crossover-Studie im Labor untersucht, für die Bewertung der Wirkung nach sechs Wochen wurden die Patienten dann in eine Interventionsgruppe (Tragedauer der Bandage mindestens eine Stunde pro Tag) und eine Kontrollgruppe (ohne Bandage) aufgeteilt. Bereits der erste Test zeigte einen signifikanten Effekt der GenuTrain. Ermittelt durch einen „horizontal jump“ (einbeiniger Distanzsprung) stellte sich in der Gesamtgruppe der Bandagenträger eine um fünf Zentimeter (3,6 Prozent) größere Sprungweite dar. Und dieser Effekt erwies sich als stabil: Die „Bandagengruppe“ konnte dieses verbesserte Ergebnis auch nach sechs Wochen halten. Außerdem wurden die Teilnehmer nach dem IKDC-SKF-Fragebogen (International Knee Documentation Committee/Subjective Knee Form) bewertet. Dieser Fragebogen zur Selbstbeurteilung umfasst 18 auf Symptome und Funktionen des Knies bezogene Fragen mit einer Antwortskala von 1 bis 100 (höhere Werte entsprechen schwächeren Symptomen und besseren Funktionen). Die Auswertung dieser Fragebögen belegte, dass Fehlfunktionen wie „Sperren“ oder „Schnappen“ des Knies bei den Bandagenträgern deutlich weniger auftraten. Eine zweite Studie von Gisela Sole und Niels Hammer, in der die Biomechanik des operierten Knies anhand eines „step-down hop“ weiter untersucht wird, befindet sich bereits ebenfalls in Veröffentlichung.

Professor Sole erläutert, was die Ergebnisse für die Arbeit mit den Patienten bedeuten: „Unsere Schlussfolgerung für die physiotherapeutische Praxis lautet, dass die Empfehlung für eine Kniebandage bei Patienten, deren Training einen ,horizontal jump‘ oder ähnliche Übungen umfasst, angebracht sein kann. Wir wissen, dass der wichtigste Teil der Rehabilitation das Training ist – und wenn die Bandage das fördert, spricht das für sie.“ Worauf diese Wirkung beruht? „Das können wir nicht mit Gewissheit sagen. Aber es ist gut möglich, dass das Gefühl auf der Haut und die leichte Kompression um das Knie herum dazu führen, dass die Patienten sich ihres Knies bewusster werden. Diese Wahrnehmung gibt den Patienten ein sichereres Gefühl und wohl deshalb erreichen sie eine etwas größere Sprungweite. Interessanterweise waren in unserer Studie die Probanden mit Bandage insgesamt auch körperlich aktiver als die in der Kontrollgruppe. Es könnte sein, dass die Bandage für sie eine Ermutigung war, sich wieder etwas zuzutrauen ohne dauernde Angst vor einer Re-Ruptur.“

Behandlungserfolge sichern

Kreuzbandrisse und ihre Behandlung sind weder für den einzelnen Patienten noch für das Gesundheitssystem im Ganzen trivial. „ACL-­Rupturen sind zwar nicht so häufig wie eine Verletzung der Achillessehne, aber kostspieliger, weil die Person dadurch stärker eingeschränkt ist und die Rehabilitation und eine eventuelle Operation teurer sind.“ Entscheidend für die Einschätzung des Behandlungserfolgs ist aber die mittel- und langfristige Perspektive, denn sowohl Instabilitäten und Funktionseinschränkungen des Knies wie auch eine sich über Jahre hinweg entwickelnde Gonarthrose gehören in den Fokus jedes Therapieregimes nach einer Bandplastik. „Es gibt keine Beweise dafür, dass eine Rekonstruktion das Risiko für eine Arthrose senkt, und Arthrose ist eines der besorgniserregenden Risiken innerhalb von zehn oder 15 Jahren. Aus diesem Grund ist wirklich alles wertvoll, was das Ergebnis sichert“, betont Professor Sole mit Nachdruck.

„Aus Sicht der Rehabilitation ist es die neuromuskuläre Kontrolle, die verbessert werden muss, denn die Rekonstruktion des Kreuzbands ersetzt nicht auch dessen Neurophysiologie, also die Propriozeption. Deshalb also ist die Rehabilitation so entscheidend für das langfristige OP-Ergebnis.“ Die GenuTrain, die die Eigenwahrnehmung stimuliert, unterstützt hier die Verbindung zwischen Anatomie und Funktion. „Wir brauchen Strategien, die langfristig die körperliche Aktivität und auch die Muskelkraft erhalten oder verbessern. Denn ich kann eines sagen“, mahnt Professor Sole, „Menschen mit einer Rekonstruktion des Kreuzbands werden ganz sicher Rehabilitationsstrategien brauchen. Und zwar für den Rest ihres Lebens.“

Bewegung fördert Heilung: Die Kniebandage GenuTrain lindert durch Kompression Knieschmerzen.

Die Studie im Überblick

  1. 1. Teil: Akuteffekt > randomisierte Crossover-Studie
  2. 2. Teil: Sechs-Wochen-Effekt > kontrollierte klinische Studie mit Bandagengruppe und Kontrollgruppe

Stichprobe: 34 Teilnehmer (18 Männer, 16 Frauen)
Einschlusskriterium: Sechs Monate bis fünf Jahre nach Kreuzbandrekonstruktion, funktionelle Defizite im Knie vorliegend (40 bis 80 von max. 100 Punkten im IKDC-SKF-Score)
Testverfahren und Messungen: „Horizontal jump“, Einbeinsprung aus dem Einbeinstand heraus, Landung auf einem Bein, drei gemittelte Versuche, verletzte Seite ohne und mit Bandage; LSI Lateral Symmetry Index; IKDC-SKF-Score

Die im August 2021 in BMC Musculoskeletal Disorders (22: 655; 2021) veröffentlichte Studie „Immediate and 6-week effects of wearing a knee sleeve following anterior cruciate ligament reconstruction: a cross-over laboratory and randomised clinical trial“ von Sole et al. ist kostenfrei abrufbar unter: doi.org/10.1186/s12891-021-04540-x

Nachgefragt: Drei hierarchische Ebenen der Heilung

Prof. Dr. Niels Hammer ist seit Oktober 2019 Lehrstuhlinhaber für makroskopische und klinische Anatomie an der Medizinischen Universität Graz (Österreich). Von 2015 bis 2019 war er Professor für klinische Anatomie an der Universität von Otago und er baute dort das erste Labor für Anatomie und Biomechanik in Australasien auf. Mit Prof. Gisela Sole verbindet ihn die Zusammenarbeit bei den Studien zur Wirksamkeit von Kniebandagen und bei anderen interdisziplinären Forschungsprojekten.

Prof. Dr. Niels Hammer, Medizinische Universität Graz (Österreich).

life: Sie haben als Anatom einen besonderen Blick für die Zusammenhänge im Knie. Über den Zeitverlauf hinweg betrachtet: Was passiert da im Heilungsprozess?

Prof. Dr. Niels Hammer: Es gibt eine Hierarchie der Heilung, drei Ebenen, auf denen die Funktionalität wieder hergestellt werden kann. An deren Basis steht zunächst die Wiederherstellung der Anatomie nach einer Ruptur des vorderen Kreuzbands, dann folgt der Aufbau der Muskelkraft. An der Spitze der Hierarchie steht die neuromuskuläre Steuerung, ein Aspekt, der viel mit Propriozeption zu tun hat.

Überspannt eine stabilisierende Bandage das ganze Geschehen?

Prof. Dr. Niels Hammer: Wir haben keine eindeutigen Beweise dafür, dass diese Art von Hilfsmittel die muskuläre Kraft oder das anatomische Alignment beeinflusst. Aber es scheint ganz klar eine Verbindung zur obersten der genannten Ebenen zu geben, nämlich zur neuromuskulären Steuerung und deren Integration in das anatomische und muskuläre Geschehen. Und das ist es, worauf es für den Patienten ankommt: die anatomischen Strukturen, also das rekonstruierte Kreuzband, wieder nutzen zu können und in diesem Stadium der Rehabilitation nicht zu sehr auf eine erneute Verletzung achten zu müssen.

Unterscheidet sich die Behandlung von Kreuzbandrupturen in Neuseeland und im deutschsprachigen Raum?

Prof. Dr. Niels Hammer: Ja, es gibt tatsächlich Unterschiede. Die Gesamtzahl der chirurgischen Rekonstruktionen ist in Neuseeland im Vergleich zu den deutschsprachigen Ländern relativ hoch und das anschließende Behandlungskonzept unterscheidet sich ein wenig. Und es gibt dort auch weniger strenge Leitlinien für die Art der chirurgischen Rekonstruktion. Im deutschsprachigen Raum werden meist zwei oder drei Optionen angewendet, hauptsächlich was das Material für das Implantat angeht. In Neuseeland gibt es bei diesem Eingriff eine größere Vielfalt.

GenuTrain: Stabilisieren und Schmerz lindern

Bewegung fördert Heilung: Die Kniebandage GenuTrain lindert durch Kompression Knieschmerzen bei posttraumatischen und postoperativen Reizzuständen, bei Arthritis, arthrotischen Veränderungen oder Tendomyopathien. Die Wechseldruckmassage des Gewebes bei Bewegung durch das starkstrukturierte Gestrick und die viskoelastische Pelotte fördert die Durchblutung und hilft, die stabilisierende Gelenkmuskulatur zu aktivieren. Die in die Bandage eingearbeitete Pelotte, das Omega+ Pad, schützt die Kniescheibe und verstärkt die propriozeptive Stimulation durch Druckpunkte und Massagenoppen aus festerem Material. Im Bereich der Kniekehle ist das Gestrick für besseren Tragekomfort im aktiven Alltag etwas weicher und luftdurchlässiger ausgeführt.

Whitepaper anfordern

Ausgewählte Ergebnisse der Studie sind in dem Whitepaper „Wirkung und Langzeiteffekt einer Kniebandage bei chronisch instabilen Patienten nach erfolgter ACL-Bandplastik“ zusammengefasst. Dieses Paper ist als pdf-Datei auf Deutsch und Englisch („Effectiveness and Long-Term Effect of a Knee Support in Patients with Chronic Instability Following ACL Reconstruction“) erhältlich, für eine Anforderung genügt eine kurze Mail an medical.affairs@bauerfeind.com.

Bilder: istockphoto.com/Anut21ng, University of Otago, Bauerfeind, privat

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