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Frühfunktionelle Therapie des Sprunggelenks „Bewegung muss als positiv erkannt werden!“

Ausgabe 03/2010

Trotz Rigidität ein Höchstmaß an Mobilität – Prof. Dr. med. Stefan Sell zeigte sich im Interview mit life sichtlich zufrieden mit der neuen MalleoLoc. Hohe Erwartungen setzt der Chefarzt der Sana Klinik in Bad Wildbad auch in die MalleoTrain Plus mit ihrer „Taping-Funktion“.

Herr Prof. Sell, die Angst des Sportlers vor dem „Umknicken“ ist legendär. Gibt es für ihn eine neue Botschaft?
Prof. Sell: An den Fakten lässt sich leider nichts ändern. Dreißig bis fünfzig Prozent aller Sportverletzungen betreffen das Sprunggelenk. Da seine Stabilität erst durch das komplexe Zusammenspiel von ossären Gelenkbestandteilen und umliegenden Weichteilen entsteht, handelt es sich oftmals um Kombinationsverletzungen. Die gute Botschaft ist jetzt: Es gibt eine durchgehende Versorgungsreihe – je nach Art, Schwere und Stadium der Verletzung. Wo früher noch eine Bandnaht nach der anderen angelegt wurde, wird heute in den meisten Fällen erfolgreich konservativ behandelt.

Was bedeutet die durchgehende Reihe für den Betroffenen?
Prof. Sell: Mit den beiden Aktivbandagen MalleoTrain und MalleoTrain Plus versorgen wir leichte bis mittelschwere Distorsionen. Der Stabilisierungsgrad steigt an, wobei die MalleoTrain Plus über eine besondere Zuggurtung verfügt. Sie wirkt ähnlich wie ein Tape-Verband, nur hautschonender. Heilungsfördernde Einflüsse wie Abschwellung und Propriozeption, vermittelt durch das leicht komprimierende Gestrick, kommen hinzu.

Prof. Dr. med. Stefan Sell, Chefarzt der Sana Klinik für Endoprothetik und Gelenkchirurgie in Bad Wildbad und medizinischer Berater von Bauerfeind.
Prof. Dr. med. Stefan Sell, Chefarzt der Sana Klinik für Endoprothetik und Gelenkchirurgie in Bad Wildbad und medizinischer Berater von Bauerfeind.

Und die MalleoLoc …
Prof. Sell: … setzen wir bei schwereren Verletzungen ein. Dazu zählen einfache bis komplexe Bandrupturen. Die Übergänge sind jedoch fließend. Um die abzudecken, brauche ich eine komplette Reihe, bestehend aus Bandagen und Orthesen, mit der ich flexibel arbeiten kann. So ist die MalleoLoc jetzt beispielsweise auch für die Frühakutphase geeignet. Wenn noch kleinere Restbeschwerden vorhanden sind, kommen wir mit der MalleoTrain Plus ans Ziel. Und das muss immer heißen: Stabilität im Sprunggelenk und damit Sicherheit zurückgewinnen.

Welche Erfahrungen konnten Sie bisher sammeln?
Prof. Sell: Während der Entwicklungsphase habe ich speziell die MalleoLoc an mehreren Probanden inklusive mir selbst getestet. Für mich entscheidend war ihr frühfunktioneller Einsatz. Man kann mit ihr sogar sehr früh aktiv Sport betreiben. Wenn der Patient schon in diesem Stadium erkennt, dass sich Bewegung positiv auswirkt, ist für den weiteren Heilungsprozess viel erreicht.

Welche Eigenschaften der Orthese tragen zur frühfunktionellen Therapie bei?
Prof. Sell: Ganz erstaunlich finde ich, dass trotz Verwendung eines biegsameren Materials, das sich der Anatomie des Fußes anpasst, die Stabilität noch zugenommen hat. Und nicht nur die – auch die Mobilität mit der MalleoLoc ist gestiegen. Hier wurde scheinbar Gegenläufiges zusammengebracht. Zudem scheinen die propriozeptiven Eigenschaften, ausgelöst durch die plantare Zunge an der Fußsohle, tatsächlich den gewünschten Reflex auszulösen, der über Muskelkontraktion zusätzlich Stabilität verleiht.

Können Sie damit dem Sportler die Angst nehmen, sich immer wieder an der gleichen Stelle zu verletzen?
Prof. Sell: Das Sprunggelenk ist und bleibt die exponierte Stelle bei Sprungsportarten oder bei Kontaktsportarten wie Fußball und Handball – und damit sehr verletzungsanfällig. In der Therapie aber verfügen wir jetzt über Mittel, die Schwachstelle, den Locus minoris resistencia, dauerhaft zu stabilisieren, so dass wir auch die mentale Blockierung minimieren können. Ganz unabhängig davon besitzen diese Mittel naturgemäß ein sehr hohes prophylaktisches Potenzial.

Bilder: Conny Kurz