Arthrose/ Bandagen

Mit der Bandage kommen Patienten schneller im Alltag an

GenuTrain nach Gelenkersatz

Von Bauerfeind Life Magazin

Kurz & knapp Eine Studie der Klinik Münsterland untersucht die Wirksamkeit der GenuTrain bei der postoperativen Versorgung nach Knie-Endoprothesenimplantation. Ziel ist, nachzuweisen, dass sich mit Kompressionsbandage das Ödem schneller zurückentwickelt, die Patienten mehr Halt und Stabilität empfinden und früher fit für den Alltag sind.

Nach Einsatz einer Knie-Endoprothese können Kompressionsbandagen helfen, die Rückkehr der Patienten in den Alltag zu beschleunigen. Eine Studie mit der GenuTrain unter Leitung des Reha-Mediziners Professor Dr. Bernhard Greitemann soll die Evidenz erbringen.

In Deutschland gibt es zu wenig Kenntnisse in der technischen Orthopädie“, sagt Professor Dr. Bernhard Greitemann, Ärztlicher Direktor der Klinik Münsterland am RehaKlinikum Bad Rothenfelde. Mit einer randomisierten kontrollierten Studie zur Wirkung der GenuTrain nach Knie-Endoprothesenimplantation möchte er eine Forschungslücke über den postoperativen Einsatz von Bandagen schließen und Aufklärungsarbeit für die Rehabilitationsmedizin leisten. Zwar hat Corona seinen Zeitplan deutlich ausgebremst, dennoch sieht der Professor nach der Hälfte der geplanten Teilnehmerzahl die Forschungshypothesen tendenziell bestätigt: „Das Ödem geht schneller zurück, die Kniebandage gibt Halt und Stabilität beim Trainieren der Funktionsfähigkeit.“ Zwei wichtige Aspekte in der Rehabilitation: Für das Schmerzempfinden und die Beweglichkeit ist es entscheidend, dass Ödeme zügig abgebaut werden. Beim Training braucht es Zutrauen, um Schrittgeschwindigkeit und Schrittlänge langsam zu steigern. Die meisten operierten Patienten reagieren positiv auf die Kompression und tragen die Bandage gern, sagt Professor Greitemann, nur wenige tolerieren den Druck nicht.

Bei der Posturomed-Messung heißt es, stabil das Gleichgewicht zu halten. Bei der Haltungskorrektur hilft ein Spiegel.

Die Studie läuft während des Reha-Aufenthalts und darüber hinaus mit einem Beobachtungszeitraum von insgesamt drei Monaten. Die Stationsärzte wählen bei der Aufnahme Patienten nach den Einschlusskriterien aus. Willigen sie ein, werden sie nach dem Zufallsprinzip der Bandagen- oder Kontrollgruppe zugeteilt. Dann geht das klassische, meist dreiwöchige Reha-Programm los – mit oder ohne den zusätzlichen Einsatz der ­GenuTrain. Ärzte und Therapeuten kontrollieren regelmäßig den Fortschritt. Entlassungsziel: mehr als 90-Grad-Kniebeugung und wenn möglich eine komplette Streckung des Beins. Die Studienteilnehmer erfüllen Bewegungsaufgaben und führen ein Aktivitätstagebuch – auch nach Entlassung aus der Klinik, um mögliche Langzeiteffekte bei der Stabilisierung zu erfassen. 

Studienleiter Prof. Dr. Bernd Greitemann mit Knie-TEP-Patient Walter Budde. Zur Untersuchung der postoperativen Nachsorge tragen die Studienteilnehmer die GenuTrain während ihrer Reha und bis zu drei Monate danach.

Realsituation auf dem Laufparcours

Studienleiter Professor Greitemann ist vom postoperativen Einsatz von Kniebandagen überzeugt. Reha-Patienten zeigen oft Belastungs- und ­Gangunsicherheit, einen Verlust an Propriozeption oder funktioneller Stabilität sowie eine atrophierte Muskulatur aufgrund langjähriger Erkrankung. „Die Alternative zur Bandage ist ein Kompressionsstrumpf“, erklärt der Ärztliche Direktor. „Der verliert aber oft seine Wirkung, sobald das Ödem abklingt und er wegen des geringeren Beinumfangs nicht mehr passt. Außerdem ist eine Bandage leichter anzuziehen und wird positiver als sportlich wahrgenommen“, fügt er hinzu. Seine Hypothese: „Mit der erhöhten Stabilität durch die Bandage kommen Patienten schneller im Alltag an.“

Die Kniegelenkbandage GenuTrain dient der Behandlung von Instabilitätsneigung, postoperativen, -traumatischen oder degenerativen Reizzuständen.

Das erhofft sich Studienteilnehmerin Maria Richter, die an ihrem zweiten Tag in der Rehaklinik eine GenuTrain erhielt, die sie nun fünf Stunden lang täglich tragen soll. Seit zwei Wochen hat sie einen unikondylären Schlitten und ist bereits wieder gut zu Fuß, was sie am eigens für die Studie entwickelten Laufparcours vorführt. Hier können Patienten wetterunabhängig in der Sporthalle die Fortbewegung in Alltagssituationen üben: auf Kies oder Sand, Kopfsteinpflaster oder Treppenstufen, auf einer seitlich geneigten Laufebene und einer Steigung in Laufrichtung. Maria Richters Ziel: „Den begonnenen Jakobsweg zu Ende gehen!“ Außerdem musste sie schmerzbedingt seit einem Jahr aufs Nordic Walking verzichten, das soll sich bald ändern: „Jetzt heißt es üben!“

Maria Richters Ziel nach ihrer Reha. „Den begonnenen Jakobsweg zu Ende gehen“

Mehr Lebensqualität

Walter Budde, seit zwei Wochen mit frisch implantierter Prothese in Bad Rothenfelde, ist schon weiter. Erfolgreich übt er bei der Posturomed-Messung, das Gleichgewicht zu halten als Test für die Seitenbandstabilität. „Da hilft die Bandage!“, freut er sich, während er konzentriert im Spiegel seine Haltung kontrolliert. Die isometrische Kraftmessung auf der Funktionsstemme bringt ebenfalls gute Ergebnisse. Drei Messungen sind im Laufe der Studie vorgesehen. Auch sollte einem weitgehend normalen, aktiven Leben nichts mehr im Wege stehen – auch mit weiterer Unterstützung durch die ­GenuTrain. „Jeder Knieprothesenträger kann langfristig von einer Bandage profitieren, gerade Patienten mit stehenden Berufen oder wenn sie gerne Sport treiben“, erklärt Professor Greitemann, der sie auch bei Entlassung verordnet. Wichtig sei, baldmöglichst das zu machen, was man mag.

„Jeder Knieprothesenträger kann langfristig von einer Bandage profitieren.“

Prof. Dr. Bernhard Greitemann
Professor Dr. med. Dipl. oec. Bernhard ­Greitemann, Arzt für Orthopädie, physikalische und rehabilitative Medizin, Chirotherapie, physikalische Therapie, Sportmedizin, Sozialmedizin und spezielle Schmerztherapie. Der Ärztliche Direktor der Klinik Münsterland am RehaKlinikum Bad Rothenfelde war langjährig Vorstandssprecher des Forschungsverbunds Rehabilitationswissenschaften NRW und Leiter des Instituts für Rehabilitationsforschung Norderney.

Klinische Studie mit GenuTrain in der postoperativen Nachsorge bei Knie-Endoprothesen

Unter Leitung von Professor Dr. Bernhard Greitemann untersucht eine Studie der Klinik Münsterland die Wirksamkeit von Kompressionsbandagen bei der postoperativen Versorgung nach Knie-Endoprothesenimplantation. Das Reha-Programm soll Ödeme und Reizzustände reduzieren, die Beweglichkeit fördern sowie die stabilisierende Muskulatur kräftigen. Die prospektive, randomisierte und kontrollierte Interventionsstudie vergleicht die stabilisierenden Effekte einer Standardrehabilitation, die Schmerzmedikation und Physiotherapie umfasst, mit einem Programm, in dem die Patienten der Verum-Gruppe zusätzlich eine Kompressionsbandage (GenuTrain) tragen. Drei Monate lang füllen die 82 Teilnehmer zwischen 50 und 80 Jahren ein Aktivitätstagebuch sowie den international anerkannten Fragebogen „Oxford Knee Score“ (OKS) aus. Während des Klinikaufenthalts werden Daten zur funktionellen Gelenkstabilität, Gelenkbeweglichkeit (ROM) und Ödemreduktion sowie zur subjektiven Gelenkfunktion (OKS), Kraft, täglichen Gehstrecke, zu Schmerz und Medikation erhoben. 

Bilder: Sven Hillert

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